Geraubte Kindheit

Geraubte Kindheit

Geraubte Kindheit Heinrich-Böll-Stiftung E-Paper
21. Dez. 2016 von Mariam M. Shahin
Heinrich-Böll-Stiftung
Kostenlos
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Veröffentlichungsort: Berlin
Veröffentlichungsdatum: Dezember 2016
Seitenanzahl: 27
Lizenz: CC-BY-NC-ND

Auch ein Ort der Zuflucht kann seine dunklen Seiten haben. Viele syrische Flüchtlinge, die im Königreich Jordanien leben, bekommen dies zu spüren.

An die 1,3 Millionen Syrer leben heute in Jordanien. Sie stellen damit, in einem Land, in dem ein Drittel aller Einwohner Ausländer sind, die Mehrheit innerhalb dieser Gruppe. Viele Fachleute fragen sich, wie eine Bevölkerung von an die zehn Millionen Menschen in einem Land leben können, das kaum über Boden- und Naturschätze verfügt. Für einen Zeitraum von drei Jahren sagten im Januar 2016 vor allem westliche Geberländer Jordanien insgesamt 2,1 Milliarden US-Dollar sowie weitere Hilfsleistungen zu, wodurch die jordanische Regierung in die Lage versetzt werden soll, die Flüchtlinge im Land zu unterstützen.

Die tatsächlich fortwirkende wirtschaftliche Not und die Entrechtung der Menschen aber strapaziert den Zusammenhalt von Familien aufs Äußerste. Den Vereinten Nationen zufolge besuchen in Jordanien nur 70 Prozent der syrischen Flüchtlingskinder eine Schule. Muss sich eine syrische Familie entscheiden, ob sie einen Sohn oder eine Tochter zur Schule schickt, dann wird die Wahl meist auf den Sohn fallen. Für viele Flüchtlingsfamilien sind Töchter kein wirtschaftlicher Aktivposten - es sein denn man verheiratet sie. Mittelbar begünstigt die prekäre Lage in der die Menschen seit Jahren am Zufluchtsort leben die Kinderehen. Es gibt keine Zahlen von Kinderehen, aber man kann deutlich sehen, dass diese zunehmen. Männer aus den Golfstaaten nutzen die Situation und gehen mit minderjährigen Flüchtlingsmädchen Ehen auf Zeit ein. Das gesetzlich festgelegte Heiratsalter von 18 Jahren wird durch richterliche Sondergenehmigungen umgangen.Die Familien bekommen Geld oder eine Wohnung, die Mädchen einen oft wesentlich älteren Mann zur Seite, der sie in den meisten Fällen genauso unvermittelt wieder verlässt, wie er in ihr Leben getreten ist.

Inhaltsverzeichnis:

  • Vorwort zur Reihe
  • Syrische Flüchtlinge in Jordanien
  • Palästinenser/innen aus Syrien
  • Wer hilft den Flüchtlingen?
  • Armut und Schule
  • Die Situation von Frauen und Mädchen
  • Der Scheich, das Gesetz und die Almosen
  • Die Autorin
  • Impressum

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