Europe Calling: Tödliche Patente? Wie die Produktion von Covid-19-Impfstoffen weltweit gesteigert werden kann (aktualisiert)

Wie die Produktion von Covid-19-Impfstoffen weltweit gesteigert werden kann

Online-Diskussion

Mittwoch, 10. Februar, 20.00 – 22.00 Uhr (MEZ)

Anmeldung

Mit (neu):

  • Tahir Amin, britischer Jurist, Mitbegründer und Ko-Direktor der Nichtregierungsorganisation “Initiative for Medicines, Access and Knowledge”
  • Julia Reda, Expertin für Urheberrecht, Gesellschaft für Freiheitsrechte, ex-MdEP The Greens/EFA
  • Barbara Unmüßig, Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung
  • Sven Giegold, MdEP, The Greens/EFA

Impfstoffe sind der Ausweg aus der Covid-19-Pandemie. Doch trotz gewaltiger öffentlicher Investitionen wird bislang weltweit viel zu wenig Impfstoff produziert. Die Länder des Globalen Nordens werden zumindest bis Ende 2021 den größten Teil ihrer Bevölkerung geimpft haben. Doch schon jetzt ist abzusehen, dass es in den Entwicklungs- und Schwellenländern unter den aktuellen Bedingungen noch Jahre dauern wird, bis genügend Impfstoffe für alle Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung stehen.

Die Welt kann sich jedoch erst dann von der Pandemie wirtschaftlich und sozial vollkommen erholen, wenn das Virus global besiegt ist. Dabei ist klar: Solange das Virus nicht überall besiegt ist, können und werden neue Virus-Varianten entstehen, die selbst geimpfte Bevölkerungsgruppen infizieren könnten, wie das Infektiongeschehen um die aktuelle Variante aus Südafrika nahelegt.

In einer solchen Situation bedeutet die Durchsetzung von Patenten auf Covid-19-Impfstoffe, dass nicht alle globalen Produktionskapazitäten für Impfstoffe, die genutzt werden könnten, auch genutzt werden. Die Impfstoffhersteller haben wiederholt ihre vertraglich zugesicherten Mengen nicht geliefert. Das Wissen um die Bekämpfung der globalen Krankheit, das mit öffentlichen Geldern entwickelt wurde, muss öffentlich sein und darf nicht hinter Patenten versteckt werden.

Deshalb hat Indien als weltweit größter Hersteller von Impfstoffen gemeinsam mit anderen Entwicklungs- und Schwellenländern bei der Welthandelsorganisation WTO den Vorschlag eingereicht, die Patente für Covid-19-Impfstoffe und Medikamente solange auszusetzen, bis eine globale Herdenimmunität erreicht ist.
Die meisten Industrieländer hingegen, darunter auch die EU und die deutsche Bundesregierung, lehnen dies entschieden ab. Im Europäischen Parlament haben die Grünen immer wieder eine Öffnung der Patentregelungen gefordert. Eine Forderung, die auch Unterstützung durch den EU-Ratspräsidenten Charles Michel gefunden hat.

Die geladenen Expert/innen diskutieren die jüngsten Entwicklungen und analysieren, welche Faktoren den Verlauf und Erfolg einer globalen Impfkampagne beeinflussen können.

Die Veranstaltung findet in der Reihe “Europe Calling” in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung statt.

Zur Anmeldung

Pressekontakt
Heinrich-Böll-Stiftung
Michael Alvarez Kalverkamp, Pressesprecher
alvarez@boell.de, +49 (0)30 285 34-202, +49 (0)160 365 77 22