„Es ist noch viel zu tun“

„Es ist noch viel zu tun“

Spurensuche

Stadt und Region Hannover haben das Ziel, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden. Swantje Kleint wirft einen persönlichen Blick auf die Entwicklungen und gibt Tipps, wie man seinen Alltag klimaneutral gestalten kann.

Wie alles begann...

Das Energieperlen-Poster der Heinrich-Böll-Stiftung hat mich sehr beeindruckt: dass es deutschlandweit bereits so viele und so unterschiedliche Ansätze gibt, um die Energiewende umzusetzen, war mir gar nicht bewusst. Und dass es sich bei den vorgestellten Projekten um eine Auswahl handelt, eben Perlen, hat meine Lust geweckt, in meiner direkten Umgebung auf Spurensuche zu gehen. Noch ermutigender war für mich, dass ich meine Auslese in dieser Form vorstellen und damit Anstoß geben kann, es mir gleich zu tun. Ich bin überzeugt: es lohnt sich!

Hannover im Jahr 2030 hat ein ausgeglichenes und gesundes Stadtklima, ist auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt, pflegt eine klimaangepasste Stadtentwicklung und ist immer noch eine der grünsten Großstädte Deutschlands.

Das sind nur einige der Ziele, die das Stadtentwicklungskonzept „Mein Hannover 2030“ der Landeshauptstadt formuliert.

Bis 2050 soll die Region laut des „Masterplans Stadt und Region Hannover – 100 Prozent für den Klimaschutz“ sogar vollständig klimaneutral sein.

Doch bis dahin ist noch viel zu tun. Um die oben genannten Ziele zu erreichen, muss jede*r ihren bzw. seinen Teil leisten. Deswegen stelle ich euch heute drei meiner persönlichen Perlen der Energiewende in Hannover und der Region vor. Ich zeige euch, wie ihr selber aktiv werden könnt, damit wir unserem Ziel näher kommen.

Erste Perle - ÖPNV

Bei meiner ersten Perle handelt es sich um etwas, was ihr bestimmt alle fast täglich nutzt: den ÖPNV. Wenn ihr mit Bus und Bahn unterwegs seid, schont das nicht nur euer Portmonee, sondern auch die Umwelt. Durchschnittlich reduziert sich die CO2-Emmision fast um die Hälfte, wenn wir das Auto stehen lassen und stattdessen Bus oder Bahn fahren.

Das Verkehrsunternehmen üstra hat es sich zum Ziel gemacht, diese Werte noch weiter zu senken.

 "Die Umstellung der üstra-Stadtbusflotte auf moderne umweltfreundliche Technologien ist ein wichtiger Baustein, um die Klimaschutzziele der Region Hannover zu erreichen ", so Ulf-Birger Franz, Verkehrsdezernent der Region Hannover.

Seit 2015 fahren schon 26 Hybridbusse auf den Buslinien 100 und 200. Seit 2016 testweise auch Elektrobusse. Diese laden sich am Stromnetz der Stadtbahnen auf.

Doch dabei wird es nicht bleiben. In den kommenden fünf Jahren sollen die sechs Buslinien in der Hannoveraner Innenstadt ausschließlich durch Elektrobusse bedient werden.

Dadurch steigt natürlich auch der Gesamtstrombedarf. Das heißt: Wir müssen nicht nur den momentanen Strombedarf durch CO2-neutralen Strom ersetzen, sondern auch den durch Elektromobilität gestiegenen Bedarf. Eine Option dafür ist die Nutzung von Windenergie, meiner zweiten persönlichen Perle.

Zweite Perle - Windenergie

Strom aus Wind zu gewinnen ist für die Energiewende eines der wichtigsten Standbeine. Bereits 2016 lag der Anteil der aus Windkraftanlagen gewonnenen Energie in Niedersachsen bei 25% - und er steigt weiter an!

Jedes Jahr sparen die Windenergieanlagen (WEA) in der Region Hannover 435.000 Tonnen CO2-Emissionen ein. Der Anteil an der gesamten Stromproduktion ist mit 10% allerdings ziemlich niedrig. Wir müssen ihn, um bis 2050 klimaneutral zu werden, deutlich erhöhen. Die „Energetische Amortisationszeit“ – die Zeit, die eine WEA braucht, um CO2-neutral zu sein, beträgt je nach Standort etwa drei bis sechs Monate.

WEA haben auch Auswirkungen auf die Bürger/innen, die im unmittelbaren Umfeld wohnen: das sind zum Beispiel Geräuschemissionen, optische Immissionen wie Schattenwürfe und Lichtreflexionen/Discoeffekt, oder Infraschall.

Allerdings liegt die Lautstärke bei einer 500 Meter entfernten Anlage zwischen einem Kühlschrankbrummen und einer lauten Unterhaltung, Schattenwürfe sind auf acht Stunden/Jahr und maximal 30 Minuten/Tag begrenzt und Lichtreflexe (Discoeffekt) stellen wegen der bei neuen Anlagen üblichen matten Lackierung kein Problem mehr da. Die gesundheitlichen Wirkungen des Infraschalls sind aufgrund der sehr niedrigen Schalldruckpegel in üblichen Entfernungen ausgeschlossen.

Wie jede Art von Energiegewinnung hat auch diese ihre Nachteile, aber es ist meiner Meinung nach die beste Option. Wichtig ist es, bei einem Thema wie diesem die betroffenen Bürger/innen einzubeziehen.

Dritte Perle - Beteiligung

Es ist wichtig Bürger/innen in diesen Prozess mit einzubeziehen, denn Transparenz und Beteiligung in allen Phasen des Projektes gibt uns die Möglichkeit, die Energiewende aktiv mitzugestalten. Zudem handelt es sich hierbei um etwas, was uns alle betrifft, vor allem wenn wir in der Region wohnen.

So vielfältig wie das Thema selbst ist, so unterschiedlich sind auch die Veranstaltungen. Bei vielen gibt es nicht nur theoretischen Input, sondern auch Raum und Zeit für Diskussionen, sodass jede/r seine Bedenken äußern und alle gemeinsam nach Lösungen suchen können. Falls ihr selber gerne an einer solchen Veranstaltung teilnehmen wollt, um euch über den Klimaschutz vor Ort zu informieren und aktiv mitzugestalten, findet ihr auf der Seite der Klimaschutzregion Hannover eine Reihe interessanter Möglichkeiten. Nutzt diese Chance, denn das Engagieren und Mitreden von Bürger/innen ist unerlässlich, um die großen Pläne der Energiewende in der Region erfolgreich zu realisieren.

Mein ganz persönliches Fazit der Spurensuche: Diese drei Beispiele sind „meine“ Energieperlen, doch auch im Kleinen und jenseits solcher großen Projekte kann man selbst tagtäglich einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten und damit aktiv etwas für den Klimaschutz tun, das ist mir in den vergangenen Monaten bewusst geworden. Zum Schluss möchte ich euch daher noch einige Tipps geben, um Energie (und auch bares Geld) zu sparen. Denn: Mitwirken und -gestalten ist in der Energiewende enorm wichtig. Die Energiewende beginnt in den eigenen vier Wänden. Durch effiziente und bewusste Nutzung von Energie für euren eigenen Bedarf könnt ihr viel Energie sparen und damit die Belastung des Klimas reduzieren.

LED statt Glühbirnen. Obwohl verboten, nutzt sie noch die Hälfte aller deutschen Haushalte. Dabei spart ihr mit LED- oder Energiesparlampen ca. 50 Kilogramm CO2 im Jahr ein.

Ausschalten statt Standby. Diese Einstellung ist für Stromverbrauch in Höhe von mindestens 22 Milliarden kWh pro Jahr verantwortlich. Das entspricht ungefähr 4 Millionen Euro. Ob im Büro oder Zuhause, schaltet eure Geräte aus und lasst sie nicht im Leerlauf.

Nutzt euren Wasserkocher! Auch in der Küche könnt ihr einiges einsparen. Zum Beispiel spart ihr rund 90 Kilogramm CO2 im Jahr, wenn ihr Wasser mit einem Wasserkocher erhitzt statt auf dem Elektro-Herd. Also: Nutzt beim nächsten Nudelkochen den Wasserkocher zum Erhitzen.

Effiziente Geräte. Bleiben wir doch gleich in der Küche. Fast ein Fünftel des Stromes Zuhause nutzen wir zum Kühlen und Gefrieren von Lebensmitteln. Es lohnt sich daher auch hier genauer hinzusehen. Wechselt ihr zum Beispiel euren alten Kühlschrank der Energieeffizienzklasse B gegen einen der Klasse A+++, so spart ihr im Jahr ungefähr 160 Kilogramm CO2. Das gilt übrigens nicht nur für Kühlschränke. Beim Kauf aller Elektrogeräte gilt es, auf die Energieeffizienzklasse zu achten. Effiziente Geräte sind zwar kurzfristig teurer, aber auf Dauer spart ihr dadurch Strom und auch bares Geld.

Fleischarme und umweltbewusste Ernährung. Die Tierindustrie ist für einen Großteil der ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich, so das Umweltbundesamt. Stellt schon ein einziger Mensch seine Ernährung um, so spart dies etwa 400 Kilogramm CO2 pro Jahr ein. Wenn ihr darauf achtet, wo und wie eure Lebensmittel produziert werden, leistet ihr einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Wie ihr seht, gibt es viele Möglichkeiten, im Alltag selbst Klimaschutz zu praktizieren. Lasst euch anregen und werdet Klimaschützer*in. Damit könnt ihr nicht nur eure Ausgaben reduzieren, sondern rettet „nebenbei“ noch unseren Planten.

Weitere spannende Artikel und Beiträge zum Thema Energiewende findet ihr beim Online-Magazin klimareporter°. Lass euch anregen und macht mit: Klima schützen ist nicht nur notwendig, sondern auch einfacher als man zuerst vielleicht denkt!

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