Libyen: Zur Situation von Flüchtlingen und Migrant/innen im zerfallenden Staat

Libyen: Zur Situation von Flüchtlingen und Migrant/innen im zerfallenden Staat

Magdalena Mughrabi-Talhami (Amnesty International) und Mirco Keilberth (freier Journalist, Tunis/Tripolis) am 5. Oktober 2015 in der Heinrich-Böll-Stiftung — Bildnachweise

Bis zu einer Million Vertriebene aus Syrien, Somalia und Eritrea sitzen derzeit im zerfallenden Staat Libyen fest. Dort werden sie ausgeraubt, entführt und gefoltert. Am 5. Oktober 2015 berichteten Magdalena Mughrabi-Talhami von Amnesty International und der freie Journalist Mirco Keilberth von der Lage vor Ort.

Für Flüchtlinge und Migrant/innen, die unter Lebensgefahr das Mittelmeer Richtung Europa überqueren, war und ist Libyen wichtiges Anlauf- und Transitland. Andere kamen in der Hoffnung auf Arbeit in den ölreichen Staat und sind nun gefangen in den Wirren des libyschen Bürgerkrieges. Bis zu einer Million Menschen sitzen derzeit im zerfallenden Staat fest. Ihre Situation ist alarmierend: Denn die Menschen aus Syrien, Somalia, oder Eritrea, aus Gambia, Nigeria oder Mali werden ausgeraubt, misshandelt, entführt und gefoltert.

Amnesty International hat auf die verheerende Lage in Libyen hingewiesen und die Gewalt in einem aktuellen Bericht dokumentiert: Für Menschenhändler, Sicherheitskräfte und die zahlreichen Milizen sind Flüchtlinge und Migrant/innen eine rechtlose Ware. Sie machen rücksichtslose Geschäfte und lassen den Aufenthalt in Libyen zum Martyrium werden. In den Camps der Milizen oder in den von libyschen Sicherheitskräften betriebenen Flüchtlingslagern werden die Menschen interniert und misshandelt.

Gemeinsam mit unseren Expert/innen diskutierten wir am 5. Oktober 2015 unter anderem folgende Fragen: Was genau passiert aktuell mit den Migrant/innen und Flüchtlingen in Libyen? Gibt es Lösungsansätze für diese humanitäre Krise? Inwieweit sind diese mit Bemühungen um eine politische Stabilisierung verknüpft? Wie wird  eine mögliche lybische Einheitsregierung in dieser Problematik agieren? Was kann und muss die EU zum Schutz der Menschen in Libyen tun?

 

Video-Mitschnitt der Veranstaltung "Libya is full of cruelty: Zur Situation von Flüchtlingen und Migrant/innen im zerfallenden Staat" am 5. Oktober 2015

Mit:

  • Magdalena Mughrabi-Talhami, Nordafrika Researcherin, Amnesty International, London
  • Mirco Keilberth, freier Journalist, Tunis/Tripolis
  • Moderation: Ines Kappert, Leitung Gunda-Werner-Institut, Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin


 

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1 Kommentar

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Alfons Krückmann

SCHEINHEILIGES THEATER DER BÖLL-STIFTUNG?
Da scheint die Böll-Stiftung mal wieder einen radikalen Gedächtnisverlust zu zelebrieren.
2011 war es für weite Teile der Grünen doch selbstverständliche Haltung, dass Westerwelle einen schweren Fehler begeht, wenn eine aktive Mitarbeit an der militärischen Zerstörung des Landes von der deutschen Aussenpolitik abgelehnt wird.
Es waren die Grünen - oder zumindest der Schwarz-Grüne Teil der Grünen, welcher ja in der Böll-Stiftung dominierend vertreten ist - die für eine radikale militärische Option incl. Bundeswehreinsatz votiert haben.
Zum Glück waren die Grünen da nicht an einer Regierung beteiligt.
Aber auch ohne eine von den Grünen ins Feld geschickte Bundeswehr hat die NATO ja ganze Arbeit geleistet und sich wieder mal einen failed state zurecht gebombt. Jahrelanges oder Jahrzehntelanges Elend für Millionen von Menschen inclusive.
Vom langfristigen Flurschaden einer rücksichtslosen illegitimen Ausweitung des UN-Mandates mal ganz abgesehen.
Wenn schon permanent auf die bellizistische Karte gesetzt wird, dann sollen wenigstens die absehbar verheerenden Folgen auf die eigene Kappe genommen werden.
"Gibt es Lösungsansätze?
Ja: endlich aufhören mit der bellizistischen NATO orientierten Politik, wie sie Böll- und Adenauer-Stiftung regelmässig propagieren, wobei die Adenauer-Stiftung - verglichen mit der Böll-Stiftung - immerhin noch relativ gemässigt auftritt.