Die Chancen von Industrie 4.0

Die Chancen von Industrie 4.0

Cover: böll.brief - Die Chancen von Industrie 4.0
21. Okt. 2016 von Ulrich Sendler
Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Kostenlos
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Veröffentlichungsort: Berlin
Veröffentlichungsdatum: Oktober 2016
Seitenanzahl: 22
Lizenz: CC-BY-NC-ND 3.0
Reihe: böll.brief

Mit Industrie 4.0 haben die deutsche Industrie und ihre Technikwissenschaften eine Marke gesetzt. Für die nächste Stufe der industriellen Revolution will der Standort Deutschland eine führende Rolle übernehmen. Die Initiative hat große Resonanz gefunden. Mit dem US-Pendant Industrial Internet Consortium (IIC) und der chinesischen Regierung, die parallel Made in China 2025 beschlossen hat, gibt es intensiven Austausch.

In den vergangenen gut 40 Jahren hat die deutsche Industrie ihre Prozesse weitgehend digitalisiert. Die nun nötigen Schritte hin zur digitalen Durchgängigkeit erfordern aber eine schwierige Transformation, denn für das Internet der Dinge ist eigentlich ein kontinuierlicher Datenkreislauf unumgänglich, keine einseitig ausgerichteten Dateninseln. Und der derzeit vorherrschende technische Ansatz mit fast ausschließlichem Fokus auf die weitere Optimierung der Produktion greift zu kurz.

Künstliche Intelligenz, Big Data Analytics und Cloud-Technologie sind Querschnittstechnologien, die im Zusammenhang mit Industrie 4.0 eine wichtige Rolle spielen. Dazu müssen sie aber richtig verstanden und besser zum Einsatz gebracht werden. Praxisbeispiele aus der Logistik und aus der Automobilindustrie zeigen, was möglich ist, aber auch, wo sich die Industrie schwertut.

Vor allem zeigt sich fünf Jahre nach dem Start der Initiative Industrie 4.0, dass diese neue Stufe der industriellen Entwicklung nicht von allein in die richtige Richtung gehen wird. Es braucht die Vernetzung der wissenschaftlichen Disziplinen, die Vernetzung von Wissenschaft und Technik, und vor allem flankierende Maßnahmen der Politik: Netzinfrastruktur, Aus- und Weiterbildung, Rahmengesetzgebung, ökologische Leitplanken, digitale Ordnungspolitik.

Neben den politischen Rahmenbedingungen braucht eine solche Entwicklung aber auch eine starke Vernetzung, die weit über die digitale Vernetzung der Geräte hinausreicht. Fachleute aus Psychologie, Philosophie, Biologie, Neurologie und Wirtschaftswissenschaft müssen sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus Technologie, Informatik, Produktionstechnik, aus technischer Forschung und Entwicklung zusammenschließen.

Aber grundsätzlich ist Industrie 4.0 – richtig ausgestaltet – eine Chance, die mehr beinhaltet als wirtschaftliches Wachstum der deutschen Industrie. Es könnte die Grundlage sein, um das weitere industrielle Wachstum an gesellschaftlich sinnvolle Ziele zu koppeln.
 

Das böll.brief der Abteilung Politische Bildung Inland der Heinrich-Böll-Stiftung erscheint als E-Paper neun mal im Jahr im Wechsel zu den Themen "Teilhabegesellschaft", "Grüne Ordnungspolitik" und "Demokratiereform". Hier können Sie die böll.briefs per E-Mail abonnieren.

Inhaltsverzeichnis:

Zusammenfassung

1. Industrie 4.0 – der Stand der Dinge

2. Vernetzung der Produktion und der Produkte

3. Unterstützende Querschnittstechnologien

4. Smarte Industrieprodukte – Industrie 4.0 auf dem Weg in die Praxis

5. Die Chancen von Industrie 4.0 – was ist zu tun?
5.1 Kampf um die Industriedaten
5.2 Den Mittelstand gewinnen
5.3 Die Digitalisierung nicht den Technologen überlassen
5.4 Das Bildungssystem auf den Prüfstand stellen
5.5 Die Chancen der Digitalisierung für den ökologischen Umbau identifizieren und nutzen

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Andreas Siemoneit

Dieser Böll-Brief weckt bei mir große Zweifel hinsichtlich einer ausreichenden Hinterfragung eines nur scheinbar unausweichlichen Trends.
Technologie wurde und wird eingesetzt, um Wettbewerbsvorteile zu erreichen, und ein wesentlicher Grund für Wettbewerbsvorteile ist das Ersetzen teurer menschlicher Arbeitskraft durch preiswertes Material: Maschinen und Energieverbrauch.
Bei der Vorstellung, man könne diesen Trend ins Ökologische wenden, wird von Ulrich Sendler meines Erachtens übersehen, dass dies zwar technisch denkbar, ökonomisch jedoch kaum realisierbar ist. Es ist kein Zufall, dass die Ressourceneffizienz seit vielen Jahren zwar (langsam) steigt, aber der Verbrauch insgesamt nicht sinkt, Recyclingquoten niedrig bleiben und erneuerbare Energien immer noch (gemessen am Primärenergieeinsatz) ein Schattendasein fristen: Das Material selbst stellt einen wesentlichen Teil der Wertschöpfung dar, auf den nicht verzichtet werden kann.
Grüne Hochtechnologie leidet somit an einem Paradox: Sie ist vermutlich nur unter den Bedingungen bezahlbar, die sie eigentlich überwinden möchte. Um das herauszufinden, gibt es einen einfachen Weg: Institutionelle Beschränkung des Verbrauchs (Cap & Trade). Dann erst wird Technologie ihr wahres ökologisches Potential zeigen können. Aber die Begrenzung des Verbrauchs ist die Voraussetzung dafür und (erwiesenermaßen) nicht die Folge davon, und ich bin sehr skeptisch, dass bei ernsthaften (und unvermeidlichen) Verbrauchsbeschränkungen von dem bunten Zauber noch viel übrig bleibt.