Tunesien: Gemeinsam gegen Müll

Tunesien: Gemeinsam gegen Müll

Ausstellung

Suad Abderrahim, die Bürgermeisterin der Hauptstadt Tunis, fordert eine „Tiefenreinigung“ für ihre Stadt, um das Müllproblem zu bewältigen. Neben der Entsorgung müssen dabei auch Lagerung, Wiederverwendung, Recycling und Müllvermeidung mitgedacht werden.

Dieser Beitrag ist Teil unseres Dossiers "Clean it up! Müll in Nahost und Nordafrika".

Tunesien hat sich mit seiner Verfassung von 2014 dafür entschieden, dass Städte und Gemeinden dezentral regiert werden. Der Dezentralisierungsprozess hat mit den ersten freien Kommunalwahlen in der Geschichte des Landes im Mai 2018 nun endlich begonnen.

Die Wähler/innen der Hauptstadt Tunis haben erstmalig eine Frau in das Amt des Bürgermeisters gewählt: Suad Abderrahim. Sie hat bereits in ihrem Wahlkampf das Müllthema ins Zentrum gestellt und fordert für Tunis eine „Tiefenreinigung“.

Das ist ein erster Schritt und zugleich eine riesige Herausforderung. Denn damit, den Müll von der Straße zu bringen, ist das Problem ja nicht gelöst. Sichere Lagerung, Wiederverwendung und Recycling sowie Müllvermeidung sind nachgelagerte große Aufgaben.

Besonders Plastikmüll ist eine zusätzliche Herausforderung, denn er liegt nicht nur überall in der Landschaft und auf den Straßen des Landes herum, sondern es kann Jahrhunderte dauern, bis das Material verrottet (mehr dazu in unserem Beitrag „Tunesien: Pfadsuche zum Umgang mit Plastikmüll“).

Wir haben Verantwortliche verschiedener nationaler Agenturen und Kommunalpolitiker/innen aus dem Großraum Tunis zu einem gemeinsamen Frühstücksgespräch in die Ausstellung „Out to sea? – The Plastic Garbage Project“ eingeladen, die von Anfang September bis Mitte Oktober im Stadtmuseum in der Medina zu sehen war.

Der Ausstellungsbesuch hat dazu beigetragen, für die anstehenden Probleme zu sensibilisieren, und das Frühstücksgespräch zielte auf Vernetzung und die Erkenntnis, dass Lösungen gemeinsam gefunden und dass die Koordinierung zwischen den beteiligten Akteuren verbessert werden muss. Wichtige Erkenntnis der Frühstücksdebatte war: Neben den Städten und Gemeinden müssen Produzenten und Verbraucher ebenso einbezogen werden, wie das riesige Potential der Bürger/innen, die sich zivilgesellschaftlich engagieren und zu Problemlösungen beitragen wollen.

Dieser Beitrag ist Teil unseres Dossiers "Clean it up! Müll in Nahost und Nordafrika".

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