Moore weltweit: Moore gibt es überall

Atlas

Moore existieren in den Bergen, im Flachland, an Flüssen und der Küste. Ihre Vegetation und Beschaffenheit unterscheidet sich je nach Klimazone, aber eines haben alle Moortypen gemeinsam: Ihr Fortbestand ist gefährdet.

Infografik Mooratlas: Weltweite Verteilung von Mooren
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Moore sind Multitalente: Sie schützen Artenvielfalt und Klima und helfen bei Hochwasser und Dürre. Allerdings nur im intakten oder naturnahen Zustand

Seit dem 17. Jahrhundert werden Moore systematisch entwässert – für Torf­abbau und Siedlungen, Forst- und Landwirtschaft. Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat die Industrialisierung der Landwirtschaft großflächige Entwässerung vor allem in der gemäßigten Klimazone der Nordhalb­kugel noch einmal stark beschleunigt. In einigen Industriestaaten sind deshalb nur noch wenige natürliche Moore erhalten. Auf globaler Ebene wird die entwässerte Moorfläche derzeit auf mehr als 50 Millionen Hektar geschätzt, Tendenz steigend.

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Der Mooratlas 2023

Der Mooratlas beleuchtet in 19 Kapiteln die Folgen der Zerstörung dieser einzigartigen Lebensräume und zeigt die Chancen nasser Moore und ihrer Nutzung für die Gesellschaft auf, um alle Akteur*innen zum Handeln zu ermutigen – „Moor muss nass“!

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Verlässliche Zahlen gibt es jedoch nicht. Erst mit zunehmender Kartierung wird sich das wirkliche Ausmaß der Moorentwässerung und die damit verbundene Klimawirkung in vielen Ländern des Globalen Südens zeigen. Man weiß: Weltweit befinden sich Moore oft in Klimazonen, in denen meist sehr hohe Niederschläge auftreten oder sehr kalte Temperaturen herrschen – oder beides gleichzeitig. Konkret ist das der Fall rund um den Äquator sowie in den subarktischen, borealen und ozeanisch-gemäßigten Zonen der Nord- und Südhalbkugel. Durch die dortigen klimatischen Bedingungen wird Biomasse nur sehr langsam abgebaut, was Moorbildung begünstigt hat.

Im Vergleich weniger verbreitet sind Moore in subtropischen Regionen, was sich auf den dortigen Mangel an Feuchtigkeit zurückführen lässt. Doch auch dort ist unter bestimmten Bedingungen Moorbildung möglich – einige Regionen erhalten dazu ausreichend Wasser über große Flüsse aus niederschlagsreicheren Gebieten wie Gebirgen. Ein Ergebnis davon sind Moorlandschaften im Tiefland und im Delta großer Flüsse wie dem Brahmaputra in Bangladesch, dem Rio Paraná in Argentinien und dem Sambesi in Sambia. Die Fläche aller Moore auf der ganzen Welt wird auf 500 Millionen Hektar geschätzt. Diese Zahl stellt jedoch nur einen Näherungswert dar: Viele große Gebiete sind ungenau kartiert und ungezählte kleinere Moore bislang unbekannt.

Mooratlas Infografik: Moorzerstörung auf der Malaiischen Halbinsel, auf Borneo und Sumatra
Inseln und Halbinseln in Südostasien sind reich an tropischen Moorregenwäldern. Doch große Konzerne bedrängen die einzigartigen Ökosysteme

Moore treten weltweit entlang von Küsten auf, in Salzwiesen und Salzröhrichten und in den Tropen oft in Mangroven – so nennt man die Wälder in den Küstenbereichen, wo sich Meerwasser mit Süßwasser mischt. Begünstigt wird die Moorbildung durch Meeresströmungen und die damit verbundenen feuchten Luftmassen, wie sich zum Beispiel entlang der Westküste Europas und in der Karibik beobachten lässt. An Land kann ein flaches Gelände den natürlichen Wasserabfluss aus einer Landschaft verringern, was zur Entstehung einiger der größten Moore in Westsibirien, Südostasien, im Kongobecken und im westlichen Amazonasgebiet geführt hat. Und schließlich können Moore überall in Gebieten vorkommen, wo das lokale Klima und das Gelände einen dauerhaft stabilen und hohen Wasserstand im Boden ermöglichen.

Diese Unterschiede im Klima, in der Wasserversorgung, Wasserqualität und der sich dadurch ausbildenden Vegetation sorgen für vielfältige Moortypen. Im Wesentlichen haben sie vor allem ein Merkmal gemeinsam: das Vorhandensein einer Torfschicht.

Mooratlas Infografik: Anteil an der weltweiten Moorfläche, nach Kontinent in Prozent
In 90 Prozent aller Staaten finden sich Moore. Viele von ihnen liegen in den dünn besiedelten Weiten Kanadas, Alaskas und Sibiriens

In kalten subarktischen und borealen feucht-kühlen ozeanischen Regionen entstehen Torfe hauptsächlich aus Moosresten. Besonders in Sibirien und den Weiten Kanadas und Alaskas finden sich endlos erscheinende, eher baumfreie und von Moosen dominierte Moorlandschaften. In den gemäßigt kontinentalen und subtropischen Teilen der Welt übernehmen vor allem grasartige Pflanzen wie Schilf, Seggen und Binsen die Torfbildung und dominieren in der Moorvegetation. Hierbei sammelt sich der Torf in den ersten Dezimetern unter der Oberfläche an, indem unterirdische Sprossteile und Wurzeln dieser Pflanzen in ältere Torfsubstanz hineinwachsen und dort absterben. Diese Moore liegen als unterschiedlich große Graslandschaften mit Rieden und Röhrichten entlang von Flüssen, in verlandenden Seen oder in unterschiedlich großen Geländesenken. In den tropischen Tiefländern wird der Torf oft durch tiefe Wurzeln hoher Bäume gebildet. Riesige bewaldete Moorlandschaften bilden diese tropischen Moore im Kongobecken, in Indonesien und Peru.

Seit etwa 20 Jahren werden zunehmend auch die Moorwälder der tropischen Regionen entwaldet, entwässert und für Wertholzgewinnung und intensive landwirtschaftliche Produktion genutzt. Viele Jahre lagen die Hotspots dieser Entwicklung in Südostasien, besonders in Indonesien. Infrastrukturentwicklung und Rodung erfassen derzeit auch immer stärker die großen Moorwälder im Kongobecken und im Amazonas. Eine weitere Bedrohung für die großen Feuchtgebiete und Moore in den subtropischen Regionen Afrikas und Südamerikas: die Klimakrise und die dadurch immer dramatischeren Dürreperioden.