Sterbehilfe: Hintergründe zur aktuellen Debatte

Sterbehilfe: Hintergründe zur aktuellen Debatte

Mein Ende gehört mir
Die Sterbehilfe ist derzeit wieder Thema in Berlin: Start der Kampagne "Mein Ende gehört mir" am 6. Oktober 2014 — Bildnachweise

Sterben und Tod gehören zum Leben. Das gilt nicht nur für jeden Einzelnen, sondern auch für unsere Gesellschaft. Auch sie muss immer wieder prüfen, wie sie mit den Sterbenden und dem Sterben umgeht. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte haben wir unsere Publikationen und Auseinandersetzung mit dem Thema aus den vergangenen Jahren zusammengestellt. 

Gestorben wird nicht im rechtsfreien Raum. Gesetze können menschliche Zuwendung weder verordnen noch sie ersetzen. Aber jeder, der Angehörige oder Freunde beim Sterben begleiten oder ihnen beim Sterben helfen will, sollte vorab wissen (können), wie weit seine Hilfe gehen darf und an welche Regeln er sich zu halten hat. In einer demokratischen Gesellschaft ist das vor allem die Selbstbestimmung des Sterbenden und dessen Würde – eingebettet in ein mehr oder weniger gutes Vertrauensverhältnis zu Angehörigen sowie Pfleger/innen und Ärzt/innen. Wie weit sterbende Menschen ihr Lebensende selbstbestimmt gestalten können, ist auch ein bürgerrechtliches Anliegen, das offenkundig immer deutlicher artikuliert wird.

Denn Sterben wird heute nicht tabuisiert, es ist kein Schicksal mehr, dem Männer und Frauen sich einfach zu unterwerfen hätten. Viele Menschen machen für ihr Sterben selbstbewusst Freiheits- und Selbstbestimmungsrechte geltend, die sich zunehmend auch auf die Umstände und den Zeitpunkt des Todes und das Bild erstrecken, das sie in der Erinnerung ihrer Angehörigen hinterlassen möchten. Sie wollen das Bild eines würdevollen Menschen hinterlassen und nicht das einer Mensch/Maschine-Chimäre. Dabei ist zu bedenken, dass die meisten Todesfälle heute nicht unversehens, sondern absehbar und erwartet auftreten. Viele von ihnen setzen die bewusste Entscheidung voraus, das Leben eines Menschen enden, ihn sterben zu lassen.

Publikationen:

 

Selbstbestimmung zum Lebensende, Hrsg. 2011
Mit Beiträgen von Rosemarie Will, Elke Baezner, Jörg Antoine, Reinhard Merkel, Jerzy Montag und Nikola, Karl-Ludwig Kunz, Michael de Ridder,  Andreas Poltermann, Liesbeth Feikema,Torsten Verrel, Erhard Blankenburg, Ralf Grötker und Jan Linhart

 

 

Selbstbestimmung im Dialog: Patientenautonomie, Vorsorge, Verantwortung, Hrsg. 2008
Mit Beiträgen u. a. von Gian Domenico Borasio, H. Christof Müller-Busch, Birgitt Bender, Meinolfus Strätling, Josef Winkler und Birgit Weihrauch

 

 

 

Die Freiheit zu sterben: Selbstbestimmung durch Sterbehilfe und Patientenverfügungen, Hrsg. 2007
Mit Beiträgen von Ralf Fücks, Rosemarie Will, Torsten Verrel, Till Müller-Heidelberg, Volker Lipp, Andrea Mittelstädt, Meinolfus W. M. Strätling, Ulf Kämpfer, Oliver Tolmein

 

 

Debatte:

Für und wider: Sterbehilfe legalisieren?, 2011_
Unterstützt von der Heinrich-Böll-Stiftung präsentiert "Für und Wider" mit Hilfe webbasierter Visualisierungstechniken einen Überblick über die relevanten Argumente für und gegen die Liberalisierung der Sterbehilfe.

 

Vorträge:

Das Ende der Endlichkeit? Leben und Sterben heute
Beiträge von  Prof. Dr. Dr. Ludger Honnefelder (Institut für Wissenschaft und Ethik, Bonn), Prof. Dr. Christina von Braun (Humboldt-Universität Berlin/Grüne Akademie), Dr. Ralf Stoecker (Universität Potsdam)

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    Anders als bei der aktiven Sterbehilfe, der Tötung auf Verlangen, sprechen sich viele Menschen in Deutschland für die Möglichkeit der ärztlichen Mitwirkung an der freiverantwortlichen Selbsttötung aus. Die Freiheit zu sterben, kann und sollte als „Selbstbestimmung im Dialog“ verwirklicht werden.

    Von Andreas Poltermann

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