„Huellas de la Memoria – Spuren der Erinnerung“

“Huellas de la Memoria - Spuren der Erinnerung"

 

 

Schuhsohlen
Die Schuhe sind ein Symbol für die vielen unermüdlichen Schritte derjenigen, die teilweise seit Jahrzehnten auf der Suche nach ihren verschwundenen Kindern und Verwandten sind.

Installation zum gewaltsamen Verschwindenlassen in Mexiko

An einem Morgen des Jahres 2013 schloss sich der Bildhauer Alfredo López Casanova in Mexiko-Stadt einem Protestmarsch von Müttern und Vätern an, deren Kinder Opfer von gewaltsamem Verschwindenlassen waren. Dabei fiel sein Blick auf die Füße dieser Menschen. In ihren abgelaufenen Schuhen sah er nicht nur ein Zeichen für die unzähligen Schritte, die sie auf der Suche nach ihren Söhnen und Töchtern gemacht haben, sondern auch ein starkes Symbol ihres unermüdlichen Kampfes für Wahrheit und Gerechtigkeit.

So entstand “Huellas de la Memoria” (Spuren der Erinnerung), ein Projekt, das den Opfern von gewaltsamem Verschwindenlassen ein Gesicht geben und gegen das Vergessen kämpfen will. Es möchte das Bewusstsein der Öffentlichkeit dafür wecken, dass die wirkliche Zahl der Verschwundenen viel höher ist als die offiziell anerkannte – bis heute etwa 32.000 - und dass die meisten Fälle straffrei bleiben.

Im Laufe der Zeit schlossen sich mehrere Personen mit unterschiedlichem beruflichen Hintergrund “Huellas de la Memoria” an und machten es zu einem Gemeinschaftsprojekt und einer Wanderausstellung, die in die verschiedensten Winkel Mexikos und Europas gereist ist.

Die Ausstellung “Huellas de la Memoria” zeigt Schuhe von Familienangehörigen von Opfern gewaltsamen Verschwindenlassens in Mexiko, Honduras, Guatemala, El Salvador, Kolumbien und Argentinien. Sie verbrüdert die verschiedenen lateinamerikanischen Nationen miteinander und sie vereinigt die Fußspuren derer, die erst in den letzten Jahren mit dem Widerstand begannen, mit den Spuren derjenigen, die ihre Kinder schon seit Jahrzehnten suchen und gegen das Vergessen und die Straflosigkeit ankämpfen.

Die Abdrücke der Spuren jedes Schuhpaares erzählen von den Menschen, denen sie gehören: Wen sie suchen, wo und wann ihre Angehörigen verschwanden und was die Suche und das Gehen für sie bedeutet.

Die schwarzen Spuren sind ein Zeichen der Trauer und bedeuten, dass die Verschwundenen leblos aufgefunden wurden. Die roten Spuren gehören Familienangehörigen, die ermordet wurden, weil sie nach ihren Kindern suchten. Die grünen Spuren sind von jenen, die weitersuchen und die Hoffnung nicht aufgegeben haben, sie zu finden. Aber sie alle sind Spuren, die ihren Weg fortsetzen, um die Erinnerung lebendig zu halten, damit die Namen, Geschichten und Leben derjenigen nicht in Vergessenheit geraten, über deren Verbleib wir nichts wissen.

Es sind Spuren der Erinnerung auf der Suche nach Gerechtigkeit, die Wege der Hoffnung erschließen.

In der Werkstatt beim Gravieren

"Gewaltsames Verschwindenlassen ist eine offene Wunde. Das Einzige, was Abhilfe schafft, ist die Wahrheit"

Dank an alle Angehörigen, die ihre Schuhe zur Verfügung gestellt haben:

Braulia Jaimes Hernández · Tita Radilla Martínez · Aicela Fernández Zamora · Alejandra Cartagena · Guadalupe Pérez Rodríguez · Diana Iris García · Janahuy Paredes Lachino · Julia Alonso · Jorge Verástegui González · María Cristina Reyna · Priscila Rodríguez Cartagena · Camilo Tovar Mónaco · Leonel Orozco · Silvia Becerril · Francisca · Mercedes Ruíz · Ixchel Luna · María de los Ángeles Baruch · Payasa “Salchicha” · Lourdes Huerta · Lucía Baca · Mylinalli / Graciela Pérez · María de los Ángeles Torres Aguilar · María de Jesús Tlatempa · Mónica Torres · María Eugenia Padilla · Virginia · Araceli Castro · Brenda Rangel · María Elena Vega · María Nubia · Alma Miriam · Margarito Ramírez · Cristina Bautista · Chayito Muñoz · Macedonia Torres · Olga Lidia Salazar · Patricia Manzanares · Lilia Fragoso · Leticia Vázquez · Rosario Ibarra de Piedra · Celia Piedra Hernández · Priscila Chávez Hoyos · Alicia de los Ríos Merino · Martha Beatriz Vega · Teresa Vera · Nadin Reyes Maldonado · Araceli Rodríguez · Lourdes Herrera · Luz Elena Montalvo · Ana Enamorado · Rubén Gabriel · José Ángel Abrajam · Fausto Gómez · Marina · Bertha Corona · Elena Salazar · Imelda López · Leticia Rivera Hidalgo · Angélica María Ávila · Guadalupe Fernández · María Herrera Magdaleno · Guadalupe Aguilar · Irma Leyva · Adriana Moreno · María Elisa · Nancy Rosete · Hilda Legideño · Luisa Muñoz · Óscar · María Gloria Cabrera · María del Rosario Morales Galván · Martha Ceja · Yolanda Oropeza · María del Socorro Balderas · María Vallejo Castillo · Hilda Hernández · Mireya · Sara · Agustina

Mitwirkende an der Ausstellung:

Kurator: Alfredo López Casanova

Mitglieder des Kollektivs “Huellas de la Memoria”:
Andrea Patiño, Xavier Kat, Alexander Bernal, Marina Mejía, Guadalupe Pérez Rodríguez, Verónica Sandoval, Carolina Robledo, Gabriela Esquivel, Alexander Estrada, Mónica Elizabeth, May-ek Querales Mendoza, Brandon Melecio Fischer, Andrea Narno, Alberto Quezada, Alfredo López Casanova.
Texte: Yaotzin Botello, Kollektiv “Huellas de la memoria”, Valentina Rojas Loa.
Video: Mariana Rivera García
Übersetzung: Leonie Hartmann und Yaotzin Botello

Lesung aus "El tiempo de Ayotzinapa"

Die Zeit von Ayotzinapa

Zur Eröffnung der Ausstellung "Spuren der Erinnerung" im Juli 2017, las Carlos Beristain einen Auszug aus seinem Buch "El tiempo de Ayotzinapa". Das Drama der Angehörigen, Aufklärung, Anklage und die Wahrheit über das gewaltsame Verschwindenlassen in Mexiko sind sein Thema.

Schuhpaar Nr. 39: Fausto Gómez

Soy Fausto Gómez. Busco a mi hija Marazuba Gómez Montes, desapareció el 29 de noviembre de 2010 en Durango, Durango. Marazuba, hija, éstas son las huellas de unos pies cansados que te siguen buscando, para devolverte la libertad que te fue arrebatada. Tus padres, Yolanda y Fausto.
Ich bin Fausto Gómez. Ich bin auf der Suche nach meiner Tochter Marazuba Gómez Montes, die am 29. November 2010 in Durango, verschwunden ist. Marazuba, meine Tochter, dies sind die Spuren meiner ermüdeten Füße, die weiter auf der Suche nach dir sind, um dir deine Freiheit zurückzugeben, die dir genommen wurde. Deine Eltern Yolanda und Fausto.
Foto: Huellas de la Memoria. All rights reserved.

Schuhpaar Nr. 40: Alma Miriam

Foto: Huellas de la Memoria. All rights reserved.
Yo me llamo Alma Miriam, busco a mi hija Dilia Antonia Ruíz, desaparecida en diciembre del 2010 en San Fernando, Tamaulipas. Hija mía, le pido a Dios de todo corazón volver a verte, que te ponga en mi camino. Tus hijos preguntan por ti, que por qué no vienes a verlos.
Ich heiße Alma Miriam. Ich bin auf der Suche nach meiner Tochter Dilia Antonia Ruíz, die im Dezember 2010 aus Tamaulipas verschwand. Meine Tochter, ich bete von ganzem Herzen zu Gott, dass ich dich wiederfinde. Deine Kinder fragen nach dir und warum du sie nicht besuchst.

Schuhpaar Nr. 71: José Ángel Abrajan de la Cruz

Yo me llamo José Ángel Abrajan de la Cruz, tengo 9 años, ando buscando a mi papá Adán Abrajan estudiante de la Normal de Ayotzinapa, lo desaparecieron el 26 de septiembre de 2014 en Iguala Guerrero, por eso me encuentro aquí en la ciudad de México, exigiendo la presentación con vida de mi papá y sus 42 compañeros.
Ich heiße José Ángel Abrajan de la Cruz. Ich bin 9 Jahre alt. Ich bin auf der Suche nach meinem Vater Adán Abrajan, einem Studenten der Lehrerschule von Ayotzinapa. Man ließ ihn am 26. September 2014 in Iguala, Guerrero verschwinden. Deswegen bin ich hier, in Mexiko-Stadt, weil ich fordere, dass mein Vater und seine 42 Mitstudenten wieder lebend auftauchen.
Foto: Huellas de la Memoria. All rights reserved.

Schupaar Nr. 32: Jorge Verástegui González

Foto: Huellas de la Memoria. All rights reserved.
Jorge Verástegui. Estos son los tenis de Jorge Verástegui González, hermano de Antonio y tío de Antonio Jesús Verástegui Escobedo, fueron arrebatados de su hogar el 24 de enero de 2009 en Parras, Coahuila. Con ellos camino los pedregosos lugares de la desaparición forzada; necesitamos caminar, movernos, para no quedarnos paralizados de dolor.
Jorge Verástegui. Dies sind die Turnschuhe von Jorge Verástegui González. Sie sind auf der Suche nach seinem Bruder Antonio und dessen Neffen Antonio de Jesús Verástegui Escobedo. Beide wurden am 24. Januar 2009 in Parras, Coahuila, ihrem Zuhause entrissen. Mit ihnen folge ich den steinigen Wegen des gewaltsamen Verschwindenlassens. Wir müssen gehen, uns bewegen, damit der Schmerz uns nicht lähmt.

Schuhpaar Nr. 24: Nadin Reyes Maldonado

Foto: Huellas de la Memoria. All rights reserved.
Soy Nadin Reyes Maldonado, busco a mi padre, víctima de desaparición forzada. A Edmundo Reyes Amaya lo desaparecieron el 25 de mayo de 2007 en Oaxaca. Caminaré hasta encontrarte.
Ich bin Nadin Reyes Maldonado. Ich bin auf der Suche nach meinem Vater, Opfer von gewaltsamem Verschwindenlassen. Edmundo Reyes Amaya wurde am 25. Mai 2007 in Oaxaca Opfer von gewaltsamen Verschwindenlassen. Ich werde weiter gehen, bis ich dich finde.
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