Deutschland und der Völkermord in Ruanda

Heinrich-Böll-Stiftung
Veröffentlichungsort
Berlin
Veröffentlichungsdatum
April 2014
Seitenzahl
31
Lizenz
nil

Dieses Jahr wird zum zwanzigsten Mal dem Völkermord in Ruanda gedacht. Zwischen Anfang April und Anfang Juli 1994, einem Zeitraum von etwa hundert Tagen, töteten radikale Hutu in Ruanda mehr als 800.000 Tutsi und moderate Hutu. Drei Viertel der 930.000 in Ruanda lebenden Tutsi fielen dem Genozid zum Opfer.

Deutschland war zum Zeitpunkt des Genozids schon seit Jahrzehnten entwicklungspolitisch in Ruanda engagiert und enger mit dem Land verbunden als mit den meisten anderen afrikanischen Ländern. Ernüchternd ist allerdings das Ausmaß der deutschen Zurückhaltung. Als deutsche Stellen in Ruanda während der frühen 1990er Jahre immer mehr Warnzeichen für einen massiven Gewaltausbruch wahrnahmen, wurden diese von wichtigen Schaltstellen nicht an Bonn weitergegeben oder stießen dort auf keine Reaktion. Gleichzeitig erhöhte die Bundesregierung die Entwicklungshilfe für Ruanda.

Nach Beginn des Völkermords und der Evakuierung der eigenen Staatsbürger lehnte Deutschland einen Beitrag zur Unterstützung der Vereinten Nationen ab, auch als diese explizit um deutsche Hilfe baten. Auch nach konkreten Anfragen des Landes Rheinland-Pfalz nahm Deutschland keine Flüchtlinge aus Ruanda auf.

Bis heute hat sich die Bundesregierung nicht intensiv mit der Rolle Deutschlands vor und während des Völkermords in Ruanda auseinandergesetzt. Eine solche Auseinandersetzung wäre jedoch auch für heutige Diskussionen zur deutschen Außenpolitik bereichernd. Diese Publikation, die die Rolle Deutschlands vor, während und nach dem Völkermord in Ruanda beleuchtet, will hier einen ersten Schritt zur Aufarbeitung übernehmen.

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Zur Autorin

Sarah Brockmeier ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Global Public Policy Institute (GPPi) in Berlin und stellvertretende Vorsitzende bei der Menschenrechtsorganisation Genocide Alert. In beiden Positionen arbeitet sie zum Thema der Verhinderung schwerster Menschenrechtsverbrechen und der Schutzverantwortung

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