Perspectives Africa: Jugend und politischer Wandel in Afrika

Heinrich-Böll-Stiftung, Büro Südafrika
Kostenlos
Veröffentlichungsdatum
Mai 2013
Seitenzahl
32
Lizenz
cc-by-nc-nd-3

Perspectives Africa #1/13

Jugend und politischer Wandel in Afrika

Als Reaktion auf den 2011 von der Jugend eingeleiteten „Arabischen Frühling“ schenken politische Entscheidungsträger, Ökonomen und die Medien der Jugend Afrikas neuerdings wieder vermehrt Beachtung. In Afrika, dem weltweit „jüngsten“ Kontinent, machen, laut Angaben der Afrikanischen Union, die unter 35-Jährigen etwa 65 Prozent der Bevölkerung aus. Viele Beiträge zu diesem Thema neigen jedoch leider zur Schwarzweißmalerei, indem sie die Jugend entweder als Anlagegut – als „demografische Dividende“ und als „wertvollste Ressource des Kontinents“ – oder als „demografische Zeitbombe“, als eine Belastung darstellen. Ein derartiger Diskurs setzt sich nicht nur über die komplexen realen Sachverhalte und die unterschiedlichen Kontexte, in denen sich junge Menschen in Afrika befinden, hinweg, er weist zudem die Tendenz auf, das wofür die Jugendlichen eintreten zu ignorieren. Er hinterfragt nicht, worum es ihnen eigentlich geht und inwieweit es ihnen gelingt, ihre Ziele und Ansprüche auch umzusetzen.

 

Auch wenn Afrika im Aufschwung begriffen sein mag – vier der zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften des Jahres 2013 sind auf dem afrikanischen Kontinent zu finden – ist dennoch offensichtlich, dass Geschwindigkeit nicht alles ist. Die Mehrheit der Jugendlichen in Afrika ist weiterhin mit schwierigen sozioökonomischen Bedingungen konfrontiert. Wie Alcinda Honwana ausführt, befinden sich viele junge Afrikaner in einem „Zustand des Wartens“ („waithood“). Ihnen bleibt durch mangelnde Arbeitsplätze, schlechte Regierungsführung und ungünstige internationale Handelsbeziehungen, die Möglichkeit verwehrt, zu wirtschaftlich unabhängigen Erwachsenen zu werden.

 

Trotz dieser schwierigen Bedingungen, sitzen junge Afrikaner nicht tatenlos herum. Stattdessen versuchen sie nicht nur, mit dem, was sie an Arbeit finden können, über die Runden zu kommen, sondern engagieren sich auch politisch, sei es durch Demonstrationen oder auf formellere Art und Weise – und wirken damit der Wahrnehmung einer apathischen Jugend entgegen.

 

Vor diesem Hintergrund beleuchtet die aktuelle Ausgabe der Perspectives eine Reihe damit verbundener Fragen: Welche Beweggründe treiben die Jugend auf die Straße? Wie mobilisieren sie sich heutzutage? Sind herkömmliche Politik und Parteien überhaupt in der Lage, junge Menschen auf ihre Seite zu ziehen oder suchen diese eher nach Alternativen, um sich zu engagieren? Worin manifestiert sich ihre Beteiligung? Haben sie Erfolg damit? Sind Jugendliche eine politische Kraft?

 

Ausgehend von Überlegungen zu Protestbewegungen wie Occupy Nigeria und Senegals Y'en a marre ("Jetzt reicht's!"), und bis zu einem gewissen Grad auch von dem Kampf der ägyptischen Jugend nach dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak, scheint eine der größten Herausforderungen darin zu liegen, die oft reaktiven Missfallensbekundungen jugendlicher Unzufriedenheit in aktive, programmatische und nachhaltige politische Maßnahmen umzuwandeln, die nachweislichen Einfluss auf die nationale Politik ausüben. Dem gegenüber steht jedoch der Beweis noch aus, dass dort, wo die Jugend verstärkt Teil des formalen Parteiensystems bildet (wie in Kenia) oder ihm bereits seit einiger Zeit angehört (Südafrika), sie für eine andere Art von Politik steht mit einer Vision, die über das Streben der alten Garde nach Reichtum und Klientelismus hinausgeht.

 

Wovon anscheinend allerdings alle jungen Menschen, die vorhaben sich in der Politik einzubringen, betroffen sind, ist das nur sehr langsam und allmählich voranschreitende Auflösen der hierarchischen und patrimonialen Ordnungsstrukturen, die historisch ihrer Beteiligung an Entscheidungsprozessen in den  meisten Gesellschaften des Kontinents (und in der Tat der Welt) entgegenstanden .

 

Durch die Darstellungen dieser und anderer Erkenntnisse über die Politik der Jugend und die Jugend in der Politik aus Sicht verschiedener Länder des Kontinent, hoffen wir, die Debatte über Afrikas Jugend jenseits der Fragestellung von wirtschaftlichen Aspekten und Risikomanagement fördern zu können.

Inhaltsverzeichnis

3 Editorial

6 Alcinda Honwana Youth in Africa: A Political Force?

10 Azeenarh Mohammed Interview: Youth and the Future of the Occupy Nigeria Movement

12 Hamadou Tidiane Sy Senegal: Youth Vs the Old Guard

15 Brutus Malada South African Youth: A Threat to be Feared or a Future to be Cherished?

18 Vuyiswa Tulelo and Shireen Hassim Interview: The Politics of Gender in South African Youth Politics

21 George Omondi Okong’o Youth and Politics in Kenya: Vanguards or Vandals?

24 Joyce ChimbiElections: Politicians Went Sheng to Woo Kenyan Youths

25 Ignatius Banda Zimbabwe’s Politics: Out with the Old, In with the New

28 Alaa Abdel Fattah Interview: “We know the world is not run in our interest”

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