Kandidaten der Präsidentschaftswahl

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Mohammad Reza Aref (62)

promovierte in Elektronik an der Universität Stanford, war Präsident der Teheraner Universität, bevor er unter Khatami Minister für Post und Telekommunikation und Vizepräsident wurde. Er ist Mitglied des Schlichtungsrats, des Rats der Kulturrevolution und Chef der Kulturstiftung „Baran“, die von Khatami gegründet wurde. Als einziger lässt er sich eindeutig dem Reformlager zuordnen, und trat erst mit Beginn des Wahlkampfes als kritischer Geist hervor. Seinen mutigen und scharfzüngigen Fernsehauftritten verdankt er einen überraschenden Anstieg seiner Umfragewerte.

Hassan Rowhani (65)

promovierte in öffentlichem Recht an der Glasgow Caledonian University und ist der einzige Kleriker des Wahlkampfes. Er führte unter Khatami die Atomverhandlungen mit Europa, war Parlamentsmitglied, ist Chef des Center for Strategic Research, Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates und des Schlichtungsrats. Er positioniert sich zwischen den Reformkräften und dem konservativen Lager. Bei der Registrierung hatte er angekündigt, seine Kandidatur zugunsten Rafsanjanis zurückzuziehen. Seine Gegner kreiden ihm an, bei den Studentenunruhen 1999 den Einsatz der Revolutionsgarden zur Niederschlagung der Proteste befürwortet zu haben.

Mohsen Rezaie (59)

war 16 Jahre lang Oberkommandierender der Revolutionsgarden, ist heute Direktor des Schlichtungsrats (unter Rafsanjanis Leitung). Er tritt als unabhängiger Kandidat auf, gehört eher dem Lager der Rechtskonservativen an, steht aber auch zum Reformlager in Kontakt. Er wird als „Ewiger Kandidat“ bezeichnet, da er zweimal für die Präsidentschaft und einmal für das Parlament kandidiert hatte, bislang erfolglos. Bei den letzten Wahlen schloss er sich zu Beginn dem Protest der beiden Reformer Moussavi und Karroubi an, zog aber seine Beschwerde bald nach Khameneis Rüge gegen die Proteste zurück.



In der Kandidaten-Koalition aus dem konservativen Lager (2+1) zwischen Ali Akbar Velayati, Gholamali Hadad-Adel und Mohammad Bagher Ghalibaf, gab es ebenfalls die Verabredung, nur einen endgültigen Kandidaten aufzustellen, solange mit Rafsandjani gerechnet wurde. Heute erklären alle drei, dass sie auf ihre Kandidatur nicht verzichten wollen. Ob es an internen Machtkämpfen liegt oder ob sie die eigenen Werte bei Meinungsumfragen nicht untergraben wollen, ist nicht ersichtlich. Es ist aber auch hier nicht ausgeschlossen, dass am Ende des Wahlkampfes der Kandidat mit den größten Chancen die Stimmen der andern mitnimmt. 
 


Gholam Ali Hadad Adel (68)

Der promovierte Philosoph Gholam Ali Hadad Adel (68) war während vier Wahlperioden Mitglied des Parlaments, vier Jahre davon, bis 2008, Parlamentspräsident. Heute ist er Berater Khameneis und Präsident der Akademie für Persische Sprache und Manieren.

Ali Akbar Velayati (68)

Der Kinderarzt Ali Akbar Velayati (68) war 16 Jahre lang unter den Präsidenten Khamenei (er war Präsident bevor er „Führer“ wurde) und Rafsandjani Außenminister. Seitdem ist er erster Berater des Revolutionsführers Khamenei in außenpolitischen Angelegenheiten und gilt vielen auf diesem Gebiet als sein Sprachrohr. Er verspricht, innerhalb von 100 Tagen die Inflation unter Kontrolle zu bringen, indem er die Beziehungen zum Ausland verbessert. Seine Reden sind gespickt mit Erinnerungen an seine Amtsjahre, durch die er sich als Spitzendiplomat empfiehlt.

Mohammad Bagher Ghalibaf (52)

promovierte in Geopolitik und ist heute Bürgermeister der iranischen Hauptstadt. Kariere machte er nach dem Krieg bei den Revolutionsgarden, war Chef der größten und mächtigsten Stiftung Khatam Al-Anbia, Polizeichef und Luftwaffenkommandeur (das Fliegen erlernte er, wie er sagt, nach der Ernennung). 2005 hat er sich schon einmal um die Präsidentschaft bemüht und gegen Ahmadinedschad verloren. Er zählt zu den gemäßigten Konservativen. 
Vor wenigen Tagen brüstete er sich bei einer Rede vor Bassidj-Mitgliedern damit, persönlich den Schießbefehl auf dem Campus und in den Wohnheimen zur Niederschlagung der Studentenproteste vor 14 Jahren erwirkt zu haben. Auch, dass er als damaliger Luftwaffenkommandeur auf einem Motorrad mit dem Knüppel auf Demonstranten losprügelte. Vor Universitätsstudenten allerdings hatte er kurz zuvor noch erklärt, er sei damals strikt gegen einen Angriff auf das Wohnheim gewesen. Dass beide Reden aufgenommen wurden und nun im Internet kursieren, stört ihn nicht.

Mohammad Gharazi (72)

ist Elektroingenieur, saß im ersten Parlament nach der Revolution und ist Mitbegründer der Revolutionsgarden. Er war Erdölminister, später unter Rafsadjani Minister für Post und Telekommunikation. In einem Interview betonte er, keiner politischen Partei anzugehören und nur seine 60-Jährige Erfahrung einbringen zu wollen. Er bekleidet keine nennenswerten Posten und wird möglicherweise früh aus dem Rennen ausscheiden.

Said Djalili (48)

promovierte in islamischer Außenpolitik an der Emam Sadegh Universität, die moderne Wissenschaften und religiöse Studien verbindet. Bevor er unter Ahmadinedjad Chef des Nationalsicherheitsrats und Atomunterhändler mit dem Westen wurde, arbeitete er als Berater Khameneis. Er wird dem rechten Lager zugerechnet, und vertritt eine stark ideologisch-islamische Weltsicht. Seine Widerstandsparolen gegen die Feinde erinnern sehr an Äußerungen Khameneis. Er gehört zur traumatisierten Kriegsgeneration, verlor im Krieg sein Bein und kehrte als „lebender Märtyrer“ zurück - eine Bezeichnung für kriegsverletzte Soldaten. 
Gleichzeitig erinnern viele seiner Äußerungen an Ahmadinedjad als Kandidat vor acht Jahren, sogar die Menschen, die sich bei seinen Auftritten mit ihm zeigen. Seine politischen Ausführungen rufen oft den Titel seiner Dissertation - „Die Außenpolitik des islamischen Propheten“ - ins Gedächtnis. Er spricht die Wählerschichten an, die Ahmadinedjad 2005 zum ersten Mal ins Amt hievten: Revolutionsgardisten, Bassidjis, traditionell-religiöse Unterschichten, Landbevölkerung. Eine junge Bassidj-Gruppe hat soeben die Produktion seiner Imagekampagnen übernommen.

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