Die Pfändung der Zukunft?

Buchvorstellung von "Foreclosing the Future - The World Bank and the Politics of Environmental Destruction" und Podiumsdiskussion

Datum: Mittwoch, 4. Dezember 2013, 19.30 -21.00 Uhr
Ort: Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin

Mit:
Bruce Rich, Autor von „Foreclosing the Future - The World Bank and the Politics of Environmental Destruction” und zahlreicher Veröffentlichungen, u.a. zu multilateralen Finanzinstitutionen und nachhaltiger Entwicklung, Anwalt, Träger des United Nations- Umweltpreises „Global 500 Award“, Washington
Ingrid Hoven, Deutsche Exekutivdirektorin der Weltbank
Knud Vöcking, urgewald e.V., Sassenberg

Moderation: Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin

Interviews
Bruce Rich steht bereits am Dienstag, 3. Dezember, nachmittags für Interviews zur Verfügung. Bitte melden Sie sich unter simon@boell.de oder 030 285 34 202.

Drei Jahre liegt es zurück, dass sich UN-Generalsekretär Ban Ki Moon an die Teilnehmer/innen des Wirtschaftsgipfels in Davos wandte, sie als die "Starken und Mächtigen dieser Welt" adressierte und zu ihnen von der Notwendigkeit "einer Revolution des freien Marktes" sprach, um weitere massive Umweltzerstörungen zu vermeiden und dennoch Armut zu bekämpfen.

Die Fortsetzung des heutigen Wirtschaftsmodells ohne klimastabilisierendes Umsteuern und Schutz der Ökosysteme unseres Planeten so seine drastische Warnung, sei ein "Rezept für nationale Desaster" und darüber hinaus ein "globaler Selbstmordpakt".

In der Vergangenheit hatte keine andere Institution für den Spagat zwischen Armutsbekämpfung und Klimaschutz ein wichtigeres Mandat inne als die Weltbank. Grund dafür ist aber nicht etwa das umgesetzte Finanzvolumen, sondern ihr politischer und normativer Einfluss, der vor allem von ihren Hauptgebern herrührt. Deutschland nimmt dabei den vierten Rang ein.

Die globalen Machtverhältnisse verschieben sich jedoch zusehends. Die Investitionsleistung der aufstrebenden Wirtschaftsmächte und ihr Einfluss nehmen erheblich zu. Diese Länder sind zunehmend unzufrieden mit der Leistung der Weltbank, ihren Auflagen und dem begrenzten Vergabevolumen. Das Versagen der Bank ihr Mandat zu erfüllen ist aber letztlich das Ergebnis politischer Scheinheiligkeit und des Regierungshandelns ihrer 188 Mitgliedsländer.

Bruce Rich hat hunderte Fallstudien, interne Weltbankberichte und Anhörungen im US-Kongress und im britischen Parlament ausgewertet. Seine Schlussfolgerung ist eindeutig: Die Bank, die er als den "Vatikan der Entwicklungsfinanzierung" bezeichnet, wird ihrem Entwicklungsmandat als öffentlich finanzierte Institution nicht gerecht. Er fand unter dem Staub seiner Aktenstudien besorgniserregende Fälle von Korruption, falsche Anreize und institutionelle Amnesie. Richs Analyse zeigt aber auch, dass die Weltbank selbst ein Mikrokosmos der Herausforderungen an eine globale Umwelt- und Sozialpolitik und der damit verbundenen Konflikte ist.

Wir laden Sie ein zu einer Diskussion um die Rolle der Weltbank im Spannungsfeld von Kritik, die sich aus widersprüchlichen Erwartungshorizonten speist, und bei der auch die realpolitischen Einsichten der deutschen Exekutivdirektorin bei der Weltbank zu Wort kommen werden. Vor dem Hintergrund der im Buch aufgearbeiteten Analyse beleuchten wir die Herausforderungen an die Gestaltung internationaler Entwicklungspolitik.

Das Buch von Bruce Rich können Sie hier bestellen.
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Pressekontakt
Ramona Simon
Pressesprecherin
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T 030 285 34 202