Zur literarischen Reflexion des Holocaust: Imre Kertész - Der Holocaust aus ostmitteleuropäischer Perspektive

Katalin Madacsi, Georg-August-Universität - Göttingen

26. August 2009

Die Werke des ungarischen Autors Imre Kertész zeugen von der prägenden Erfahrung des Holocaust, die nicht nur in seinem Hauptwerk, dem Roman eines Schicksallosen, sondern auch in allen weiteren literarischen Entwürfen als Bezugspunkt dient. Das Leben in verschiedenen Formen des Totalitarismus sieht der Autor selbst als Voraussetzung für seinen Wirklichkeitsbegriff, der den Holocaust konsequent in sich aufnimmt. Im Vergleich zum westeuropäischen Diskussionsstand ist neu und im Rahmen der Arbeit klärungsbedürftig, wie der ostmitteleuropäische Erfahrungsraum diese Perspektive auf Auschwitz bestimmt hat. Der Autor reflektiert die Erfahrung von Auschwitz - von seinem spezifisch ungarischen Standort aus - in immer wieder neuen und damit zeitlich verschobenen Anläufen. Das Promotionsprojekt fragt nach den Motiven der jeweiligen Perspektive und geht dem Zusammenhang von literarischer Reflexion und ihrer Verankerung im Erfahrungs- und Zeithorizont des Reflektierenden nach. In einem problemorientierten diskursanalytischen Verfahren - das hier der literarischen Hermeneutik neue Kontexte erschließen soll - werden interdiskursive Schnittmengen und Kertész' Standort im transkulturellen Diskurs des Holocaust aufgezeigt.

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