Im Gespräch mit Séverin Yisharh Badolo, Studium Germanistik, Universität Siegen.
Heinrich Böll Stiftung: Lieber Séverin Yisharh Badolo, kannst Du ein paar Sätze zu Dir sagen?
Séverin Yisharh Badolo: Mein Name ist Séverin Yisharh Badolo. Ich bin 25 Jahre alt und komme aus Burkina Faso. Seit April 2024 lebe ich in Deutschland und studiere im Master „Literaturwissenschaft: Literatur, Kultur, Medien“ an der Universität Siegen. Mein Bachelorstudium habe ich an der Universität Joseph KI-ZERBO in Ouagadougou abgeschlossen. Ich interessiere mich derzeit dafür, wie Sprache und Bilder in den Medien unsere Sicht auf gesellschaftliche Themen formen – besonders, wenn es um Migration geht. Mich fasziniert, wie bestimmte Formulierungen und visuelle Elemente Stimmungen erzeugen, Diskussionen lenken und manchmal sogar ganze Wahrnehmungen und Stellungnahmen prägen.
Neben dem Studium arbeite ich beim CampusRadio „Radius 92.1“ der Universität Siegen. Dort gestalte ich Beiträge und gewinne praktische Einblicke in journalistische und medienpädagogische Prozesse. Ich bin ebenfalls in der Heinrich-Böll-Stiftung ehrenamtlich engagiert als Sprecher im Stipendiat*innenrat (Sti*Ra). In dieser Funktion bin ich vor allem für die Kommunikation zwischen den Stipendiat*innen sowie zwischen dem Stipendiat*innenrat und dem Studienwerk verantwortlich. Außerdem bin aktiv in „Come And See“, einer multikulturellen katholischen Gruppe in Siegen, die Menschen aus ca. 20 unterschiedlichen Ländern versammelt und über das Religiöse hinaus kulturelle Austausche fördert.
Wie bist du zur Heinrich-Böll-Stiftung gekommen?
Nach meinem Bachelorstudium in Burkina Faso war es mein Ziel, einen Master im Ausland zu absolvieren, um internationale Erfahrungen zu sammeln und neue Perspektiven kennenzulernen. Ich habe mich bewusst für Deutschland entschieden – und im Zuge meiner Studienplanung auch für eine Bewerbung bei der Heinrich-Böll-Stiftung. Aus meinem Land aus habe ich mich dementsprechend beworben, wurde aufgenommen und bin direkt für den Studienstart mit dem Stipendium nach Deutschland geflogen. Was mich besonders angesprochen hat, war nicht allein die finanzielle Unterstützung, sondern vor allem der breite Raum für Austausch, Diskussion und das gemeinsame Lernen, den die Stiftung bietet.
Ein weiterer entscheidender Punkt war für mich das klare Bekenntnis der Stiftung zu unabhängiger Meinungsbildung und differenziertem Denken. Schon in den Bewerbungsinformationen wird deutlich, dass Vielfalt, Antidiskriminierung und Gerechtigkeit nicht nur gefördert, sondern aktiv gelebt werden. Diese Haltung hat mir das Gefühl gegeben, dass ich mit meinen Fragen und Perspektiven willkommen bin – und hat mich in meiner Entscheidung bestärkt, mich zu bewerben.
Was bedeutet das Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung für dich?
Das Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung bedeutet für mich vor allem Freiheit – sowohl im Studium als auch darüber hinaus. Durch die finanzielle Unterstützung kann ich mich stärker auf meine Kurse, Projekte und Prüfungen konzentrieren. Das ermöglicht mir ein ruhigeres, strukturierteres Studium und gibt mir Raum für Reflexion und Vertiefung. Gleichzeitig eröffnet mir das Stipendium die Möglichkeit, mich gesellschaftlich zu engagieren – etwa im Stipendiat*innenrat oder in anderen sozialen Initiativen. Ohne die finanzielle Entlastung wäre dieses Engagement in der Form kaum möglich.
Auch ganz praktische Dinge werden durch das Stipendium erleichtert: Damit wurden die Verwaltungsprozessen wie die Wohnanmeldung oder der Aufenthaltstitel und somit der Einstieg in Deutschland deutlich vereinfacht. Insgesamt schafft das Stipendium eine stabile Grundlage, auf der ich mein Studium und mein Engagement selbstbestimmt gestalten kann.
Was heißt es für Dich, an der ideellen Förderung der Heinrich-Böll-Stiftung teilzunehmen?
Die ideelle Förderung der Heinrich-Böll-Stiftung bedeutet für mich einen wertvollen Raum für Austausch, Reflexion und Mitgestaltung. Als Sprecher im Stipendiat*innenrat bin ich aktiv in der Kommunikation zwischen den Stipendiat*innen und dem Studienwerk eingebunden und vertrete ihre Interessen innerhalb der Stiftung.
In den ersten drei Semestern meiner Förderung habe ich bereits an mehr als einem Dutzend Veranstaltungen und Treffen teilgenommen. Diese Formate reichten von politischen Diskussionsrunden über medienbezogene Workshops bis hin zu Trainings und Studienreisen mit internationalem Fokus. Sie haben mir nicht nur neue fachliche Perspektiven eröffnet, sondern auch die Möglichkeit gegeben, meine eigenen Erfahrungen und Sichtweisen aktiv einzubringen. Besonders schätze ich die Vielfalt der Teilnehmenden, die Offenheit für kritisches Denken und die Gelegenheit, gemeinsam über gesellschaftliche Fragen ins Gespräch zu kommen.
Wertvoll ist für mich ebenfalls die Möglichkeit, neue Menschen kennenzulernen, Freundschaften zu schließen und tragfähige Netzwerke zu bilden. Einige der Stipendiat*innen, die ich über die Heinrich-Böll-Stiftung kennengelernt habe, sind inzwischen enge Freund*innen geworden. Wir treffen uns oft auch außerhalb des Stiftungsrahmens. Diese Beziehungen bedeuten mir sehr viel. Ich bin überzeugt, dass meine schnelle Adaption an das Leben in Deutschland ganz wesentlich ihnen zu verdanken ist. Sie haben mir nicht nur praktische Tipps gegeben, sondern auch emotionale Unterstützung – und das macht für mich den Geist der Stiftung aus: Gemeinschaft, Solidarität und gegenseitige Stärkung. Die ideelle Förderung ist insgesamt für mich ein Raum, in dem Engagement und Lernen auf Augenhöhe stattfinden – und in dem ich mich persönlich und politisch weiterentwickeln kann. Daher würde ich sagen, die Heinrich-Böll-Stiftung ist für mich wie eine zweite parallele Uni.
Hast Du einen Tipp an zukünftige Bewerber*innen?
Auf jeden Fall: Mein wichtigster Tipp an zukünftige Bewerber*innen ist, die Infoveranstaltungen des Studienwerks zu nutzen. Sie bieten nicht nur hilfreiche Einblicke in den Bewerbungsprozess, sondern auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Unsicherheiten zu klären. Und ganz entscheidend: Zögert nicht mit eurer Bewerbung – unabhängig davon, wo auf der Welt ihr euch gerade befindet. Die Heinrich-Böll-Stiftung fördert Vielfalt und internationale Perspektiven. Wenn euch die Themen der Stiftung ansprechen und ihr euch engagieren wollt, dann ist das Bewerbungsverfahren genau der richtige Schritt. Traut euch!