Der Wettlauf um kritische Mineralien gefährdet unseren Planeten

Kommentar

Da Regierungen den Umweltschutz schwächen, um neue Bergbauprojekte zu fördern, vertieft der weltweite Wettlauf um kritische Mineralien soziale Spaltungen und schädigt lebenswichtige Ökosysteme. Nur ein reduzierter Verbrauch und robuste, durchsetzbare Vorschriften können langfristige Schäden verhindern und grundlegende Menschenrechte schützen.

Bagger tragen nickelhaltigen Boden ab, im Hintergrund sind Hügel mit tropischem Wald zu sehen.
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Mineralreiche Länder sollten zusammenarbeiten, um ihre Umweltstandards anzuheben

Die ökologischen und menschlichen Kosten des Bergbaus werden immer deutlicher – und von Tag zu Tag alarmierender. Rund 60 Prozent der Gewässer Ghanas sind mittlerweile aufgrund des Goldabbaus entlang der Flussufer stark verschmutzt. In Peru haben viele Gemeinden den Zugang zu sauberem Trinkwasser verloren, nachdem Umweltschutzmaßnahmen abgeschwächt und behördliche Kontrollen ausgesetzt wurden, um neue Bergbauprojekte zu ermöglichen. Selbst der Fluss Rímac, der die Hauptstadt Lima mit Wasser versorgt, ist kontaminiert.

Diese Umweltkrisen werden durch die sich vertiefende Ungleichheit und die sozialen Spaltungen in vielen vom Bergbau abhängigen Ländern noch verschlimmert. Der Global Atlas of Environmental Justice hat mehr als 900 bergbaubezogene Konflikte weltweit dokumentiert, von denen etwa 85 Prozent mit der Nutzung oder Verschmutzung von Flüssen, Seen und Grundwasser zu tun haben.

In den großen Volkswirtschaften ist gleichzeitig eine Neugestaltung der Ressourcenpolitik zu beobachten. Die Vereinigten Staaten versuchen zwar einerseits, die auf fossilen Brennstoffen basierende Weltwirtschaft zu stabilisieren, bemühen sich aber gleichzeitig, sich die für Elektrofahrzeuge, erneuerbare Energien, Waffensysteme, digitale Infrastruktur und Bauwesen benötigten Mineralien zu sichern, oft durch Zwang und aggressive Verhandlungstaktiken. In ihrem Bestreben, die Abhängigkeit von China zu verringern, welches die Verarbeitung von Selten Erden dominiert, werden ökologische und humanitäre Erwägungen zunehmend beiseitegeschoben.

Saudi-Arabien positioniert sich ebenfalls als aufstrebende Macht im Mineralsektor als Teil seiner Bemühungen, sich vom Öl unabhängig zu machen: Neue Partnerschaften – unter anderem mit den USA – werden geschmiedet und eine hochkarätige Bergbaukonferenz ausrichtet. Gleichzeitig untergräbt das Königreich aktiv die Fortschritte in anderen multilateralen Foren, darunter die diesjährige Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Brasilien (COP30) und den Verhandlungen der UN-Umweltversammlung (UNEA7) in Nairobi.

In Europa setzen sich Industrieverbände für eine weitere Deregulierung ein.

In Europa setzen sich Industrieverbände für eine weitere Deregulierung ein, wobei Unternehmen aus dem Bereich fossiler Brennstoffe wie ExxonMobil, TotalEnergies und Siemens Verwirrungstaktiken anwenden, um neu geschaffene Mechanismen zum Schutz der Rechte von Gemeinschaften in ressourcenreichen Regionen zu untergraben. Es ist besorgniserregend, dass ausgerechnet die Unternehmen und Länder, die zu globaler Erwärmung, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen beigetragen haben, nun versuchen, den Mineraliensektor zu dominieren. Wenn wir dies zulassen, gefährden wir die gesamte Menschheit, nicht nur einzelne Bevölkerungsgruppen.

Die Regierungen dürfen nicht passiv bleiben. Sie müssen ihre Verantwortung für den Haupttreiber der Expansion des Bergbaus zurückgewinnen: die Nachfrage. Die Reduzierung des Materialverbrauchs, insbesondere in den Industrieländern, bleibt der wirksamste Weg, um lebenswichtige Ökosysteme zu schützen und die langfristigen Schäden zu verhindern, die die Rohstoffgewinnung unweigerlich verursacht.

Doch trotz überwältigender Beweise, dass die zunehmende Rohstoffgewinnung die Wasserversorgung und öffentliche Sicherheit gefährden kann, schwächen Regierungen weltweit den Umweltschutz, um ausländische Investitionen anzulocken. Damit werden die Ökosysteme, die alles Leben auf der Erde erhalten bedroht, ein wirtschaftlicher Sicht äußerst kurzsichtiges Vorgehen. Tatsächlich zeigen aktuelle Forschungsergebnisse, dass verantwortungsbewusstes Handeln nicht nur moralisch richtig, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist. 

Verantwortungsbewusstes Handeln nicht nur moralisch richtig, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll.

Ein neuer Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, der auf Daten aus fünf Jahren von 235 multinationalen Unternehmen basiert, zeigt, dass Unternehmen, die ihre Menschenrechtsbilanz verbessern, langfristig tendenziell bessere Ergebnisse erzielen. Regierungen sollten daher vorsichtig sein, wenn die Industrie mit Hinweis auf Rentabilität eine Lockerung der Umweltvorschriften oder die Missachtung der Menschenrechte erfordert.

Wenn die Menschen nicht darauf vertrauen können, dass die politische Führung ihre Rechte schütz, werden sie zum Widerstand herausgefordert, der wiederum zu sozialen Konflikten führt, die Investitionen ins Stocken bringen. Die Gegenreaktion gegen das Lithium-Abbauprojekt von Rio Tinto in Jadar in Serbien ist ein Paradebeispiel dafür. Zahlreiche Menschen in Serbien waren der Meinung, dass ihre Regierung die Interessen der Unternehmen in den Vordergrund stellte, indem sie das Projekt, das noch nicht einmal grundlegende Nachhaltigkeitsstandards erfüllte, vorantrieb. Der öffentliche Aufschrei stoppte das Vorhaben und führte zu hohen Verlusten für das Unternehmen.

Nur robuste rechtliche Rahmenbedingungen, die durch eine wirksame Durchsetzung gestützt werden, können die Voraussetzungen für eine stabile und die Rechte aller achtende Entwicklung schaffen. Das bedeutet, die Rechte der indigenen Bevölkerung zu schützen, die freie, vorherige und informierte Zustimmung (Free, Prior and Informed Consent) aller betroffenen Gemeinschaften sicherzustellen, die Wasserressourcen zu schützen, Raumplanung zu betreiben, Sperrzonen einzurichten und unabhängige, partizipative und transparente Sozial- und Umweltverträglichkeitsprüfungen durchzuführen.

Mineralreiche Länder sollten zusammenarbeiten, um ihre Umweltstandards anzuheben, genauso wie Öl produzierende Länder gemeinsam Einfluss auf die Weltmarktpreise nehmen. 

Angesichts der derzeitigen erhöhten geopolitischen Spannungen bleiben multilaterale Foren wie die COP und die UNEA unverzichtbar, um der globalen Fragmentierung entgegenzuwirken und gemeinsame Lösungen voranzutreiben. Mineralreiche Länder sollten zusammenarbeiten, um ihre Umweltstandards anzuheben, genauso wie Öl produzierende Länder gemeinsam Einfluss auf die Weltmarktpreise nehmen. Durch gemeinsames Handeln können sie einen destruktiven Wettlauf nach unten verhindern und sicherstellen, dass lokale Gemeinschaften, insbesondere indigene Völker und andere Rechteinhaber, Gehör finden.

In einer Zeit, in der sauberes Trinkwasser immer knapper wird, Gletscher schmelzen und die Landwirtschaft stark bedroht ist, sind koordinierte internationale Maßnahmen nicht mehr optional. Eine Resolution, die Kolumbien und Oman für die UNEA im Dezember eingebracht haben und die ein verbindliches Abkommen zu mineralischen fordert, stellt einen wichtigen Schritt in Richtung fairerer globaler Standards dar.

Der von Kolumbien initiierte und von Ländern wie Sambia, die die Kosten der Rohstoffindustrie nur zu gut kennen, mitgetragene Vorschlag fordert eine Zusammenarbeit entlang der gesamten mineralischen Produktionskette, um Umweltschäden zu reduzieren und die Rechte indigener Völker und anderer betroffener Gemeinschaften zu schützen. Indem er die Verantwortung auf die ressourcenverbrauchenden Länder überträgt, soll sichergestellt werden, dass die Last der Reformen nicht allein auf den Mineralien produzierenden Volkswirtschaften lastet. Wichtig ist, dass auch die Gefahren durch Abraumhalden und andere Bergbauabfälle angesprochen werden, die zu verheerenden Unfällen und Hunderten von Todesfällen geführt haben.

Zusammengenommen bieten diese Maßnahmen eine seltene Gelegenheit, mit der Beseitigung der Ungleichheiten zu beginnen, die seit langem den Bergbau prägen. Alle Länder, insbesondere die Rohstoffproduzenten, die in der Vergangenheit vom Verhandlungstisch ausgeschlossen waren, sollten diese Gelegenheit nutzen. Die UNEA7 bietet eine Chance, Ressourcengerechtigkeit zu erreichen.


Dieser Artikel wurde zuerst bei Project Syndicate veröffentlicht (Dezember 2025).

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