Dr. Birgit Laubach prägte über Jahrzehnte hinweg das politische und gesellschaftliche Engagement der grünen Bewegung als Juristin, überzeugte Europäerin und Feministin mit globalem Weitblick und beeindruckender Stärke. Von 2002 bis 2013 war sie Geschäftsführerin der Heinrich-Böll-Stiftung.
Früh setzte sich Birgit für die Rechte von Frauen weltweit ein. Ihr Engagement galt feministischen Projekten in Ländern des Globalen Südens ebenso wie der strategischen Förderung von Frauenrechten auf nationaler und internationaler Ebene. Ob beratend, in Netzwerken oder programmatisch: Sie verband ihr fundiertes Fachwissen mit politischer Klarheit und dem leidenschaftlichen Willen zur Veränderung. Sie lebte für Politische Bildung, von Anfang an: Schon in den 80er Jahren war Birgit Mitgründerin der Heinrich-Böll-Stiftung in Köln.
Verwurzelt bei den Grünen mit Haltung und Vision
1949 in Wiesbaden geboren, studierte Birgit Rechtswissenschaften, Psychologie und Philosophie an den Universitäten Mainz, Genf und Heidelberg. Von 1990 bis April 2002 war sie Justitiarin der ostdeutschen Bundestagsgruppe von Bündnis 90/Die Grünen, seit 1994 Justitiarin und stellvertretende Fraktionsgeschäftsführerin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Dann kam sie zu uns. Als langjährige Geschäftsführerin der Heinrich-Böll-Stiftung und politische Beraterin in grün-nahen Strukturen stand Birgit für Integrität, Dialogfähigkeit, Entscheidungsstärke und strategischen Weitblick. Sie wusste um die Bedeutung von Organisationsentwicklung und Institutionenbildung, die sie klug und beharrlich in der Stiftung vorantrieb – nicht als Selbstzweck, sondern als Voraussetzung für eine wirkungsvolle und nachhaltige politische Bildungsarbeit. Als eine der ersten hat sie sich gemeinsam mit einem Expert*innenrat für ein Stiftungsfinanzierungsgesetz stark gemacht.
Verantwortung für den Neubau der Heinrich-Böll-Stiftung
Ein besonderes Vermächtnis ist ihr Engagement für den Neubau der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin, der 2008 eingeweiht wurde. Mit Weitsicht und Liebe zum Detail begleitete sie das komplexe Projekt. So entstand ein architektonisches wie institutionelles Symbol für Transparenz, Nachhaltigkeit und politische Bildung im Herzen von Berlin. Das Haus in der Schumannstraße 8 ist Ausdruck dessen, wofür Birgit stand: Räume zu schaffen für Debatten, Ideen und gesellschaftlichen Fortschritt.
Nach ihrem Ausscheiden aus der Heinrich-Böll-Stiftung blieb sie uns weiter eng verbunden als Vorstandsvorsitzende der TuWas-Stiftung für Gemeinsinn (2013-2025). Darüber hinaus war sie als Vorstandsvorsitzende für die Stiftung Frauen in Europa bis zu deren Auflösung 2025 verantwortlich.
Schon länger war sie schwer krank. Am 9. Januar ist Birgit Laubach gestorben.
Wir sind sehr traurig.
In Erinnerung mit Dankbarkeit und Respekt
Dr. Birgit Laubach war eine Persönlichkeit mit großer Wirkung, deren Engagement und Haltung weit über ihr unmittelbares Umfeld hinausstrahlten. Sie hatte Humor; so war lange Zeit das Bellen ihres Hundes ihr Handyklingelton. Ihre Arbeit wird weiterwirken – in feministischen Projekten weltweit, in der politischen Stiftungskultur und im Engagement unzähliger Menschen, die sie inspiriert hat. Ihr Wirken und ihre Disziplin bleiben ein Kompass für jene, die Veränderung mutig gestalten wollen und dafür Verantwortung übernehmen. Unsere Gedanken sind bei ihrem Ehemann Joscha, ihrer Stieftochter Nina und ihren Freund*innen.