Irakische Flüchtlinge zwischen prekärer Sicherheit und gefährlicher Rückkehr










No Place Home


22. Juli 2008

Von Layla Al-Zubaidi und Heiko Wimmen



Von Layla Al-Zubaidi und Heiko Wimmen

Eine große Zahl irakischer Flüchtlinge hat Zuflucht in den Nachbarländern des Irak gesucht, vor allem in Syrien und Jordanien. Besonders mit der Eskalation der internen Konflikte zu weit verbreiteter ethno-konfessioneller Gewalt und Vertreibungen zwischen 2006 und 2007 schnellten die Flüchtlingszahlen nach oben. Diese neue Flüchtlingskrise ist lange von den westlichen Medien und der öffentlichen Meinung ignoriert worden. Mit der allmählichen Verbesserung der Sicherheitslage im Irak wächst die Gefahr, dass das langsam erwachende Bewusstsein für die Dimensionen dieser Krise - welches bis jetzt noch nicht zu angemessenen Maßnahmen und Hilfsleistungen geführt hat - erneut der Wahrnehmung weicht, das Problem werde sich durch eine zügige Rückkehr dieser Flüchtlinge in absehbarer Zeit von selbst lösen  – und dass diejenigen, die nicht zurückkehren, vor allem auf Einwanderung und Teilhabe am "Wohlstand" des Westens spekulieren.  Der folgende Report versucht, einen Überblick über Ursachen und Größenordnung der Krise zu geben, erkundet die Wahrscheinlichkeit der Rückkehr einer substantiellen Zahl von Flüchtlingen in der näheren Zukunft, und bewertet die Verantwortung der internationalen Akteure gegenüber den Flüchtlingen.

Der Krieg gegen den Irak und die anschließende Besatzung unter Führung der USA haben gewaltige Bevölkerungsbewegungen verursacht. Ein gutes Fünftel aller Iraker war oder ist noch auf der Flucht - die größte Flüchtlingskrise in der Region seit der Vertreibung der Palästinenser und weltweit einer der größten jemals durch gewaltsamen Konflikt ausgelösten Menschenströme. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen hat die Gewalt, die seit dem Jahre 2003 im Land herrscht und das tägliche Leben der Menschen sowie essenzielle Dienstleistungen drastisch beeinträchtigt, mehr als 3,5 Millionen Iraker dazu gezwungen ihren normalen Wohnort zu verlassen.  Nahezu ein Drittel (ca. 1,3 Millionen) haben innerhalb des Landes Zuflucht gesucht.  Manche dieser "Intern Vertriebenen" (Internally Displaced People, IDPs) haben Unterschlupf bei Verwandten oder Freunden gefunden; viele waren jedoch gezwungen, in verlassenen Gebäuden oder improvisierten Lagern eine Behausung zu finden. Zusammen mit rund einer Million Irakern die unter der Herrschaft von Saddam Hussein aus ihren Wohnorten fliehen mussten oder zwangsweise umgesiedelt wurden beträgt die Zahl der IDPs im Irak deutlich über zwei Millionen.  Eine nahezu gleich große Zahl - mehr als 2,2 Millionen - haben den Irak verlassen.

"Kurz gefasst, das Alptraum-Szenario von riesigen Flüchtlingsströmen, das die internationalen humanitären Organisationen kurz vor der US-Invasion des Iraks 2003 befürchtet hatten, ist nun eingetreten und  sogar noch schlimmer ausgefallen als ursprünglich angenommen."

Für die meisten führte die Flucht in einen Staat in der Region - Syrien, Jordanien, Ägypten, Libanon, die Golfstaaten und Iran. Syrien ist das wichtigste Aufnahmeland mit mehr als 1,5 Millionen Flüchtlingen, gefolgt von Jordanien mit bis zu einer halben Million. Mit der Aufnahme von mehr als zwei Millionen Flüchtlingen haben diese beiden Staaten die überwältigende Mehrheit des Flüchtlingsstroms absorbiert und tragen dementsprechend die Hauptlast des Exodus.

Gründe für die Flucht

Auch wenn nicht alle Flüchtlinge automatisch als Opfer von Gewalt betrachtet werden können - einige mögen gar Täter sein, die vor Strafverfolgung flüchten, oder sowohl Opfer als auch Täter, während andere schlicht vor der Misere des täglichen Lebens im Irak fliehen -, so floh und flieht doch die überwältigende Mehrheit vor Gewaltakten, die als "ethno-konfessionelle Säuberungen" bezeichnet werden müssen. Ein Vielzahl von Berichten und Interviews hat offenbart, dass die große Mehrheit der Flüchtlinge schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt war und legen nahe, dass die meisten Flüchtlinge Opfer von Konflikten wurden, an denen sie selbst nie aktiv teilgenommen haben.

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  • Lesen Sie außerdem:
    Dossier - Iraq's Displacement Crisis and the International Response, Heinrich Böll Foundation North America

    Dossier - Iraqi Refugee Crisis, Heinrich Böll Foundation Middle East Office