Der Tod im Bus: Ein Tag am gefährlichsten Arbeitsplatz von Guatemala-Stadt

Der Tod im Bus: Ein Tag am gefährlichsten Arbeitsplatz von Guatemala-Stadt

Reportage

Tausende Migrantinnen und Migranten ziehen seit rund einer Woche aus Mittelamerika Richtung USA. Einer ihrer Beweggründe: ein unerträgliches Maß an Gewalt und Kriminalität in ihren Heimatländern. Die Anthropologin Pia Flores hat im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung einen Blick auf einen der gefährlichsten Arbeitsplätze in Guatemala geworfen: einen Bus des öffentlichen Nahverkehrs.

Ein bunt dekorierter Bus Urheber/in: Clark & Kim Kays. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Dieser Beitrag ist ein Vorabdruck aus dem Magazin Perspectivas, das Mitte November zum Thema „Mobilität“ erscheint. 

Tag für Tag sind 2,5 Millionen Menschen in Guatemala-Stadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Sie sind abhängig von diesem Adernetz, über das Arbeitskräfte aus den verarmten Stadtrandgebieten in das Herz der größten Hauptstadt Mittelamerikas gepumpt werden. Um zur Arbeit zu kommen, zu leben, zu überleben, nehmen Fahrer und Fahrgäste nicht nur das Gedränge in den Bussen, die holprigen Straßen und eine kollabierte Infrastruktur in Kauf. Sie müssen auf ihren Fahrten auch die alltägliche Brutalität des „nördlichen Dreiecks“ erleben, einer der gewaltträchtigsten Regionen der Welt.

Im Visier organisierter Banden: die Ärmsten

In Guatemala-Stadt halten die beiden Banden Mara Salvatrucha und Barrio 18 mit einem System aus Erpressungen das Zepter fest in der Hand. Es ist die Folge staatlicher Unfähigkeit, Kriminalität angemessen zu bekämpfen. Das System der Erpressungen funktioniert hervorragend – wer nicht zahlt, wird umgelegt. Wer Anzeige erstattet, riskiert sein Leben. Aber die Banden suchen sich ihre Opfer nicht unter den Reichen. Ins Visier genommen werden die, die am leichtesten zu fassen sind: Menschen, die sich keine privaten Sicherheitsdienste und keine gepanzerten Autos leisten können und die nicht in streng bewachten Siedlungen wohnen. Es sind die Warenauslieferer, die Marktverkäuferinnen, die Sexarbeiterinnen – und die Fahrer der öffentlichen Busse.

Als 2008 die Händler aufgefordert wurden, bei Schutzgelderpressungen Anzeige zu erstatten, konzentrierten sich die Banden kurzerhand auf die öffentlichen Verkehrsmittel. In den letzten acht Jahren sind landesweit 523 Busfahrer/innen und 248 mitfahrende Helfer – viele davon Minderjährige – während ihrer Arbeit ermordet worden. Auch 458 Passagiere fanden den Tod, sei es durch Querschläger bei Angriffen auf die Busfahrer/innen, oder weil sie bei Überfällen Widerstand geleistet hatten. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum wurden 122 Polizisten der guatemaltekischen Nationalpolizei im Dienst getötet.

„Unser Leben ist nichts wert.“

Mateo López fährt mit seiner braunen Hand über ein mit weißem Filzstift aufgemaltes Dreieck auf einer der abgedunkelten Fensterscheiben des Busses, genau neben einem Einschussloch, durch das irgendwann einmal eine Kugel das rote Metall durchschlagen hatte: „Die ‚Steuer‘: Das ist das, was uns Tag und Nacht im Kopf herumgeht:“ Der 34-jährige Mateo ist Busfahrer im Großraum Guatemala-Stadt. Er hat einen der gefährlichsten Jobs in dem mittelamerikanischen Land. Eine Markierung am Fenster macht deutlich, dass die „Steuer“ bereits bezahlt ist, das Erpressungsgeld, das er Woche für Woche an eine der Banden entrichten muss, die fast die gesamte Stadt kontrollieren. „Das ist wirklich eine sehr harte Arbeit; unser Leben ist nichts wert. Keiner weiß, wie das ist. Keiner versetzt sich in unsere Lage. Wenn man selbst hier sitzt, ist das anders. Dann sieht alles anders aus. Wir stehen unter sehr viel Druck.“

Mateo wuchs in einem Viertel der Hauptstadt auf, in dem die vorhandenen Mittel so knapp waren wie die Zukunftschancen. Schon als Jugendlicher fing er an, als Fahrer in den roten Bussen zu arbeiten, wie viele seiner Freunde aus der Kindheit. Andere begannen als LKW- oder Taxifahrer. Und viele rutschten in die Kriminalität ab. Alles risikoreiche Lebenswege. Und einige von Mateos Freunden sind dabei schon auf der Strecke geblieben.

Mehrere Spiegel, eine rot-blaue Flagge, eine Rückenstütze auf dem Fahrersitz und ein paar Kleinigkeiten machen den Fahrerraum ein wenig gemütlicher. Hier verbringt Mateo den größten Teil seiner Wachzeiten, sechs Tage die Woche. Den Bus hält er blitzsauber. Dem Eigentümer allerdings ist das vollkommen egal, und ebenso auch, wann und wie lange Mateo arbeitet. Ihn interessiert einzig und allein, dass er seinen Anteil für die Busnutzung bekommt. Mateo und seine Kollegen sind völlig sich selbst überlassen. Niemand tut etwas, um ihr Leben zu schützen, weder die Busbesitzer noch die Stadtverwaltung noch die Regierung. 

Perspectivas Lateinamerika

Dieser Beitrag ist ein Vorabdruck aus dem Magazin Perspectivas Lateinamerika, das Mitte November zum Thema „Mobilität“ erscheint. 

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Der öffentliche Nahverkehr in Guatemala-Stadt ist unter drei Hauptversorgern aufgeteilt; zwei davon sind städtische Dienstleister, bei denen Busfahrkarten nicht bar bezahlt werden können. Die Buslinie Transmetro, vergleichbar mit der TransMilenio im kolumbianischen Bogotá, wurde 2007 in Betrieb genommen. Sie bedient nur einen kleinen Teil der guatemaltekischen Hauptstadt.

Die Linie Transurbano sollte 2010 mit mehr als 3.000 Fahrzeugen die roten Busse ablösen. Jedoch gingen trotz eines Millionenbudgets nur 445 Busse in Betrieb. Sie reichten nie aus, um den Transportbedarf der Stadt zu decken. Vor kurzem nun wurden der frühere Staatspräsident Guatemalas Álvaro Colom und mehrere seiner Minister verhaftet. Ihnen wird von der guatemaltekischen Staatsanwaltschaft und der Internationalen Kommission gegen Straflosigkeit in Guatemala (CICIG) vorgeworfen, im Zusammenhang mit der Transurbano über 35 Millionen US-Dollar unterschlagen zu haben.

Und schließlich gibt es die roten Busse: Ihr Liniennetz erstreckt sich als einziges über das gesamte Stadtgebiet. Nur hier wird der Fahrpreis von einem Quetzal (1 GTQ = 0,11264 EUR, Wechselkurs vom 23. Juli 2018 lt. Oanda) direkt beim Fahrer oder seinem Helfer bezahlt. Keiner der beiden bekommt jedoch ein festes Gehalt oder sonstige Leistungen. Ebenso wenig erhalten sie Rechnungen für die Busmiete, und auch die Einnahmen der einzelnen Fahrer werden nicht überprüft. Die roten Busse sind die einzigen, die mindestens jeden vierten Tag von Raubüberfällen betroffen sind.

„Wir bekommen kein Grundgehalt, und es werden weder Sozialabgaben, noch Krankenversicherung für uns bezahlt. Darum müssen wir uns selber kümmern. Hier gibt es gar nichts. Es gibt Busbesitzer ohne jedes Gewissen, richtige Ausbeuter. Wenn der Bus kaputt ist, dann sagen sie dir: ‚Wenn du arbeiten willst, dann sieh zu, wie du das wieder hinkriegst. Wenn nicht, dann lass‘ es einfach bleiben!‘“

Das Einkommen von Menschen wie Mateo und seinem sechzehnjährigen Helfer, die in den roten Bussen von Guatemala arbeiten, hängt unmittelbar von der Anzahl der Fahrgäste ab, die sie an einem Arbeitstag in ihrem Bus befördern können. Sie haben drei Arten von Fixkosten: den Tagessatz von 300 Quetzales (rd. 34 EUR) für die Miete, den sie an den Buseigner zahlen; die Treibstoffkosten von ebenfalls 300 Quetzales pro Tag; dazu kommt noch die tägliche „Steuer“ von 130 Quetzales (rd. 15 EUR) für die Banden. Der verbleibende Rest der Tageseinnahmen bildet ihren Verdienst. Für den Helfer sind das lediglich 40 bis 100 Quetzales (4,50 EUR bis 11,25 EUR) und für Mateo 70 bis 200 Quetzales (8 EUR bis 22,50) pro Arbeitstag. Wenn man das auf ein monatliches Durchschnittseinkommen umrechnet, so wären dies im Schnitt für den Helfer 1.680 Quetzales (rd. 190 EUR) und für den Fahrer 3.240 Quetzales (rd. 365 EUR). Und das bei einem Arbeitstag von 4:30 Uhr morgens bis 21:00 Uhr abends an sechs Tagen pro Woche.

Alle unvorhergesehenen Ausgaben – z.B. für Reinigungsmittel, Ersatzteile und gelegentliche Strafzettel – gehen noch von ihren Einkünften ab. Banden und Buseigner hingegen können mit festen Monatseinnahmen rechnen: die Banden mit 3.200 Quetzales (rd. 360 EUR) und der Buseigner mit 7.200 Quetzales (rd. 811 EUR).

Auge in Auge mit den Erpressern

Die Busfahrer/innen wechseln sich mit der wöchentlichen Zahlung der Erpressungsgelder ab. Derjenige, der die jeweilige Woche übernimmt, bekommt des Mobiltelefon, das die Banden ihnen gegeben haben, um den Zahlungszeitpunkt zu melden. Vor drei Wochen war Mateo an der Reihe. Er musste das Geld von seinen Kollegen einsammeln und sich mit seinen Erpressern treffen. „Du fühlst dich furchtbar, stehst unter ungeheurem Druck. Sie bedrängen und bedrohen dich, und du hast Angst, dass du nicht rechtzeitig kommst. Und dann stehst du vor ihnen: halbe Kinder, 18- oder 20-jährige. Die Jüngeren werden zum Schießen angestiftet, manchmal nur als Aufnahmeritual, um in die Bande aufgenommen zu werden. Dafür müssen sie einen Busfahrer [oder Busfahrerin - Anmerkung der Redaktion] umbringen. Stell dir das mal vor! Die bringen dich um, um reinzukommen.“

Manchmal wird die „Steuer“ auch von Frauen kassiert. In Guatemala ist dies immer häufiger der Fall. Mateo ist entspannter, wenn Frauen kommen, denn sie kommunizieren anders und bedrohen ihn nicht. Manchmal kommen aber auch die Anführer selbst, Männer mit der Tätowierung „MS“ im Gesicht (für „Mara Salvatrucha“) oder „18“ (für „Barrio 18“). Sie sind gut gekleidet, und sie kommen mit neuen Motorrädern und neuen Waffen. Mateo erinnert sich, wie einmal einer von ihnen in einem Mercedes auftauchte, um das Erpressungsgeld zu kassieren: „Die machen einem wirklich Angst. Ich hätte nie gedacht, dass die mal in so Riesenschlitten angefahren kommen!“

Nach der Zahlung erhält er einen Code, der bei jedem Bus auf die Fensterscheibe geschrieben werden muss, um so anzuzeigen, dass die „Steuer“ bezahlt ist. Selbst Mateo ist von dem Organisationsniveau der Erpresserbande überrascht: „Die sind besser organisiert als die Polizei. Da steckt ein schlauer Kopf dahinter. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Die sind ziemlich gewieft, benutzen Zahlen, Initialen oder Symbole: eine Sonne, einen Smiley, ein Dreieck oder Buchstaben mit Ziffern. Sie ändern alle 8 Tage den Code, und wenn die Nummer am Bus nicht mit dem Code übereinstimmt und einer von denen das merkt, dann bringen sie uns um.“

Mateo hat bereits mehrere Kollegen verloren. Mit einem von ihnen war er schon seit der Kindheit sehr eng befreundet. Mateo fuhr in der Schicht 10 Minuten nach ihm und sah, wie der Bus dort stand, inmitten einer Menschenmenge: „Ich stieg aus, und da lag mein Freund, tot. Das war sehr hart für mich. An dem Tag sind wir nicht mehr zur Arbeit rausgefahren, sondern haben um ihn getrauert. Es war ganz schrecklich.“

Vor zwei Jahren wäre Mateo beinahe dasselbe widerfahren. Mit ausgestrecktem Arm zeigt er auf die Einschusslöcher im Bus. Am Unterarm hat er eine Narbe, eine weiße, kurvige Linie auf seiner Haut, etwa 15 Zentimeter lang, mit weißen Stichen an beiden Seiten. Dort war eine Kugel eingedrungen; eine zweite steckt noch immer neben seiner rechten Niere.

An jenem Tag hatte sein Schichtkollege das Handy der Banden ausgeschaltet – ein grober Regelverstoß. Mateo hatte seinen Dienst um 4:30 Uhr morgens begonnen. Eine junge Frau winkte den Bus an den Straßenrand, um zuzusteigen, aber als Mateo anhielt, tauchten plötzlich zwei junge Männer auf. „Die haben Pistolen dabei!“, schrie sein Helfer.

Als auf einmal Schüsse zu hören waren, startete Mateo den Bus durch. Drei Kugeln drangen in seinen Körper ein, sein Unterarmknochen wurde völlig zerfetzt, und die Fahrgäste gerieten in Panik. Mateo steuerte den Bus noch bis zu einem nahegelegenen Gesundheitszentrum. Mehrere Passagiere waren verletzt, ein Mann und eine ältere Frau starben noch am selben Tag. 

Sie mussten ihre Abhängigkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln mit dem Leben bezahlen, ebenso wie die 456 anderen Fahrgäste, die seit 2010 bei Überfällen auf Busse getötet wurden.

Rund 41 Prozent der Einwohner von Guatemala-Stadt sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Die meisten von ihnen kommen aus den ärmsten Vierteln der Hauptstadt. Es sind Angestellte von Supermärkten oder Restaurants, Putzfrauen oder Kindermädchen in Privathaushalten, Gärtner oder Maurer. Das dichte Gedränge in den Bussen ist nicht nur unbequem, sondern auch gefährlich. Und Tag für Tag sind Frauen den Übergriffen von Männern ausgesetzt, die sich die erzwungene körperliche Nähe zunutze machen, um sie zu belästigen. Um nicht zu spät zur Arbeit zu kommen, müssen sich viele Passagiere von außen an die Busse klammern.

Die öffentlichen Verkehrsmittel in Guatemala sind ein Paradebeispiel für die selektive Wahrnehmung einer durch Ungleichheit polarisierten Gesellschaft: Tag für Tag rollen schätzungsweise 1,5 Millionen Autos über die Straßen der Hauptstadt, und in 8 von 10 Fahrzeugen sitzt nur eine Person. Unter den Autofahrern und Autofahrerinnen ist die Verachtung für die roten Busse jedoch ein gängiges Phänomen. Sie geben den Busfahrer/innen die Schuld an dem Höllenverkehr, weil sie anhalten, wo immer es ihnen passt, um Fahrgäste ein- oder aussteigen zu lassen, oder auch, weil die Busse häufig defekt sind, was viele auf die angebliche Unvernunft der Fahrer und ihren viel zu schnellen Fahrstil zurückführen.

Kein festes, sondern ein von der Zahl der Fahrgäste und der Höhe der Erpressungsgelder abhängiges Gehalt zu bekommen, das schafft scharfe Konkurrenz. Wenn es Mateo gelingt, noch vor einem anderen Bus den nächsten Fahrgast aufzunehmen, so bedeutet das für ihn einen Quetzal mehr, um seine Fixkosten bestreiten zu können.

Es gibt nur eine Lösung

Nach dem Überfall fuhr Mateo fünf Monate lang keinen Bus mehr – fünf Monate ohne Einkommen für sich selbst, seine Frau und seine beiden Kinder. Eine Zeitlang verkaufte er auf der Straße Filmkopien, um seine Familie über Wasser zu halten.

Weder die Stadtverwaltung, die für den öffentlichen Nahverkehr im Großraum Guatemala-Stadt zuständig ist, noch die Buseigner als Arbeitgeber bezahlen für die Fahrer Sozialversicherungsbeiträge. Für die Busfahrer/innen aber sind die bewaffneten Überfälle derart alltäglich geworden, dass einige Gruppen Hilfsfonds gegründet haben, in die sie wöchentlich etwa 25 Quetzales (rd. 2,80 EUR) zur Unterstützung ihrer betroffenen Kollegen einzahlen.

Mateos Frau drängt ihn, seine Arbeit als Fahrer aufzugeben. Jeden Morgen ruft sie ihn an, um zu hören, ob es ihm gut geht. Mateo bleibt nur sehr wenig Zeit für Frau und Kinder. Normalerweise fängt er um 4:30 Uhr an zu arbeiten und kommt am Abend erst um 21:30 Uhr nach Hause, wenn alle schon schlafen. Deshalb hält er sich immer den Sonntag für die Familie frei.

Nach Mateos Einschätzung ist es so gut wie aussichtslos, eine Beschäftigung mit besseren Sicherheitsbedingungen zu finden, denn die Anforderungen sind hoch: Empfehlungsschreiben, Arbeitszeugnisse, polizeiliches Führungszeugnis, Kreditwürdigkeit etc. In seinen Augen bleibt ihm als einziger Ausweg nur noch, als „mojado“, als illegaler Migrant, in die USA zu gehen, wie er es vor vielen Jahren bereits schon einmal getan hat. Er glaubt, dass er in den Vereinigten Staaten zwar leichter Arbeit finden kann, das Leben dort aber keineswegs einfacher ist; und er erinnert sich, dass er in den USA sogar noch mehr arbeiten musste als in Guatemala. Dennoch: Die Sicherheit, die er damals erlebte, würde ihn die Risiken der Reise und die Gefahr der Abschiebung in Kauf nehmen lassen. „Hier zu leben macht mir mehr Angst. Wenn ich zum Beispiel daran denke, dass ich vielleicht am Freitag etwas Falsches esse und krank werde und dass ich deshalb am Samstag nicht arbeiten und das Geld bezahlen kann, dann würde ich mit Sicherheit auch die ganze darauffolgende Woche nicht arbeiten, aus Angst, dass sie mich in die Mangel nehmen.“

Für Mateo liegt das Problem ganz klar darin, dass in den Bussen Bargeld benutzt wird, und für ihn ist die Lösung ganz einfach: Sicherheit und ein Prepaid-System. Er wäre glücklich, wenn er die 15 Prozent an den Staat und nicht an die Banden zahlen müsste.

Übersetzung aus dem Spanischen: Beate Engelhardt

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