Zukunft: Gewinner von morgen

Zukunft: Gewinner von morgen

Energieatlas

Für die internationale Konkurrenz haben die „grünen“ Energien und ihre Technologien ein neues Wirtschaftsfeld geschaffen. Wer hier führt oder den Anschluss hält, wird mit Exportchancen, Arbeitsplätzen und Kostensenkungen belohnt. Zu einer erfolgreichen Wende gehören auch Demokratie und soziale Gerechtigkeit.

Die Erneuerbaren haben weltweit 8,3 Millionen Arbeitsplätze geschaffen, davon mehr als 1,1 Millionen in der EU und über 300.000 in Deutschland – Urheber/in: Bartz/Stockmar (Lizenz-Infos). Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Das Weltklima verändert sich schneller als je zuvor, und die Menschen in Europa sind mehr und mehr über diese Gefahr informiert. Auf das Wissen folgen Taten. Denn Bürgerinnen und Bürger, Regierungen und Unternehmen erkennen, dass die Umstellung auf umweltfreundlichere Energieformen keine teure und schmerzhafte Aufgabe ist. Im Gegenteil, sie bringt Vorteile: Kostensenkungen, neue Industrien, lokale Arbeitsplätze, die nicht eingespart oder verlagert werden können, und Energiesicherheit.

Europa ist bei vielen umweltfreundlichen Technologien einschließlich der Onshore- und Offshore-Windenergie bereits weltweit führend. Die Energiewende schafft neue Perspektiven für den Export. Der Wettbewerb mit Nordamerika und dem Fernen Osten treibt Europa an, weiter in Forschung und Innovation zu investieren und grüne Technologien gedeihen zu lassen.

Dazu gehören ein dynamischer Binnenmarkt, der den großflächigen Einsatz erneuerbarer Energien ermöglicht, ein Bausektor, der sich um Plusenergiehäuser kümmert (die mehr Strom produzieren als sie verbrauchen), und ein umweltfreundlicher Verkehr. Bessere Verbindungen zwischen den nationalen Strom-, Wärme- und Verkehrsnetzen können schnell dafür sorgen, dass Europa seinen gesamten Energiebedarf aus Erneuerbaren beziehen und auf Importe vollständig verzichten kann.

Investitionen in Umwelttechnologien erhöhen geopolitischen Einfluss

Das Pariser Klimaabkommen von 2015 hat gezeigt, dass die Welt den Klimawandel nur dann begrenzen kann, wenn sie auf fossile Brennstoffe verzichtet. Das CO2-Risiko ist ein konkretes Problem. Umsichtige Investoren wenden sich allmählich von den fossilen Brennstoffen ab – und den grünen Technologien zu. Das Klimaabkommen hat das Bewusstsein für das Potenzial erneuerbarer Energien und die Vorteile der Energieeffizienz geschärft. Mit finanzieller Unterstützung der EU entstehen Vorzeigeprojekte wie Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee, Fernwärme aus erneuerbaren Energien und europäische Korridore für Elektromobilität.

Europa gibt viel Geld zur Erforschung der Erneuerbaren aus. Länder, die dort zu wenig investieren, sind die Exportmärkte der Zukunft – Urheber/in: Bartz/Stockmar (Lizenz-Infos). Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.In den vergangenen hundert Jahren hing die geopolitische Stärke der Länder von ihren Energieressourcen ab. In Zukunft wird es darauf ankommen, Wettbewerbsvorteile aus den besten Umwelttechnologien zu ziehen. Die Länder, die Solar- und Windenergie, intelligente Netze und Energiespeicher voranbringen, werden einen Schritt voraus sein. Die Verringerung ihrer Importe fossiler Brennstoffe wird ihre Energiesicherheit stärken. Durch den beschleunigten Einsatz umweltfreundlicher Technologien wird die Abhängigkeit der EU von Ländern wie Russland und Saudi-Arabien verringert und ihr geopolitischer Einfluss erhöht.

Aber die europäische Wirtschaft ist immer noch stark von fossilen Brennstoffen abhängig, vor allem für Heizung, Kühlung und Transport. Der Verkehr ist nach wie vor der Sektor, der am stärksten dekarbonisiert werden muss: Über 90 Prozent der Fahrzeuge in der EU verbrennen fossile Brennstoffe. Weniger Autos in den Städten, mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer und umweltfreundlichere öffentliche Verkehrsmittel können die Mobilität in den Innenstädten verändern und für sauberere Luft und bessere Gesundheit sorgen. Auch das wachsende Bewusstsein um die schädlichen Dieselabgase dürfte Elektrofahrzeuge populärer machen.

Die Energiewende ist auch ein Kampf für Demokratie

Zu lange waren die Bürgerinnen und Bürger den energiewirtschaftlichen und geopolitischen Interessen an Öl und Gas ausgeliefert. Die Energiewende macht Einzelpersonen, Genossenschaften und lokale Behörden zu Akteurinnen, indem sie Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen besitzen oder mitbesitzen. Sie können ihren eigenen Strom produzieren und intelligente Steuerungen einsetzen, um ihren Verbrauch zu optimieren.

Der faire soziale Übergang muss mit neuen wirtschaftlichen Perspektiven für die Regionen einhergehen, die Kohle und Gas produzieren und verstromen. Niedrige Preise für CO2 im Emissionshandelssystem der EU haben den Stein- und Braunkohlebergbau am Leben erhalten und die Laufzeiten der dafür gebauten Kraftwerke künstlich verlängert. Damit haben sie die wirtschaftlichen Probleme der Regionen verstärkt, die einseitig auf Kohle ausgerichtet sind. Jetzt sollte ein schrittweises und fest terminiertes Ende der Fossilen mit einer effektiven Planung auf lokaler und regionaler Ebene verbunden werden. So können größere soziale Krisen vermieden werden – Beispiele dafür gibt es.

Die EU-Politik hat die Energiewende in Europa vor mehr als 20 Jahren beginnen lassen. Politische Entscheidungen von heute werden den Rahmen für die Entwicklung der nächsten Jahrzehnte bestimmen. Mit den richtigen Entscheidungen kann die EU ihre Möglichkeiten nutzen, um den Planeten vor der Klimakatastrophe zu retten und Europa zum weltweiten Anführer bei den grünen Technologien zu machen.

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