Was ist der Streitwert? Beschneidung von Jungs aus feministisch-intersektioneller Perspektive

Online-Debatte: Beschneidung von Jungs aus feministisch-intersektioneller Perspektive

Auf seinem Blog "Was ist der Streit-Wert?"
begleitet das Gunda-Werner-Institut aktuelle politische Debatten und Diskussionen aus einer
kritischen, geschlechterpolitischen Perspektive. Alle Leser/innen sind
eingeladen sich mit Kommentaren an den jeweiligen Debatten zu
beteiligen. Die aktuelle Blogdebatte gibt dem Thema Beschneidung einen neuen Ort und wirft neue Perspektiven auf.

Ausgehend vom Urteil des Kölner Landgerichtes Gerichts, das
die religiös-motivierte Beschneidung eines vierjährigen Jungen im
vergangenen Mai als „einfache Körperverletzung“ durch den Arzt wertete,
fand eine gesellschaftliche und politische Debatte über Kinderrechte,
Religionsfreiheit, medizinische Vor- und Nachteile der sogenannten
Zirkumzision und die Beurteilung jüdischer und muslimische Traditionen
statt. Nachdem diese religiösen Beschneidungspraxen nun rechtlich
unsicher wurden, verabschiedete der Bundestag mit großer Mehrheit die
Gesetzesvorlage des Justizministeriums „Umfang der Personensorge bei
einer Beschneidung des männlichen Kindes“ am 12.12.2012, das die
Entscheidung über Beschneidung nicht weiterhin bei den Eltern des
männlichen Kindes sieht. Einen alternativen Gesetzesvorschlag brachten
Abgeordnete der Grünen, Linken und SPD ein, denn sie sahen die
Kinderrechte in der Vorlage der Regierung nicht ausreichend geschützt.

Parallel zur rechtlichen Debatte im Bundestag fand eine
gesellschaftliche Diskussion on- und offline über Beschneidung statt,
während der in großem Ausmaß Ressentiments gegenüber Jüd_innen und
Muslim_innen geäußert wurden. Feministische Stimmen und antirassistische
waren in der Debatte viel zu leise bis kaum zu hören. Hier setzt das
GWI an, wir eröffnen einen Debattenraum, der ohne rassistische,
antisemitische Ressentiments mit Respekt und Wertschätzung gegenüber
anderen Postionen Beschneidung und Beschneidungsdebatte aus
verschiedenen (queer)feministisch-geschlechterpolitischen-emanzipativen
Perspektiven beleuchten und den bisher vermissten Positionen Raum geben
soll.

Wir laden alle ein, in diesem Rahmen mitzudiskutieren. Melden Sie sich zu Wort mit Kommentaren auf http://streit-wert.boellblog.org und eigenen Beiträgen an Gunda-Werner-Institut.hbs@boell.de

Wir freuen uns auf einen konstruktiven Streit und
Perspektivenwechsel. Mit Beiträgen von Heinz-Jürgen Voss, Zülfukar
Çetin, Gitti Hentschel, Antke Engel, Katja Dörner u.a.