Transparenz des Geheimen: Die osteuropäischen Geheimpolizeiarchive und der demokratische Wandel

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Podiumsdiskussion am 19. Oktober 2015 in der Heinrich-Böll-Stiftung

Welchen Wert hat das Modell des Aktenzugangs zu den Geheimpolizeiarchiven der kommunistischen Diktaturen für den Umgang mit vergangenem Unrecht? Diese Frage diskutierten am 19. Oktober 2015 Expert/innen im Rahmen des diesjährigen Netzwerktreffens der für die kommunistischen Geheimpolizeiakten zuständigen Behörden in Mittelosteuropa.

Die Öffnung der Geheimpolizeiarchive in Osteuropa, so die Podiumsteilnehmer, sei eine wesentliche Stütze für den Demokratisierungsprozess nach dem Ende der kommunistischen Diktaturen gewesen. Elisabeth Baumgartner ergänzte diese Sichtweise durch Beispiele aus den Philippinen, Guatemala und Ex-Jugoslawien. In nahezu allen Post-Konfliktszenarien ist die juristische Aufarbeitung des begangenen Unrechts nicht ausreichend. Daher sei die gesellschaftspolitische Aufarbeitung umso entscheidender. Sie stelle ein dauerhafte Aufgabe dar, die durch den Zugang zu Archiven immer wieder befruchtet werden kann. Professor Möller fasste die Diskussion in einer These zusammen: "Die Intensität der Auseinandersetzung mit Diktatur ist ein Indiz für den demokratischen Charakter gegenwärtiger Gesellschaften."

 

Video-Mitschnitt der Podiumsdiskussion am 19. Oktober 2015

Mit:

  • Dr. Łukasz Kamiński, Präsident des Instituts für Nationales Gedenken Polen
  • Elisabeth Baumgartner, Swiss Peace
  • Nikita Petrov, Memorial Russland
  • Prof. Dr. Horst Möller, Historiker, Deutschland
  • Moderation: Dagmar Hovestädt, BStU

Im Vorfeld der Diskussion präsentierten Mária Palasik (ABTL), Tomasz Ginter, Grzegorz Wołk (beide IPN) und Dr. Gabriele Camphausen (BStU) die gemeinsam erarbeitete Ausstellung "By Any Means. Communist Secret Police and People's Everyday Life". Die Ausstellung zeigt, wie die Geheimpolizeien in kommunistisch regierten Ländern Mittel- und Osteuropas gearbeitet haben und portraitiert die Schicksale von Menschen, die in Konflikt mit den Machthabern geraten sind. Die Schau ist noch bis zum 20. November 2015 in der Heinrich-Böll-Stiftung zu sehen. Im Anschluss wird sie in verschiedenen Städten Europas gezeigt.

 

Eine Veranstaltung in Kopoperation mit dem Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Der Veranstaltungsbericht erschien zunächst auf der Website des Kooperationspartners.