Hotspot Afrika - Die Folgen des Klimawandels

19. Dezember 2007

Zum Film:
Die Forscher im Weltklimarat IPCC sind sich einig: Kein Kontinent wird so stark vom Klimawandel betroffen sein wie Afrika. Ihre Voraussage: generell steigende Temperaturen und eine Zunahme extremer Wetterereignisse wie Dürren und Überschwemmungen. Was das konkret bedeutet, erfahren der äthiopische Umweltschützer Mulualem Birhane und seine Nachbarn in Dembecha längst am eigenen Leib. In Äthiopien, einem der ärmsten Länder der Welt, sind praktisch alle Bauern auf die Geschicke des Wetters angewiesen, um eine lohnende Ernte einfahren zu können. „Früher gab es einmal im Jahr eine feste Regenzeit, aber seit ein paar Jahren kommt sie, mal kommt sie nicht, dann regnet es zu stark oder zur falschen Zeit", beobachtet Mulualem.

Im Herbst 2007 wurden eine Autostunde von Dembecha entfernt 42.000 Bewohner obdachlos, weil die Überschwemmungen so schlimm waren. 2006 kamen 900 Menschen ums Leben, Hunderttausende verloren in den schlimmsten Fluten seit Jahrzehnten ihren ganzen Besitz. Mulualem ist sich sicher: „Dass das Wetter so verrückt spielt, das liegt am Klimawandel." Die Auswirkungen des Klimawandels treffen auf eine Natur, die bereits schwer vorgeschädigt ist. Bereits vorhandene ökologische Probleme, ausgelöst durch Raubbau an der Natur, werden so verschärft.

In der mauretanischen Karawanenstadt Chinguetti hat der Klimawandel andere Folgen. Während das Leben in der Neustadt blüht, ist in der Altstadt jenseits des Wadis kaum eine Menschenseele unterwegs. Einer der wenigen, der hier noch die Stellung hält, ist Saif Islam. Er ist der jüngste Spross einer Familie, die seit Jahrhunderten einzigartige Bücher und Schriften in einer Privatbibliothek aufbewahrt. Mehrere Bibliotheken wie die von Saif Islam sind ein Grund dafür, warum die Unesco Chinguetti zum Weltkulturerbe ernannt hat.

Doch ob die Schriften noch lange erhalten bleiben, ist ungewiss. Das Unesco-Komitee für das Welterbe hat Ende 2006 eine alarmierende Warnung über die Folgen des Klimawandels für die Stätten des Weltkulturerbes veröffentlicht: „Antike Stätten sind für ein bestimmtes Mikroklima gebaut worden und werden durch den Klimawandel in ihrem Bestand bedroht."

Dass sich das Klima geändert hat, bestätigt Saif Islam. Er bemerkt, wie Papiere brüchiger werden, weil die Temperaturen seit Beginn der 90-er Jahre stetig zugenommen haben. Weil es generell heißer und trockener geworden ist als in der Wüste ohnehin schon, rücken zudem die Dünen viel stärker vor. Schon jetzt ist von Chinguettis Altstadt kaum mehr übrig als Ruinen, versunken im Sand.

Auch um Saif Islams Bibliothek liegt ein Ring aus Sand. Neuerdings tragen auch seltene, aber heftige Regenfälle zur Zerstörung der Fundamente bei. „Andere Gebäude bröckeln weg, weil die Hitze den Boden auflöst, auf dem sie stehen", ergänzt der Unesco-Generaldirektor für Afrika, Joseph Massaquoi. Ein Wechselspiel der Extreme, in dem Chinguetti und sein einzigartiges kulturelles Erbe unterzugehen drohen.

In weiten Teilen Ugandas leiden vor allem die Kinder und die Alten darunter, dass Malaria sich in Folge des Klimawandels so sehr ausgebreitet hat wie noch nie. „Es gab hier schon immer Malaria, aber seit ein paar Jahren nimmt die Zahl der Fälle ständig zu", sagt der Kinderarzt Tom Ediamu. „In der langen Regenzeit zwischen September und November regnet es seit einigen Jahren viel mehr als üblich." Wo in diesen warmen Monaten das Wasser steht, entwickeln sich die Larven der Anophelesmücke, die der Erreger überträgt, besonders schnell und in großer Zahl. Die Forscher vom IPCC beobachten ähnliche Entwicklungen überall in Afrika, seit sich die Regenzeiten in Folge des Klimawandels verschoben haben.

Weil es insgesamt wärmer ist, breitet sich die Malaria zudem selbst dort aus, wo man früher vor ihr sicher war: der Erreger überlebt auch im Hochland, wo es ihm bislang zu kalt war. »Ich komme selbst aus dem Südwesten Ugandas und hatte nie Malaria, bis ich mit 18 nach Kampala gezogen bin«, erinnert sich Achilles Byaruhanga, Direktor des  Naturschutzverbands Nature Uganda. An Malariafälle in seiner Heimat am Fuß der Rwenzori-Berge kann Byaruhanga sich nicht erinnern. „Heute wird die gleiche Gegend als endemisches Gebiet für Malaria geführt, die Zahl der Fälle nimmt ständig zu."

Am Viktoriasee, dem größten Binnenmeer Afrikas, beklagen sich vor allem die Fischer. Früher verfingen sich in ihren Netzen große Tilapiafische und Nilbarsche, die erst vor fünfzig Jahren im See eingesetzt wurden. Doch seit einiger Zeit bleiben die Netze meist leer. Peter Mireri von der Umweltgruppe “Friends of Lake Victoria” beobachtet mit Sorge, dass die Fische verschwinden, weil der See schrumpft.

Der flache Viktoriasee speist sich fast ausschließlich aus Regenwasser - nennenswerte Zuflüsse hat er nicht. Doch weil der Regen seit Jahren kaum noch fällt, fällt der Wasserspiegel. „Dazu kommt, dass es wärmer geworden ist: Das Wasser verdunstet also auch noch stärker.” Besonders schlimm ist das für die Aufzuchtsgebiete, die überwiegend nahe des kenianischen Ufers liegen. „Das flache Wasser heizt sich auf und die Jungfische ersticken, weil zu wenig Sauerstoff im Wasser ist.” Weil es zu wenig Fische gibt, verrotten im einst größten Fischereihafen von Kisumu schon die Boote. Viele Bootsführer bringen inzwischen nur noch Holzkohle aus Uganda auf der anderen Seite des Sees hierher. Verlierer des Fisch-Schwunds sind auch die Bewohner Kisumus, die sich ihren Fisch immer seltener leisten können: Der Preis hat sich binnen zwei Jahren vervierfacht. Am Straßenrand werden stattdessen Fischgräten gewaschen, die bei der Filettierung des Nilbarschs übrig bleiben. Sie werden getrocknet und in heißem Fett ausgebacken. Was übrig bleibt, wird mit scharfer Soße gegessen oder zu Suppe verarbeitet. Mehr gibt der See für seine Anrainer nicht mehr her.

Doch diese Schicksale sind für die Unterzeichner von Afrikas Stimme gegen den Klimawandel noch lange kein Grund, aufzugeben. Sie arbeiten mit vollem Einsatz dafür, ein Fortschreiten des Klimawandels aufzuhalten. „Ich erwarte, dass die afrikanischen Länder jetzt Gesetze beschließen, die den Klimawandel bekämpfen. Wir Afrikaner sind doch die, die von den Folgen des Klimawandels betroffen sind”, fordert Achilles Byaruhanga. Und Wangari Maathai setzt nach: „Die industrialisierten Länder haben die gleichen Probleme wie wir, aber sie haben die Mittel, etwas dagegen zu tun. Wir fordern sie deshalb auf: Helft uns, dass wir den Klimawandel bekämpfen und uns an die bisherigen Folgen besser anpassen können.”