Die Cradle to Cradle Denkschule - Einen positiven Fußabdruck hinterlassen

Die Cradle to Cradle Denkschule - Einen positiven Fußabdruck hinterlassen

Cradle to Cradle design
Biologischer und Technischer Kreislauf — Bildnachweise

Es ist nicht zu bestreiten: Wir haben die Böden vergiftet, die Luft verpestet, die Meere überfischt, die Wälder gerodet. Dass die Menschheit vor diesem Hintergrund als Umweltbelastung wahrgenommen wird, ist verständlich. Und doch führt die Fixierung auf den negativen ökologischen Fußabdruck in die Irre, denn sie verleitet uns dazu, die Möglichkeit aus den Augen zu verlieren, dass auch wir einen positiven Fußabdruck hinterlassen könnten.
 

Die Cradle to Cradle Denkschule

Die Cradle to Cradle (C2C) Denkschule begreift den Menschen daher als potentiellen Nützling der Erde, nicht als unverbesserlichen Schädling. Sie will den „Umweltsünder Mensch“ nicht in ein „ökologisches Büßergewand“ zwingen, ihn nicht zu Reduktion und Verzicht überreden, sondern ermutigen, über sich selbst hinauszuwachsen.

Im Fokus der C2C Denkschule steht eine Wirtschaft, in der gesunde Materialien dauerhaft in einem geschlossenen biologischen oder technischen Kreislauf zirkulieren. Anders als bei Ansätzen, die Probleme „End-of-Pipe“ betrachten, werden Produkte und Prozesse vom Anfang hergedacht und in Hinblick auf ihre gesamte Nutzungsdauer entwickelt werden. Es geht demnach um ein komplett anderes Design und nicht um additive Umweltschutzmaßnahmen. Die C2C Denkschule setzt sich für eine „echte“ und innovative Kreislaufwirtschaft ein, die nicht mit Abfallwirtschaft gleichgesetzt wird.

Cradle to Cradle Prinzipien

Mit der Natur als Vorbild haben sich in der C2C Denkschule drei Prinzipien herauskristallisiert:

  • Abfall ist Nährstoff
  • Nutzung erneuerbarer Energie
  • Unterstützung von Diversität

Nach dem C2C Konzept existiert Abfall nicht, da Abfall als Nährstoff verstanden wird. Dieses erste Prinzip verdeutlicht die Idee der Öko-Effektivität und orientiert sich am Vorbild ökologischer Nährstoffkreisläufe der Natur. So zirkulieren nach dem C2C Konzept alle eingesetzten Stoffe in einem biologischen oder technischen Kreislauf – es entsteht also eine kontinuierliche Kreislaufwirtschaft.
Der Biologische Kreislauf umfasst Materialien, die gesund und kompostierfähig sind. Sie können am Ende ihrer Nutzung als biologische Nährstoffgrundlage neues organisches Wachstum ermöglichen. Der technische Kreislauf bezieht sich auf Materialien wie beispielsweise Metalle oder Kunststoffe, die als Primärrohstoffe begrenzt zur Verfügung und in Anbetracht der zunehmenden Knappheit sowie steigendem Konsum im technischen Kreislauf zirkulieren sollten. Bürostühle können beispielsweise so hergestellt werden, dass alle eingesetzten Materialien sortenrein und mit geringen Aufwand voneinander getrennt werden können.

Das zweite Prinzip „Nutzung erneuerbarer Energien“ bezieht sich auf die vorherrschende Energieerzeugung und fordert eine grundlegende Umstrukturierung der heutigen Energiegewinnung.

Zudem stellt sich das C2C Konzept gegen das Phänomen der De-Evolution – der Vereinfachung und Zerstörung von Vielfalt. Gemeint ist damit die menschliche Gestaltung der Umwelt durch Einheitsgrößen und Simplifizierung komplexer Zusammenhänge. Stattdessen soll die Vielfalt gefeiert werden – eine Vielfalt der Orte und Kulturen, der Wünsche und Bedürfnisse, der einzigartigen menschlichen Gestaltungsfähigkeiten kann durch eine industrielle Re-Evolution, im Sinne von C2C, der Eintönigkeit vom momentan vorherrschenden Von-der-Wiege-zur-Bahre-Konzept entgegenwirken.

Universelles Qualitätsverständnis

Neben diesen drei Prinzipien ist ein universelles Verständnis von (Produkt)Qualität, als übergeordnetes Ziel einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformation, ausschlaggebend. Produkte werden dem Anspruch einer umfassenden Qualität gerecht, wenn sie unter Einsatz regenerativer Energien für biologische und technische Kreisläufe produziert werden. Zudem dürfen bei der Herstellung oder Verwendung beteiligte Menschen sowie das betroffene Ökosystem nicht geschädigt werden. Dies spiegelt sich auch in der Wahl der Materialien wieder. So ist der Abrieb eines Autoreifens oder einer Schuhsohle nicht umweltschädlich, sondern ökologisch verträglich oder hat sogar einen positiven Einfluss auf die Umwelt. Die Rückstände von Shampoos oder Reinigungsmitteln können beispielsweise unbedenklich in den Abfluss fließen.

Vom Umweltschädling zum Umweltnützling

Die C2C Denkschule hält daran fest, dass wir die Dinge besser machen können. Fakt ist: Wenn wir damit beginnen würden, in Kreisläufen zu denken, Produkte als Nährstoffe begreifen würden und den Menschen als Chance zu sehen, könnten wir, selbst in einer Population von 10 Milliarden, vom Umweltschädling zum Umweltnützling heranreifen. Die zentrale Maxime der C2C Denkschule lautet daher: Habe Mut, deinen eigenen positiven Fußabdruck zu hinterlassen.

Es gibt schon heute viele und gute Lösungsansätze und eine ausgeprägte Umweltdiskussion. Kreislaufwirtschaft wird heute leider häufig noch als Abfallwirtschaft falls verstanden.

Der Cradle to Cradle e.V.

Und genau dafür setzt sich der Cradle to Cradle e.V. ein. Die gemeinnützige Organisation besteht aktuell aus bundesweit über 30 Regionalgruppen und mehr als 400 Aktiven. Jede*r, der*die Lust hat sich für einen positiven Fußabdruck zu engagieren, kann aktiv werden. Durch die Arbeit des e.V. rund um Bildung-, Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit soll C2C selbstverständlich werden. Um dieses Ziel zu erreichen, verbreitet die Organisation die Idee mit Veranstaltungen wie Vorträgen, Workshops, Diskussionen und Infoständen. Beim jährlich stattfindenden Kongress in Lüneburg tragen Akteur*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft dazu bei, alternative Lösungsansätze zu erarbeiten und damit die Idee des positiven Fußabdruckes weiterzuentwickeln. Im Rahmen des Kongresses zeigen einige Unternehmen ihre Produkte und verdeutlichen, was im Bereich C2C möglich und wie es praktisch umzusetzen ist.

Die Schirmherrschaft für den C2C Kongress 2016 übernehmen, wie in den Jahren zuvor, die Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks und Prof. Dr. Sascha Spoun, Präsident der Leuphana Universität Lüneburg.

Cradle to Cradle e.V.
www.c2c-ev.de
www.facebook.com/C2C.eV
twitter.com/C2C_eV


Veranstaltungshinweis:

Cradle to Cradle Kongress

23. & 24. September 2016
Leuphana Universität in Lüneburg
www.c2c-kongress.de

 

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