Guatemaltekische Menschenrechtsaktivistin Helen Mack massiv bedroht

Guatemaltekische Menschenrechtsaktivistin Helen Mack massiv bedroht

Hintergrund

Am vergangenen Wochenende wurde die guatemaltekische Menschenrechtsverteidigerin Helen Mack in einem öffentlichen Restaurant in der Zona 10 in Guatemala Stadt im Beisein von Gästen sowie eines Mitarbeiters der Heinrich-Böll-Stiftung von vier bewaffneten Personen massiv bedroht.

Die vier Männer (siehe Fotos) ließen sich am Nebentisch nieder und fotografierten und filmten Helen Mack und ihren Begleiter in ostentativer Offenheit ohne verbale Äußerungen. Dennoch war die bewusst in aller Öffentlichkeit übermittelte Botschaft eindeutig und die Bedrohung real. Die angespannte Situation wurde dadurch beendet, dass Helen Mack schließlich aufstand, ebenfalls offen mit ihrem Handy Fotos von den sie observierenden vier Personen machte und ihnen einige Worte zur Entspannung der Situation sagte; sämtliche andere Gäste hatten mittlerweile das Lokal verlassen. Sie hat inzwischen Anzeige erstattet, die Identität der vier Männer steht noch nicht fest.

Am Vormittag des gleichen Tages, also am 17.1.2019, hatte Helen Mack eine Klage gegen 12 Richter am Obersten Gerichtshof eingereicht, die sich für die Aufrechterhaltung der Immunität des Abgeordneten Felipe Alejos Lorenzana ausgesprochen hatten. Er wird von der Generalstaatsanwaltschaft in Guatemala des Amtsmissbrauchs beschuldigt. Diese Klage stellt wahrscheinlich einen singulären Vorgang in der Justizgeschichte des Landes dar. Deshalb wird vermutet, dass der massive Einschüchterungsversuch am Abend in Zusammenhang mit diesem Fall steht.

Guatemala befindet sich zurzeit nach zahlreichen Korruptionsfällen bis in höchste Regierungsämter in einer politischen Krise, in der Demokratie und Menschenrechte offensiv und aggressiv zurückgedrängt werden. Seit einigen Monaten versucht die Regierung trotz zahlreicher internationaler Proteste, der UN-Kommission gegen Korruption und Straflosigkeit CICIG die vertraglichen Grundlagen zu entziehen und die internationalen Mitarbeiter auszuweisen. Die UN-Kommission spielte zusammen mit der guatemaltekischen Staatsanwaltschaft eine zentrale Rolle in der Korruptionsbekämpfung im Land. Sie war 2015 an der Verhaftung von Präsident Otto Pérez Molina und Vizepräsidentin Roxana Baldetti beteiligt, und untersucht aktuell Vorwürfe gegen Präsident Morales und weitere Mitglieder von Regierung und Parlament wegen Korruption und Amtsmissbrauch.

Wir sind um die Sicherheit unserer Partnerin Helen Mack zutiefst besorgt, gerade auch angesichts der zahlreichen Angriffe gegen kritische Aktivistinnen und Aktivisten in Guatemala bis hin zu deren Ermordung. Helen Mack ist eine mutige, international renommierte Persönlichkeit, die 1992 mit dem Alternativen Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Ihre Arbeit wird sowohl von der Heinrich-Böll-Stiftung als auch von Brot für die Welt unterstützt. Der Vorfall ereignete sich im Anschluss an die von der Stiftung finanzierten öffentlichen Vorstellung der filmischen Biografie Helen Macks in Guatemala-Stadt, die auf unserer Stiftungswebsite veröffentlicht ist.

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