#fridaysforfuture

Position
In den letzten Tagen ist eine Hasswelle über Kinder, Schüler/innen und Student/innen hereingebrochen, die ihr Recht auf Meinungsäußerung wahrnehmen. Auch auf unseren Profilen wurde unzutreffend, beleidigend und entwürdigend kommentiert. Deshalb hier nochmal in aller Deutlichkeit: Wir stehen klar hinter einer Generation, die für ihre - und unsere - Zukunft eintritt und von ihren Grundrechten Gebrauch macht. Inhaltlich hier außerdem ein paar Lesetipps zu einigen Punkten der Diskussion.
Bild von Schüler/innen
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Schulstreik in Berlin

Klimawandel

Wer noch Informationen zum Klimawandel braucht: Bitte schaut in den IPCC-Bericht der Vereinten Nationen. Hier der Link zur Kurzfassung. Oder auf unsere Übersichtsseite „Klima“.

Wer den wissenschaftlichen Erkenntnissen unserer Zeit nicht vertraut, dem können wir leider keine weiteren Informationen an die Hand geben.

Schule schwänzen?

Auch Schüler/innen sind Menschen und haben somit jedes Recht von ihren Grundrechten Gebrauch zu machen. Sie können ihr Demonstrations- und Streikrecht zum Beispiel dazu nutzen, für ihre Zukunft auf die Straße zu gehen. Wir unterstützen gesellschaftspolitisches Engagement und die demokratische Willensbildung.

Und ja: Auch in der letzten Woche sind Zehntausende von ihnen auf die Straße gegangen – trotz Winterferien in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Kohle-Ausstieg

Der Kohle-Ausstieg ist machbar und dringend notwendig – und das sagen nicht nur wir. Alles andere wäre eine schlechte Nachricht für unser Klima. Der Stern-Report der britischen Regierung hat schon 2006 festgestellt, dass die Kosten zur Vermeidung von Klimaschäden geringer sind als die Kosten, die die Klimakrise verursachen wird: Ernteausfälle, Infrastrukturschäden, Krankheiten etc. Die jährlichen Kosten der Klimakrise würden laut dem Report im besten Fall bei fünf Prozent, im schlechtesten Fall bei zwanzig Prozent der globalen Wirtschaftsleistung liegen. 

Der Bundesverband der deutschen Industrie BDI stellt in seiner Studie "Klimapfade für Deutschland" 2018 sinngemäß fest, dass Deutschland bis 2050 zu 80%, bzw. unter bestimmten Bedingungen sogar 95% klimaneutral werden kann. Technisch und volkswirtschaftlich ist das möglich. Deutsche Unternehmen, die klimafreundliche Produkte und Dienstleistungen anbieten, können zu Gewinnern, Weltmarktführern werden. 

Arbeitsplätze: Was bei Kohle, Gas und Atom verloren geht, kann durch den konsequenten Ausbau der Erneuerbaren Energien und von Energieffizienz vielfach wettgemacht werden. Bis 2020 entstehen durch die Energiewende im Schnitt sogar jährlich 18.000 zusätzliche Arbeitsplätze, sagt das Deutsche Institut für Wirtschaft 2015 in seiner Studie „Die Beschäftigungseffekte der Energiewende“

Mehr Informationen zur Energiewende auf unseren Seiten: https://www.boell.de/de/themen/energiewende

Fliegen

Die eigenen Konsum- sowie auch Reiseentscheidungen zu hinterfragen ist immer gut, denn eine nachhaltige Lebensweise kann zu einer ökologisch und sozial nachhaltigeren Welt und Gesellschaft beitragen. Aber das wird bei Weitem nicht reichen! Gefordert ist vor allem die Politik. Sie muss dringend die notwendigen Entscheidungen für eine ökologisch und sozial nachhaltige Gesellschaft fällen, und gleiche Rahmenbedingungen für alle schaffen – auch in einer nachhaltigen Verkehrs- und Mobilitätspolitik, die aktiv emissionsarme und -freie Technologien und Systeme fördert. Genau das haben die Schülerinnen und Schüler richtig erkannt, und genau das fordern sie mit allem Recht der Welt ein. Und für diesen politischen Wandel setzen auch wir uns ein!

Klimawandelkritik durch den Vielflieger-Vorwurf zu diffamieren ist ein offensichtlicher Versuch, von den eigentlichen Herausforderungen und Argumenten abzulenken. Ergebnis ist, dass „Big Coal and Oil“ weiter Kasse machen kann und nicht in die Verkehrswende investiert wird. Wie beim Diesel, der ein Symbol für das bewusste Verzögern der Elektromobilität ist.

Alte Männer gegen junge Schülerinnen

In einem Land, wo freie Meinungsäußerung ein Grundrecht ist, können wir sachlich wenig zu dem Phänomen sagen, dass sich in den sozialen Medien vor allem ältere Männer auf junge Schülerinnen fokussieren – und das auf eine Art und Weise, die zum Teil deutlich über die Grenzen des Anstands hinausgeht. Hier geht es nicht mehr um den klassischen Konflikt zwischen Alt und Jung, sondern vielmehr den Versuch, junge Frauen mundtot zu machen.

"Das einzige, wovor Jugendliche geschützt werden müssen, sind die Erwachsenen."
- Heinrich Böll

Die Kommunikationsabteilung der Heinrich-Böll-Stiftung