Aus Sieben werden Vier: Der Markt für kommerzielles Saatgut

Der Markt für kommerzielles Saatgut

Mit Pestiziden und Saatgut verdienen Konzerne wie BASF, Monsanto und Bayer Milliarden. — Urheber/in: Atlasmanufaktur/Heinrich-Böll-Stiftung. CC-BY-SA 4.0

Drei Konzerne beherrschen den Markt

Geben die Behörden grünes Licht für die Übernahme von Monsanto durch Bayer beherrschen drei Konzerne über 60 Prozent des weltweiten Marktes für kommerzielles Saatgut und Agrarchemikalien: DuPont-Dow, ChemChina-Syngenta und Bayer-Monsanto. Baysanto ist dann mit Abstand der größte Agrarkonzern weltweit. Sie würden über ein Drittel des globalen Marktes für kommerzielles Saatgut verfügen. Mit der Kontrolle über das Saatgut erlangen die Konzerne Macht über einen Markt, der so existentiell ist wie kein anderer und den es immer geben wird: Menschen müssen essen.

Solche Marktmacht führt zu geringerem Wettbewerb: Wenige Konzerne können Produkte, Preise und Qualitäten diktieren. Die Bauern hätten weniger Auswahl an Saatgut und weniger Vielfalt auf den Feldern.

Der jetzt schon dramatische Verlust der Artenvielfalt durch die industrialisierte Landwirt­schaft droht sich zu beschleunigen. Denn alle drei Konzerne halten an einem Agrarmodell fest, das auf Produktivitätssteigerungen setzt, auf die Bewirtschaftung immer größerer Flächen, auf Monokulturen und den Einsatz von Pestiziden und Gentech-Pflanzen.

Urheber/in: Atlasmanufaktur/Heinrich-Böll-Stiftung. CC-BY-SA 4.0

Weniger Vielfalt

Konzerne, die ihre Gewinne im Wesentlichen mit chemisch-synthetischen Pestiziden und mit patentiertem Saatgut erwirtschaften, werden alles daran setzen, die industrialisierte Landwirtschaft zu zementieren und ihr Agrarmodell auch in den Ländern des Globalen Südens durchzusetzen.

Bislang werden nur 20 Prozent des weltweit genutzten Saatguts durch Handel erworben, 80 Prozent gewinnen Bauern und Bäuerinnen nach wie vor durch Nachbau und den Tausch von Saatgut, insbesondere in Asien und Afrika. Weil die Agrarmärkte sowohl in Nord- und Südamerika als auch in Europa weitgehend gesättigt sind, sehen die Konzerne ihre Chancen für Wachstum und Expansion vor allem im Globalen Süden. Für sie geht es jetzt in erster Linie darum, Zugriff auf jene 80 Prozent des Saatguts zu erlangen, die noch keiner kommerziellen Nutzung unterliegen. Das heißt im Klartext: Alle drei Großkonzerne werden versuchen, Kleinbäuerinnen und -bauern in ein kommerzielles Regime zu zwingen – und damit die oftmals gut funktionierenden lokal angepassten Saatgutsysteme zerstören.