Ein Eindruck von unserem Besuch in Buchenwald

Bericht

Der Besuch in Buchenwald verändert den Blick auf Gewalt und Erinnerung. Dinge wie eine Brille oder ein Stück Stoff zeigen, was Worte kaum sagen können – und erzählen vom Widerstand im dunkelsten Moment.

Brille und Kette mit Anhänger liegen in einer Vitrine; darunter ein Porträtfoto und Infotext zu Bruno Apitz, politischer Häftling.

Nach unserem Besuch in Buchenwald ließ mich die Erinnerung an die Toten nicht los. Gewalt und Schrecken in der Gegenwart zu erleben, in einer Zeit, in der man dagegen handeln könnte, ist erschütternd. Doch einen Ort zu betreten, an dem diese Gewalt vor achtzig Jahren geschah, geht darüber hinaus - es geht über das Trauern hinaus und führt in die Melancholie. Wenn man versucht, Wege der Rettung für die Leidtragenden zu finden, ist es immer zu spät. Deshalb erinnerte mich der Besuch an das Theater des Todes, die letzte Phase in Tadeusz Kantors Werk. In seinem Manifest beschreibt Kantor die Macht der Objekte: Sie sind nicht bloß Requisiten, sondern Träger von Erinnerung, Geschichte und Tod.

Besonders berührten mich die Gegenstände der Häftlinge –wie Schuhe, Kleidung, Brillen. Im Theater des Todes erscheinen diese Objekte oft alt, zerbrochen oder verlassen – wie aus einer anderen Welt. Sie erinnern an das Vergangene und machen das Unsichtbare sichtbar. Kantor wollte das Theater zu einem Ort machen, an dem die Grenze zwischen Leben und Tod aufgehoben wird. So werden die Dinge zu Brücken zwischen den Lebenden und den Toten.

Diese Objekte rufen die Toten herbei – stärker als jede Erzählung. Die Leere und die Dinge selbst haben mich mehr als alles andere spüren lassen, die Abwesenheit der Menschen und das Leid sie ertragen mussten.

Ich wurde auch an den Film Nacht und Nebel erinnert. Wenn wir über dieses weite Stück Land gehen, während die Sonne scheint, schreiten wir durch leere Räume, durch Orte, die einst von Menschen erfüllt waren - von ihrem Dasein, von ihrem Leiden. Der Film beginnt mit den Überresten von Auschwitz, und während wir heute durch diese Leere gehen, fühlen wir uns mehr denn je heimgesucht.
Ein Objekt blieb mir mehr als alles andere im Gedächtnis: eine Brille und eine Halskette einer der Häftlinge, als Teil der Requisiten für die Aufführung eines Theaterstücks. Daran erinnert zu werden, dass Widerstand existiert - selbst im absoluten Grauen.


Autorin:  Mahdieh Farjoo studiert Mediale Künste an der Kunsthochschule für Medien in Köln
 

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