Das Kartenhaus Donezk

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Sergey Zakharov in der Heinrich-Böll-Stiftung

Der ukrainische Künstler Sergey Zakharov hat Vertreter/innen der „Volksrepublik Donezk“ karrikiert – und musst dafür einen Monat ins Gefängnis. In der Heinrich-Böll-Stiftung zeigte er die Porträts auf übergroßen Spielkarten – und brachte das Kartenhaus mitsamt Joker Putin zum Einsturz.


Izolyatsia ist eine unabhängige Kulturstiftung, die 2010 auf dem Gelände einer ehemaligen Dämmstofffabrik in Donezk im Osten der Ukraine gegründet wurde. Izolyatsia versteht sich als interdisziplinärer Kunstraum für Kreative und als Plattform für zeitgenössische Kunst mit dem Ziel, die soziale und kulturelle Entwicklung der Ukraine – unter wertschätzender Berücksichtigung des industriellen Erbes – zu unterstützen.


Im Juni 2014 wurde das Izolyatsia-Gelände von Polizisten der selbsternannten Separatistenorganisation „Volksrepublik Donezk“ (DNR – Donetskaja narodnaja respublika) beschlagnahmt und dort eine Militärbasis eingerichtet. Die Beschlagnahmung des Fabrikgeländes, der ursprünglichen Heimstatt und Namenspatronin der Kulturstiftung, war ein schwerer Schlag für Izolyatsia. Trotz aller Schwierigkeiten, verlorener Kunstwerke und Ausrüstung setzte das Izolyatsia-Team seine Arbeit in Kiew fort, ist aber auch weiterhin im Osten des Landes, insbesondere in Mariupol aktiv.



Inmitten des kriegerischen Konflikts in Donezk kreierte der ukrainische Künstler Sergey Zakharov eine Karikaturen-Serie von DNR-Vertreter/innen. Die lebensgroßen Karikaturen wurden an strategischen Orten in der Stadt als Graffiti Kunst angebracht und unter einem Pseudonym im Internet gepostet. Nach der Montage der Kunstinstallation wurde Zakharov von einer DNR-Patrouille festgenommen, einen Monat lang eingesperrt und gefoltert. Nach seiner Freilassung musste der Künstler – genau wie die Kulturstiftung Izolyatsia – Donezk verlassen und nach Kiew flüchten.


Zakharovs House of Cards präsentiert 15 Original Karikaturen von DNR Vertreter/innen, inklusive eines Jokers mit Putins Gesicht, übertragen auf übergroße Spielkarten. Die feinsinnige Konstruktion des Kartenhauses soll die Instabilität der „Volksrepublik Donezk“ symbolisieren. Seine House of Cards Performance anlässlich der Ausstellungseröffnung am 18. Januar in der Heinrich-Böll-Stiftung sehen Sie oben.


Desweiteren wurden in der Ausstellung fünf dokumentarische Video-Interviews gezeigt mit DNR-Separatisten, aufgenommen von russischen Journalisten, sowie Aktivsten, die auf dem Izolyatsia Gelände inhaftiert wurden. Dadurch werden völlig gegensätzliche Perspektiven auf die Donzezker Ereignisse gezeigt:


Die Ausstellung Culture and Conflict: IZOLYATSIA in Exile wurde im Januar 2016 in der Heinrich-Böll-Stiftung präsentiert, die Rede von Ralf Fücks zur Eröffnung finden Sie hier. Zuvor wurde die Ausstellung in Paris, Prag und Augsburg gezeigt, mit Unterstützung des Auswärtigen Amts. Izolyatsia ist eine Partnerorganisation des Kiewer Büros der Heinrich-Böll-Stiftung.


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