Arabische Filmtage: Hidden life, hidden love

Arabische Filmtage 2018Hidden Life, Hidden Love

Sexualität, sexuelle Selbstbestimmung und Diskriminierung im arabischen Film

Die Filme der 5. Arabischen Filmtage der Heinrich-Böll-Stiftung handeln von Identitäten, von Sexualität, sexueller Selbstbestimmung und Diskriminierung in der arabischen Welt. Zwar hat sich im Laufe der letzten Jahre die Lage von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgender und intersexuellen Menschen verbessert, dennoch werden solche Identitäten zu oft noch tabuisiert, wenn nicht gar als Verbrechen angesehen. Wer nicht in die gesellschaftlichen Normen passt, wird bestraft, eingesperrt, gefoltert oder gar hingerichtet.

Die Arabischen Filmtage bieten in einer Reihe von eindrücklichen Dokumentationen, Kurz- und Spielfilmen einen Einblick in die alltägliche Lebenswirklichkeit von Frauen und Männern, die sich dem Konformitätsdruck arabischer Gesellschaften verweigern. Und sie zeigen Menschen, die die Hürden des alltäglichen Lebens mit Mut und Kraft angehen – Männer und Frauen, die ihre Spielräume nutzen und sich aktiv in ihre Gesellschaften einmischen. Filmemacher/innen aus Marokko, Tunesien, Palästina, Jordanien, dem Libanon und den Vereinigten Arabischen Emiraten entwerfen ein Kaleidoskop der Vielfalt in der arabischen Welt – in Filmen, die mitreißen, anregen und nachdenklich machen.

Das Programm präsentiert spannende, berührende und mitreißende Filme, mit Inputs und Q&As der Filmschaffenden und eine öffentliche Podiumsdiskussion.

Wo und wann?
15. bis 18.11.2018
Kino in der Kulturbrauerei,
Schönhauser Allee 36,
10435 Berlin

Tickets:
8 Euro, ermäßigt 6 Euro
Kartenverkauf ab 1. November
online über cinestar.de
oder zu den täglichen Kassenöffnungszeiten

Downloads:
Programm-Flyer (PDF)

In Kooperation mit dem Kino in der Kulturbrauerei, Zitty, Siegessäule und der Produktionsfirma Beirut DC.

„Erfreut und zutiefst berührt hat mich vor allem, dass Sie, ein Berliner, ein westliches Publikum, an exakt denselben Stellen gelacht haben wie die Zuschauer in meinem Heimatland Tunesien – dies beweist einmal mehr, was gutes Kino zu leisten vermag: es verbindet“.
Ridha Behi

Programm - Donnerstag, 15. November 2018

19.30 Uhr - Upon the Shadow | Eröffnungsfilm  Dokumentarfilm
Nada Mezni Hafaiedh, Tunesien 2017, 80 min, OmeU

Wir entdecken die geheimnisvolle Seite von Amina Sboui (Ex-Mitglied von Femen) und begleiten sie durch ihren Alltag. Sie lebt zusammen mit mehreren LGBT-Freunden, die alle von ihren Familien verstoßen wurden. Durch Amina lernen wir sie und ihre Geschichten kennen, nämlich die von Sandra (Transvestit), Ramy (schwul), Ayoub (schwul), Atef (schwul und Transvestit). Bei vielen überraschenden Ereignissen sind wir hautnah dabei...
Im Anschluss Q & A mit einer Protagonistin

22.00 Uhr - Salvation Army
Spielfilm, Abdellah Taïa, Marokko, 2013, 84 min, OmEU

In einem Arbeiterviertel der marokkanischen Stadt Casablanca versucht Abdellah, ein homosexueller Teenager, sich ein eigenes Leben aufzubauen inmitten seiner großen Familie, gefangen zwischen seiner autoritären Mutter und einem älteren Bruder, den er vergöttert.

Freitag, 16. November 2018

17.30 Uhr -  Mondial 2010
Experimenteller Kurzfilm, Roy Dib, Libanon 2014, 20 min, OmeU

Mondial 2010 ist ein Film über Liebe und Verortungen. Ein schwules libanesisches Paar beschließt, einen Ausflug nach Ramallah zu unternehmen. Mit ihrer Kamera filmen und dokumentieren sie ihre Reise über die Landstraßen. Über die Gespräche des Paares tauchen die Zuschauer/innen in das Universum einer verblühenden und schwindenden Stadt ein.

17.30 Uhr - Eccomi ... Eccoti 
(Here I Am, Here You Are)
Dokumentarfilm, Raed Rafei, Libanon 2017, 68 min, OmeU

Zwei Männer. Zwei Realitäten. Und die Suche nach einer Zukunft in einer Welt belagert von realen und imaginierten Grenzen. Eccomi... Eccoti ist eine virtuelle Reise zwischen Italien und dem Libanon. Der Regisseur, der aufgrund der strikten europäischen Visumsbedingungen in einer Fernbeziehung mit seinem Partner lebt, fügt in einer filmischen Collage gemeinsame Momente zusammen – in einem unermüdlichen und sehnsüchtigen Versuch, einen möglichen Alltag für das Paar zu schaffen.

Regisseur Abdullah Alkaabi und Produzent Farshad Mahotforoush stehen für ein Q&A zur Verfügung

19.30 Uhr - Only Men Go to the Grave
Spielfilm, Abdullah Alkaabi, VAE/Iran, 2016, 80 min, OmeU

Nach dem Ende des Irak-Iran Krieges 1988 empfängt eine erblindete Mutter ihre Töchter, zu denen sie lange keinen Kontakt mehr gehabt hatte, um ihnen ein Geheimnis anzuvertrauen. Sie stirbt jedoch unvorhergesehen, ehe sie sich noch offenbaren kann. Bei der Beerdigung versuchen die Töchter das Geheimnis zu lüften, indem sie unter den Trauergästen nach Anhaltspunkten suchen. Während der Beerdigung gerät ihr Leben zunehmend aus den Fugen. Als eine ihnen unbekannte ehemalige Geliebte der Mutter eintrifft, ist die Familie zutiefst geschockt: Plötzlich hinterfragen die Töchter das gesamte Leben ihrer Mutter.

22.00 Uhr - As They Say
Kurzspielfilm, Hicham Ayouch, VAE/Marokko 2011, 13 min, OmeU

Vater und Sohn fahren zu einem gemeinsamen Angelwochenende in die Berge. Als der Sohn dem Vater gesteht, dass er schwul ist, eskaliert die Situation: Männlichkeitsproben, Rituale, Gewalt, Gefühlseruptionen, Sprachlosigkeit und ein unerwartetes Ende. Der Film zeugt nicht nur von einem Familien- und Generationenkonflikt, sondern platziert diesen inmitten der überwältigenden Landschaft des Rif-Gebirges, die darin selbst zum Akteur wird.

22.00 Uhr - Room for a Man
Dokumentarfilm, Anthony Chidiac, Libanon 2017, 77 min, OmeU

Ein junger libanesischer Filmemacher, der in Beirut eine Wohnung mit Mutter und Hund teilt, lotet die eigene Identität neu aus, indem er sein Schlafzimmer renovieren lässt. Während die Bauarbeiter kommen und gehen, muss sich die konfliktträchtige Wohngemeinschaft neuen Fragen und alten Streitigkeiten stellen – und dabei kommt es zu unerwarteten Gefühlsausbrüchen ...

Im Anschluss Q & A mit Produzentin Carole Abboud
 

Samstag, 17. November 2018

15.00 Uhr - May in the Summer
Spielfilm, Cherien Dabis, Jordanien/USA/Katar 2013, 99 min, OmeU
May im Sommer begleitet die welt- gewandte New Yorkerin May Brennan auf ihrer Reise zu ihrer Hochzeit in das Heim ihrer Kindheit in die jordanische Hauptstadt Amman. Kurz nachdem sie ihre Schwestern und ihre seit langer Zeit geschiedenen Eltern getroffen hat, bringen die unzähligen familiären und kulturellen Konflikte Mays Zukunftspläne gehörig ins Wanken.

17.00 Uhr - Podiumsdiskussion
im Palais, Kulturbrauerei
Hidden Life, Hidden Love  
Sexualität, sexuelle Selbstbestimmung und Diskriminierung in der Arabischen Welt

Sprache: Englisch/Deutsch mit Simultanübersetzung

Filmemacher/innen, Aktivist/innen und Expert/innen aus der Region und Deutschland diskutieren die politischen und gesellschaftlichen Lebenswirklichkeiten von Frauen und Männern, die sich dem Konformitätsdruck arabischer Gesellschaften verweigern. Über Menschen, die die Hürden des alltäglichen Lebens mit Mut und Kraft angehen – Männer und Frauen, die ihre Spielräume nutzen und sich aktiv in ihre Gesellschaften einmischen.

Im Anschluss Q & A mit Produzentin Carole Abboud.

19.30 Uhr - This Little Father Obsession
Dokumentarfilm, Selim Mourad, Libanon, 2016, 105 min, OmeU

In diesem kaleidoskopartigen angelegten Familienfilm verbinden sich Dokumentation und Autofiktion. Der Film zeichnet nach, wie die Vielschichtigkeit der libanesischen Gesellschaft auf die Träume eines Einzelnen prallen und die ganze Wucht der patriarchalischen Gesellschaft auf den Wunsch nach Befreiung trifft. Der Filmemacher verfolgt das Porträt einer Familie, in der er seinen Platz sucht. Als letzter Nachkomme, der seine Fruchtbarkeit verloren hat und sich von Männern angezogen fühlt, fragt er sich, von wem er wirklich abstammt und konfrontiert seinen Vater mit seinen Obsessionen, während ihr Familiensitz in Beirut vor dem Abriss steht. Die Wahrheit kommt ans Licht, als er gemeinsam mit seinem Vater einen vergessenen Verwandten aufspürt.

22.00 Uhr - The Great Safae
experimenteller Kurzfilm, Randa Maroufi, Frankreich/Marokko, 2014, 16 min

Diesen Experimentalfilm inspirierte eine real existierende Person, genannt Die Große Safae. Als Hausangestellte arbeitete der Transvestit einige Jahre lang bei der Familie Maroufi in Marokko, ohne dass diese um seine „wahre“ sexuelle Identität wusste.

22.00 Uhr - Lola Pater
Spielfilm, Nadir Moknèche, Frankreich/Belgien, 2017, 95 min

Nach dem Tod seiner Mutter beschließt Zino, den Vater zu suchen. Doch vor 25 Jahren wurde Farid zu Lola…

Sonntag, 18. November 2018

17.30 Uhr - Three Centimeters
Kurzspielfilm, Lara Zeidan, GB/Libanon 2018, 9 min, OmeU

Im ältesten Vergnügungspark Beiruts fahren drei Freundinnen Riesenrad. Auf diesem klaustrophobischen Ausflug im Freien reden sie über sehr persönliche Dinge – darüber, was sich aus drei Zentimetern machen lässt und über Joannas Trennung. Suzies Tipp, wie mit Trennungen am besten umzugehen ist, führt jedoch zu einem überraschenden Geständnis. Im Anschluss Q & A mit Regisseurin Lara Zeidan

17.30 Uhr - E-Muet
Dokumentafilm, Corinne Shawi, Libanon 2013, 52 min, OmeU

Nanous erste Liebe geht jäh zuende. Rajwa lässt sich vorsichtig auf eine monogame Beziehung ein. Zwischen 2008 und 2013 begleitet die Filmemacherin Corinne Shawi sie und ihre Geschichten in ihrer Leidenschaft, ihrem Schmerz und bei dem anhaltenden Versuch, ins Herz der Dinge vorzudringen: In die verborgenen Windungen und Abgründe der Liebe, um so die Wahrheit zu finden – und letztlich vorzustoßen bis in den Kern der eigenen, nicht greifbaren Person. Filmemacherin Corinne Shawi betritt Nanous und Rajwas Welten, um Antworten auf ihre eigenen Fragen zu finden, und über den Blick in beider Leben neue Formen der Liebe zu entdecken.

19.30 Uhr - Hide and Seek 
Kurzfilm, Mark Karam, Libanon 2018, 8 min, OmeU

Zwei Männer streifen durch die Straßen Beiruts. Nur, dass es kein Tourismus ist.

19.30 Uhr - Mr Gay Syria
Dokumentarfilm, Ayşe Toprak, Frankreich/Deutschland/Türkei 2017, 89 min, OmdtU

Mr Gay Syria erzählt von zwei schwulen syrischen Männern, die versuchen, ihr Leben in der Fremde wieder aufzubauen, nachdem sie gezwungen waren, ihr Heimatland zu verlassen. Husein arbeitet als Friseur in Istanbul und lebt ein Doppelleben zwischen seiner konservativen Familie, die er am Wochenende sieht und seiner schwulen Identität in der Metropole. Mahmoud ist der Gründer der syrischen LGBTI-Bewegung und hat seit einigen Jahren Asyl in Berlin erhalten. Was sie zusammenbringt, ist ein Traum: Sie wollen am internationalen Schönheitswettbewerb «Mr Gay World» teilnehmen. Wird der Traum wahr oder zerschellt er an der Flüchtlingskrise und den Konflikten schwuler Identitäten in der muslimischen Welt?
Im Anschluss Q & A mit den Schauspielern

22.00 Uhr - Chronic
Spielfilm, Mohamed Sabbah, Libanon/D 2017, 89 min, OmeU

Omar, ein libanesischer Fotograf, hat ein besonderes Verhältnis zum Tod und versucht, seine Trauer durch ein neues Projekt zu leben. Nach einem Casting empfängt er drei Gäste, einen nach dem anderen. Ein Tag, ein Haus, Körper äußern Geschichten von Sex, Liebe und Trauma in der Stadt Beirut.
Im Anschluss Q & A mit Regisseur Mohamed Sabbah

In Medienpartnerschaft mit

In Zusammenarbeit mit

Was Sie noch interessieren könnte...

Der arabische Nahe Osten im „globalen 1968“

Analyse

Gab es ein „arabisches 68“, oder ist schon die Frage falsch gestellt? Die in Beirut lebende Arabistin und Böll-Stipendiatin Yvonne Albers nimmt die aktuelle Konjunktur des 50. Jahrestages zum Anlass für Einblicke in die politischen und intellektuellen Debatten im arabischen Nahen Osten der ausgehenden sechziger Jahre.

Von Yvonne Albers

Arabische Filmtage: Yallah - Brave Women in the Arab World

Frauen in der arabischen Welt werden in westlichen Medien häufig als schwach dargestellt. In der Realität sichern sie das Überleben ihrer Familien, wehren sich gegen traditionelle Rollenbilder oder kämpfen für Demokratie. Die Arabischen Filmtage vom 17. bis 20. November 2016 liefern Einblicke in ihren Alltag.