Perspectives Africa 3/2018: Through the Looking Glass - Images of African Futures

Perspectives Africa 3/2018: Through the Looking Glass - Images of African Futures

Perspectives Africa 3/2018: Through the Looking Glass - Images of African  Futures
11. Dez. 2018
Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
Kostenlos
Veröffentlichungsort: Kapstadt
Veröffentlichungsdatum: Dezember 2018
Seitenanzahl: 36
Lizenz: CC-BY-NC-ND 3.0
Sprache der Publikation: Englisch

Der Hollywood-Actionfilm Black Panther begeisterte weltweit das Publikum. In einigen afrikanischen Ländern avancierte er rasant zum Film mit der höchsten Einspielung aller Zeiten. Die Geschichte spielt in Wakanda, einem technologisch fortgeschrittenen afrikanischen Königreich, das den Fesseln des Kolonialismus und der Sklaverei entkam, indem es sich absonderte und hinter einer Fassade aus Armut und Entbehrung verbarg.

Wenngleich das, was hier in puncto Erzählweise und bildnerische Gestaltung als „afrikanisch“ deklariert wird, alles andere als unumstritten ist, gelang es dem Film, den Afrofuturismus über die Kreise avantgardistischer Künstler und Intellektueller hinaus in den Mainstream zu katapultieren - eine Disziplin und Ästhetik, die mit Hilfe von Science Fiction und Technologie eine schwarze Identität und Zukunft jenseits der vergangenen und gegenwärtigen Lebensbedingungen entwirft.

Der Film erschien zu einem besonders kritischen politischen Zeitpunkt, in dem die Welt gerade einen radikalen Rechtsruck des sogenannten „demokratischen“ und „entwickelten“ Nordens, allen voran den Vereinigten Staaten und Europa, erfährt. Jener dringt tief ins Mark dieser Gesellschaften und wirft Fragen zu Normen und Werten auf, von denen man bislang angenommen hatte, sie untermauerten deren demokratische Ordnung.

Zeitgleich sieht sich die einflussreiche globale Unterhaltungsindustrie zunehmend mit Kritik an der begrenzten Repräsentation von Diversität bei ihren Produktionen konfrontiert. Immer mehr Stimmen erheben sich gegen die verzerrenden Auswirkungen sowohl des Rassismus, denen Farbige im täglichen Leben ausgesetzt sind, als auch gegen die Rolle rassistischer Geschichtserzählung und Darstellungsweisen, die das Vorstellungsvermögen begrenzen.

Die amerikanische Drehbuchautorin Ytasha Womack stellt es folgendermaßen dar: „Wir sind dazu verleitet worden, einer einzigen Geschichtsschreibung über uns selbst zu glauben. Dies führt zu einem Prozess, bei dem wir uns die Beschränkung unserer Möglichkeiten selber einreden und somit ein Bild eines eingeschränkten Lebens erschaffen.“ Seit den 1950er Jahren haben vor allem afroamerikanische Intellektuelle und Künstler afrofuturistische Ideen zum Leben erweckt, die sich von diesen Beschränkungen lösen.

Für ihren eigenen Kontext fordern afrikanische Intellektuelle wie Ngũgĩ wa Thiong'o und Achille Mbembe die Entkolonialisierung von Sprache und Wissen und wollen damit die singuläre Erzählweise des Kontinents, der sich am äußersten Rand der globalen Kulturproduktion bewegt und dem technologischen Fortschritt hinterherhinkt, in Frage stellen. Im gleichen Sinne forderte die Rhodes Must Fall-Studentenbewegung in Südafrika die Entkolonialisierung kultureller und sozialer Räume, als auch der Bereiche Bildung und Wirtschaft.

Vor diesem Hintergrund der politischen und kulturellen Diskontinuität wandte sich Perspectives an die Autor*innen und befragte sie zu ihren mal mehr und mal weniger spekulativen Zukunftsvorstellungen für Afrika. Was befeuert unsere Vorstellungskraft von der Zukunft und dem Futuristischen? Gibt es Konvergenzen oder Divergenzen zwischen den vorgestellten Zukunftsvisionen in Afrika und dem Afrofuturismus aus den Vereinigten Staaten? Können wir uns eine Zukunft vorstellen, die über die Beseitigung der historischen Ungerechtigkeiten hinausgeht? Ist Afrika bereit für den technologischen Fortschritt, der sowohl für den Afrofuturismus als auch für die vielbeschworene Vierte Industrielle Revolution von zentraler Bedeutung ist?

Das Ergebnis ist eine vielseitige Auswahl von Beiträgen und Gesprächen aus Kunst, Kultur, Philosophie und Politik. Sie bieten Einblicke in die afrikanische Zukunft – fantastisch, idealistisch oder auch nüchtern, aber stets selbstbewusst --, und allesamt rücken den afrikanischen Kontinent ins Zentrum der zukünftigen Welt.

Layla Al-Zubaidi
Regionaldirektor

Jochen Luckscheiter
Programmkoordinator

 

Inhaltsverzeichnis:

Editorial

The New Image of Africa in Black Panther - Ainehi Edoro

Interview: Moving Past Afrofuturism - Rafeeat Aliyu and Masiyaleti Mbewe

Interview: But Africans Don’t Do Speculative Fiction!? - Chiagozie Nwonwu

How Did the African Future Begin? - Imraan Coovadia

Afrofuturism = Radicality - Mawena Yehouessi

Interview: Africa and the Fourth Industrial Revolution: The Need for “Creative Destruction” Beyond Technological Change - Rasigan Maharajh

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