Kerstin Stark, Universität Kassel

Für eine gerechte ökologische Transformation: Energieverwundbarkeit und alternative Politikansätze im Bereich Mobilität

Die Gesellschaft steht vor großen Herausforderungen, die die grundlegende Umstellung auf klima- und umweltbewusstes Leben, Wirtschaften und Produzieren bereits stellt und noch stellen wird. Umweltpolitische Maßnahmen stehen oft in der Kritik, im Widerspruch zu sozialer Gerechtigkeit zu stehen, exemplarisch lässt sich hier die Diskussion zur „Energiearmut“ anführen, d.h. das Problem, dass Strom oder Wärme infolge steigender Energiepreise nicht mehr jedem in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Ein bisher wenig beachteter Bereich in dieser Debatte ist Mobilität. Mobilität, bzw. der Zugang zu Verkehrsdienstleistungen ist dabei ebenso abhängig von Energie und eine gleichsam wichtige Säule des täglichen Lebens. Verkehr gehört zudem zu den Hauptverursachern von CO2-Emissionen und ist daher in hohem Maße umwelt- und klimapolitisch relevant und Gegenstand von Kostensteigerungen.

Mit Blick auf die gegenwärtigen politischen Zielstellungen zeigt sich, dass umweltfreundlicher bzw. emissionsarmer Verkehr insbesondere durch den Ausbau alternativer Antriebe unter sonst gleichbleibenden Bedingungen angestrebt wird, an der Ausrichtung auf den motorisierten Individualverkehr soll nichts geändert werden, soziale Aspekte, etwa gleiche Zugangschancen zu Mobilität oder kostengünstigere Alternativen, werden kaum berücksichtigt. Wer etwa ein älteres Auto fährt, wird mit steuerlichen Nachteilen und Fahrbeschränkungen sanktioniert, KäuferInnen von Elektroautos werden dagegen gefördert. Es stellt sich die Frage, ob der Gegensatz von Umweltfreundlichkeit und sozialer Gerechtigkeit nicht überwunden werden kann und wie die Bedürfnisse und Anforderungen aller und nicht nur die einer Minderheit Berücksichtigung finden können. Wie also kann Mobilität gestaltet werden, die beides ist, sozialgerecht und ökologisch?

Den theoretischen und methodologischen Hintergrund bildet die Akteur-Netzwerk-Theorie, außerdem lege einen der deliberativen Demokratietheorie entlehnten Gerechtigkeitsbegriff zugrunde – grob gesagt ist gerecht, was unter Berücksichtigung aller Gesellschaftsmitglieder verhandelt wurde – sowie ein der Klimaanpassungsforschung entlehntes Vulnerabilitätskonzept. Damit lassen sich äußere wie individuelle Einflussfaktoren sowie die Möglichkeiten eines Umgangs mit ungünstigen Bedingungen in die Beurteilung von Mobilitätschancen einbeziehen. Empirisch möchte ich mit einem qualitativen Forschungsdesign zum einen die sozialen Mobilitätsbedürfnisse untersuchen und die Folgen eines eingeschränkten bzw. prekären Zugangs zu Mobilität. Zum anderen sollen die Potenziale und Schwachstellen vorhandener Mobilitätskonzepte analysiert werden. Ziel ist ein besseres Verständnis des Problems der „Mobilitätsvulnerabilität“ sowie ein Kriterienkatalog für soziale und ökologische und diesem Sinne gerechte Mobilität.