Syrien: Gezielter Luftangriff auf Kinder in Schule in Ost-Ghouta

Statement

Bei einem Luftangriff auf eine Schule im syrischen Erbin, Ost-Ghouta, am 19. März 2018 kamen 20 Personen ums Leben, davon 16 Kinder und vier junge Frauen. Die Schule wird von der Partnerorganisation der Heinrich-Böll-Stiftung, Adopt a Revolution, sowie Medico International e.V. unterstützt.

Kellerschule in Erbin
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Kellerschule in Erbin nach dem Bombardement

Die Schule befand sich im Keller eines Wohnhauses und wurde zum Zeitpunkt des Angriffs von rund 400 Personen, überwiegend Frauen und Kinder, als Luftschutzkeller genutzt. Die Opferzahlen wurden von Partnerorganisationen vor Ort bestätigt. Nach Auswertung der Angaben zahlreicher Beobachter/innen deutet alles darauf hin, dass es sich bei diesem Angriff mit bunkerbrechenden Waffen um eine gezielte Auslöschung von Zivilist/innen durch die russische Luftwaffe gehandelt hat. Durch den planmäßigen Einsatz von Überwachungsdrohnen sind die Orte in Erbin, an denen Menschen Zuflucht vor den Bombardierungen suchen, bekannt und offenbar als militärische Ziele identifiziert.

Die Kellerschule wurde 2015 als Vor- und Grundschule eingerichtet, um den Kindern Schutz vor Beschuss mit Granaten zu bieten. Dem gestern erfolgten, gezielten Angriff mit bunkerbrechenden Waffen konnte sie jedoch nicht standhalten.

Wir verurteilen diesen erneuten gezielten Angriff auf Zivilist/innen mit bunkerbrechenden Waffen ebenso wie den Einsatz von Giftgas, Fassbomben und die Angriffe auf Krankenhäuser als Kriegsverbrechen auf das Entschiedenste. Diese Art der Kriegsführung hat nichts mit der Bekämpfung von Terrorismus zu tun, sondern soll die Zivilbevölkerung durch möglichst hohe Opferzahlen terrorisieren und demoralisieren. Die wiederholten schwersten und systematischen Verletzungen des Völkerrechts in Syrien müssen nun endlich konsequent geahndet werden.

Wir fordern die Bundesregierung auf, bei den beteiligten Parteien in aller Deutlichkeit eine zügige und umfassende Klärung des Sachverhalts einzufordern. Wir fordern außerdem die Bundesregierung auf, sich dafür einzusetzen, dass eine Dringlichkeitssitzung des UN-Generalvollversammlung zur Durchsetzung der beschlossenen Waffenruhe in Syrien einberufen wird und mit aller Kraft darauf zu drängen, dass die Verantwortlichen für dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Rechenschaft gezogen werden.