Farbige Skizzen an den Wänden, eine Remington-Schreibmaschine auf dem Tisch: Heinrich Böll hat unzählige Stunden in seinem Arbeitszimmer verbracht. Die wohl größte Hilfe in seinem Schaffensprozess war aber eine andere: Ehefrau Annemarie Böll.
Heinrich Böll nutzte für seine Arbeit eine mechanische Schreibmaschine, und das laute Klappern der Tasten und der Rhythmus gehörten für ihn schon zum produktiven Vorgang. Die ersten Schreibmaschinenseiten entstanden oft ohne Verwendung von Satzzeichen oder Beachtung von Groß- und Kleinschreibung. Diese Seiten wurden dann handschriftlich überarbeitet und strukturiert. In der darauffolgenden Version tippte Heinrich Böll jede Seite mit den Überarbeitungen neu in die Schreibmaschine. Auf diese Weise entstanden mehrere Textfassungen.
Die "Werkbank", auf der das Nobelpreis-Material geschaffen wurde
Für Romanprojekte, die sich über einen längeren Zeitraum hinzogen, nutzte er zur Vergewisserung des Erarbeiteten großflächige farbige Skizzen, die er in seinem Arbeitszimmer an die Wand heftete. Sie dienten nicht nur der Kontrolle, um sich über das Romangeschehen, die Figuren und ihre Beziehungen Klarheit zu verschaffen, sondern auch als Kompositionshilfe. In seiner Nobelvorlesung hat Heinrich Böll seine «Werkbank» beschrieben: «Der Tisch, an dem ich dies schreibe, ist 76,5 cm hoch, seine Platte 69,5 mal 111 cm groß. (…) Schweigen wir von den Gegenständen, die auf dem Tisch liegen, sie sind nebensächlich und austauschbar, auch zufällig, ausgenommen vielleicht die Schreibmaschine Marke Remington. Ausführung Travel Writer de Luxe, Baujahr 1957, an der ich ebenfalls hänge, an diesem meinem Produktionsmittel, das fürs Finanzamt längst uninteressant geworden ist.»
Ehefrau Annemarie Böll übersetzte knapp 200 Bücher der Weltliteratur
In diesem Zusammenhang darf Annemarie Böll nicht unerwähnt bleiben. Geheiratet haben sie 1942 und in den ersten Nachkriegsjahren, als Böll noch ein unbekannter Autor war, ernährte sie als Lehrerin die Familie. Sie unterstützte ihren Mann in der anfänglichen schwierigen Phase nicht nur als erste kritische Leserin, sondern bestärkte ihn bei all seinen schriftstellerischen Schritten. Als Anglistin schuf sie ein großes Übersetzungswerk von annähernd zweihundert Werken der Weltliteratur, vornehmlich aus dem englischen Sprachraum. Heinrich Böll spielte bei dieser Übersetzungsarbeit nachweislich die kleinere Rolle.