Wider jede Vernunft: Auswirkungen des Antibiotika-Verbrauchs in der Tierhaltung

Presse-Einladung:

Wider jede Vernunft: Auswirkungen des Antibiotika-Verbrauchs in der Tierhaltung

Impulsvorträge und Podiumsdiskussion sowie Vorstellung der Studie „Masse statt Klasse – Eine Haltung, die krank macht“
durch Martin Häusling, MdEP

Mittwoch, 13. Mai 2015, 18.00 bis 21.00 Uhr
Heinrich-Böll-Stiftung, Beletage, Schumannstr. 8

Mit
Prof. Dr. K.-D. Zastrow, Vivantes Kliniken Berlin, Berufsverband Deutscher Hygieniker,
Martin Häusling, MdEP, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion Die Grünen/EFA und Schattenberichterstatter des EU-Tierarzneimittel-Pakets
Frederike Balzer, Umweltbundesamt,
Dr. Andreas Striezel, Fachtierarzt für Tierschutz,
Reinhild Benning, BUND e.V.

Antibiotika sind unersetzliche medizinische Helfer und Lebensretter. Doch die Wirksamkeit der vorhandenen Antibiotika ist zunehmend eingeschränkt: Denn Bakterien entwickeln selbst zunehmend Abwehrmechanismen und Resistenzen gegen die eingesetzten Antibiotika. So sterben immer mehr Menschen aufgrund multiresistenter Keime.

Die Ursache liegt im übermäßigen Ge- und Missbrauch von Antibiotika - und zwar nicht nur in den Krankenhäusern: Mittlerweile werden mehr Antibiotika an gesunde Tiere als an kranke Menschen gegeben. Auch verschleppte Kleinstmengen etwa in der Umwelt, in Tiertränken und im Futter tragen zur Bildung von Antibiotikaresistenzen bei.

Um die Wirksamkeit der begrenzten Antibiotikawirkstoffe zu sichern, will die EU gegen die Entwicklung multiresistenter Keime vorgehen. Gleichzeitig hat die EU-Kommission einen Entwurf  für eine Richtlinie vorgelegt, der zufolge Antibiotikawirkstoffe wieder vermehrt in Futtermittel eingemischt werden dürften. Kritiker warnen, die Richtlinie berge enorme Risiken für eine Zunahme von Resistenzen. Eine Mehrheit im Agrarausschuss des Europäischen Parlamentes jedoch begrüßt die Öffnung für mehr Antibiotika im Futter als Erleichterung für Fleisch- und Milchproduzenten.

Die öffentliche Kritik am massiven Medikamenten-Verbrauch in der Tierhaltung wird immer lauter. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO mahnt eindringlich, dass sich der Umgang mit Antibiotika zwingend ändern muss.

Doch wie muss die Tierhaltung umgestaltet werden, um die Ursachen und nicht nur die Folgen in den Griff zu bekommen? Welchen konkreten Handlungsbedarf gibt es für die tiermedizinische Praxis? Brauchen die Fleisch- und Milcherzeuger in den 28 EU-Mitgliedsstaaten einen gesetzlich geregelten leichteren Zugang zu Antibiotika im Futter, um wettbewerbsfähig zu arbeiten? Greifen Maßnahmen der Politik wie die von der Bundesregierung eingeführten Meldepflichten für den Antibiotika Einsatz oder das Europäische Tierarzneimittel-Paket, das gerade beraten wird?

Wissenschaftler und Praktiker aus Medizin, Umwelt, Landwirtschaft und Politik  analysieren und diskutieren die Praxis des Antibiotika-Einsatzes im Stall, seine Folgen für Mensch und Umwelt sowie den Handlungsbedarf für wirksame Wege zur Reduktion.

Anlässlich der Veranstaltung stellt Martin Häusling eine überarbeitete Neuauflage der Studie „Masse statt Klasse – Eine Haltung, die krank macht“ der Fraktion EFA/Die Grünen im Europaparlament vor.

Hier finden Sie das Programm zur Veranstaltung.

Pressekontakt Heinrich-Böll-Stiftung:
Michael Alvarez Kalverkamp
030-28534202
E-Mail: alvarez@boell.de