Arabische Filmtage: Yallah - Brave Women in the Arab World

Arabische Filmtage: Yallah - Brave Women in the Arab World

Frauen in der arabischen Welt werden in den westlichen Medien häufig als schwach und unterdrückt dargestellt. In der Realität managen sie ihre Familien und sichern häufig allein deren Überleben, wehren sich gegen traditionelle Rollenbilder oder kämpfen für mehr Teilhabe und Demokratie.

Während der arabischen Filmtage vom 17. bis 20. November bringen größtenteils bislang nicht in Berlin gezeigte Dokumentar-, Kurz- und Spielfilme dem interessierten Publikum den Alltag ganz gewöhnlicher, - und gerade deshalb oftmals außergewöhnlich mutiger - Frauen in Nordafrika und Nahost nahe. Die meisten Filme werden gezeigt in OV mit englischen Untertiteln.

Presse

Mutige Frauen in Nordafrika und Nahost zeigt die arabische Filmwoche "Yallah" der Heinrich-Böll-Stiftung noch bis Sonntag (20.11.2016) im Kino Kulturbrauerei. Im Dradio-Interview spricht Antonie Nord, Referatsleiterin Nahost, über Filmemacherinnen aus der Region und den Trend, Tabu-Themen filmisch umzusetzen.

Wo und wann?
17. bis 20.11.2016
im Kino Kulturbrauerei,
Schönhauser Allee 36,
10435 Berlin

Tickets:
7,50 Euro, ermäßigt 5 Euro
Kartenverkauf ab Anfang November
online über cinestar.de
oder zu den täglichen Kassenöffnungszeiten

Downloads:
Programm-Flyer (PDF)
Biografien der Regisseur/innen (PDF)

In Kooperation mit dem Kino in der Kulturbrauerei, Zitty und der Produktionsfirma Beirut DC.

Programm - Donnerstag, 17. November 2016

18.30 Uhr - Eröffnung der Filmtage
mit einem kleinen Empfang im Foyer des Kinos

19.30 Uhr - Nawara
Spielfilm von Hala Khalil, Ägypten 2016, 125 min, OmeU

Nawara lebt in einem Armenviertel Kairos und arbeitet als Hausmädchen bei wohlhabenden Ägyptern. Auf diese Welt blickt Nawara ohne Neid, nur mit dem Wunsch, für sich und ihre Familie daneben auch eine Existenz in Sicherheit und Frieden zu ermöglichen. Doch dann bricht der „Arabische Frühling“ aus: Die Gesellschaftsordnung wird von Grund auf erschüttert.

22.00 Uhr - The Mulberry House
Dokumentarfilm/Filmbiographie von Sara Ishaq, Jemen 2013, 65 min, OmeU

Sara wächst im Jemen als Kind eines jemenitischen Vaters und einer schottischen Mutter auf. Im Alter von 17 Jahren entgeht sie den Zwängen der Gesellschaft, in dem sie nach Schottland zieht. Zehn Jahre später, in 2011, kehrt Sara als eine andere Person in den Jemen zurück, bereit, sich ihrer Vergangenheit und ihren Wurzeln zu stellen. Sie trifft auf ein Land, das am Rande einer Revolution taumelt.

Freitag, 18. November 2016

17.00 Uhr - I am the People
Dokumentarfilm von Anne Roussillon, Ägypten/Frankreich 2014,111 min, OmeU

Während sich das ägyptische Volk auf dem Tahrir-Platz erhebt, beobachten die ländlichen Dorfbewohner im Süden die Revolution nur im Fernsehen. Vom Sturz Husni Mubaraks bis zum Sturz von Mohammed Mursi, folgt der Film den Umwälzungen mit den Augen von Farraj, einem Bauern im Nil-Tal in der Nähe von Luxor. Im täglichen Leben des Bauern, zwischen Hoffnungen und Enttäuschungen, lässt der Wandel lange auf sich warten.

19.30 Uhr - Much Loved
Spielfilm von Nabil Ayouch, Marokko 2015, 106 min, OmdtU

Marrakech heute. Noha, Randa,Soukaina, Hlima und andere leben ein Leben der „käuflichen Liebe“. Sie sind Prostituierte, Objekte der Begierde. Mit einem eigenem Humor und scheinbar selbstbestimmt, stolz und frei in ihrem Reich der Frauen, versuchen sie die Gewalt einer Gesellschaft zu überwinden, die sie benutzt und gleichzeitig verurteilt.

22.00 Uhr - Suleima
Animationsfilm von Jalal Maghout, Syrien 2014,16 min, OmeU

Das Porträt einer Frau, stellvertretend für Tausende anonymer Frauen, die gegen Abhängigkeiten und Ungerechtigkeit in Syrien kämpfen: Suleima ist eine Frau in den Vierzigern und der syrischen Revolution von Anfang an verbunden. Sie trennt sich von ihrem Mann, der ihren Aktivismus missbilligt und wird von Tochter und Sohn abgelehnt, nachdem sie um die Scheidung bittet. Verletzlich und zugleich stark steht sie zu ihren Überzeugungen und kämpft gegen Abhängigkeit und Ungerechtigkeit.

Damascus, My First Kiss
Dokumentarfilm von Lina Elabed, Syrien 2012, 48 min, OmeU

Syrien ist ein Land vieler Nationalitäten, und ein Ort, an dem verschiedene Religionen und Minderheiten zusammen leben. Mit ihren Unterschieden prägen alle, Jungen und Mädchen, Männer und Frauen, den Geist dieses Landes. Was sind die eigentlichen Rollen und die Freiheitsräume, die Frauen in einer von Männern dominierten Gesellschaft haben? Wie spiegeln sich diese Bedingungen in ihrem sexuellen Bewusstsein und der Beziehung zu ihrem Körper?

  • Im Anschluss Gespräch mit der Regisseurin

Samstag, 19. November 2016

15.00 Uhr - My Love Awaits Me By The Sea
Dokumentarfilm von Mais Darwazah, Palästina/Deutschland 2013, 80 min, OmeU

Dieser poetische Dokumentarfilm zeigt die Geschichte der Regisseurin, die erstmals in ihre Heimat, Palästina, zurückkehrt. Sie verlässt eine abgeschiedene Wirklichkeit und folgt einem Geliebten, dem sie nie begegnet ist; Hasan, ein palästinensischer Künstler, der ihr eine schöne und utopische Welt enthüllt. Märchen und Wirklichkeit sind miteinander verwoben, um die Flüchtigkeit des Ortes und die Notwendigkeit, an Träume zu glauben, in Frage zu stellen.

17.00 Uhr - Podiumsdiskussion "Zwischen Tradition und Revolte Frauen im Nahen Osten und Nordafrika"
im Maschinenhaus, Kulturbrauerei

Filmemacherinnen, Feministinnen und Expertinnen aus der Region und Deutschland diskutieren die politischen und gesellschaftlichen Lebenswirklichkeiten von Frauen in Nordafrika und dem Nahen und Mittleren Osten entlang der Fragen, inwiefern die in den Filmen gezeigten Frauen repräsentativ für einen schrittweisen Wandel der Geschlechterverhältnisse in arabischen Gesellschaften sind und wie sich die politischen Umwälzungsprozesse auf die Situation von Frauen in arabischen Ländern ausgewirkt haben.

19.30 Uhr - Parisienne
Spielfilm von Danielle Arabid, Libanon/Frankreich 2015,120 min, OmeU

Die 18-jährige Lina zieht in den 90er Jahren für ihr Studium nach Paris. Sie fühlt sich alleine und verloren. Nur begleitet von ihrer Angst und ihrem natürlichen Instinkt zur Selbsterhaltung, sucht sie nach etwas, das sie in ihrem Heimatland Libanon nie gefunden hat: Freiheit.

22.00 Uhr - It Was Better Tomorrow
Dokumentarfilm von Hind Boujemma, Tunesien 2012, 71 min, OmeU

Der Film folgt Aida, einer tunesischen Frau, durch den Tumult der Revolution.
Sie ist gezwungen, ihr Leben neu aufzubauen. Von einem Armenviertel zum nächsten zieht sie, um für sich und ihre Kinder ein Dach über dem Kopf finden. Von den historischen Ereignissen, die um sie herum stattfinden, nimmt sie kaum Notiz. Ihr einziges Ziel ist es, einen Ausweg aus ihrer Situation zu finden – und dennoch ist sie überzeugt, dass die Revolution ein Segen ist.

  • Im Anschluss Gespräch mit der Regisseurin

Sonntag, 20. November 2016

17.00 Uhr - Factory Girl
Spielfilm von Mohamed Khan, Ägypten 2013, 90 min, OmeU

Hiyam, eine junge Frau, lebt mit Mutter und Schwester in einem Armenviertel und arbeitet in einer Fabrik. Sie verliebt sich in ihren neuen Vorgesetzten. Zunächst davon überzeugt, dass auch er sich in sie verliebt hat, wird bald deutlich, dass die Klassenunterschiede diese Liebe nicht zulassen. Als in der Fabrik ein Schwangerschaftstest entdeckt wird, werfen ihr die Familie und enge Freunde vor, „gesündigt“ zu haben. Hiyam entscheidet, sich nicht zu verteidigen und zahlt einen hohen Preis, in einer Gesellschaft, die unabhängige Frauen nicht akzeptiert.

19.30 Uhr - Sleepless Nights
Dokumentarfilm – Libanon/Palästina/Katar/VAE/Frankreich 2012, 126 min, OmeU
Regisseurin: Eliane Raheb

Schlaflos sind die Nächte von Assaad Shaftari, einem ehemaligen hochrangigen Geheimdienstoffizier der libanesischen Streitkräfte, der mit Schuldgefühlen für seine Handlungen während des Bürgerkriegs kämpft. Schlaflos sind auch die Nächte von Maryam Saidi, einer Mutter, die immer noch nach ihrem Sohn sucht, einem kommunistischen Kämpfer, der seit 1982 verschwunden ist. Während jeder von ihnen auf der Suche nach Erlösung ist, geht der Film der Frage nach, ob Erlösung und Vergebung in einer Gesellschaft möglich sind, die nicht in der Lage ist, sich selbst zu heilen.

22.00 Uhr - Nearby Sky
Dokumentarfilm von Nujoom Al-Ghanem, United Arab Emirates 2014,85 min, OmeU

Fatima Ali Alhameli war die erste Frau in den Emiraten, die ihr Kamel beim Kamelschönheitswettbewerb des Landes vorstellte und sich an Kamel-Auktionen beteiligte. Gegen den heftigen Widerstand der Organisatoren und der Gesellschaft beharrte sie darauf, sich nicht einschüchtern zu lassen und die Frauen des Emirates in dieser Männerbastion zu vertreten.

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Von Jannis Hagmann