Pressemitteilung

Neue Studie: Rasant steigende Finanzierung für solares Geoengineering gibt Anlass zur Sorge


Die Finanzierung für Technologien des solaren Geoengineerings ist in wenigen Jahren massiv gestiegen. Das zeigt die aktuelle, von der Heinrich Böll Stiftung in Auftrag gegebene Studie „Who Funds and Who Pays: The funding of solar geoengineering, 2020-2025“ von Jared Sanborn und J. P. Sapinski. Zwischen 2020 und 2025 haben sich die Mittel für diese Hochrisiko Technologien mehr als verzehnfacht. Während 2020 weniger als 6 Millionen US-Dollar in entsprechende Forschung flossen, waren es 2025 bereits mehr als 60 Millionen US-Dollar. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum mindestens 128 Millionen US-Dollar für solares Geoengineering ausgegeben. Da für viele Projekte keine Fördersummen öffentlich sind, gehen die Autor*innen der Studie davon aus, dass die tatsächlichen Ausgaben drei bis viermal so hoch sein könnten. Besonders in den vergangenen beiden Jahren floss so viel privatwirtschaftliches Geld wie nie zuvor in die Erforschung sogenannter Solar Radiation Modification-Technologien.

Ein großer Teil der Finanzierung stammt von privaten Geldgebern mit engen Verbindungen zum Tech-Sektor. Gleichzeitig ist die Forschungslandschaft stark im Globalen Norden konzentriert. Über 80 Prozent der Organisationen, die Forschung zu solarem Geoengineering finanzieren, stammen aus den USA oder dem Vereinigten Königreich. Mehr als 96 Prozent der bekannten Fördergelder gehen an Organisationen in den USA oder Europa. Fast zwei Drittel der Empfängerorganisationen haben ihren Sitz ebenfalls in diesen Regionen.

Linda Schneider, Referentin für Internationale Klima- und Energiepolitik bei der Heinrich-Böll-Stiftung, kommentierte die heute vorgelegte wissenschaftliche Stellungnahme wie folgt: 

„Es ist alarmierend, wie schnell und in welchem Umfang Geld in die Erforschung von solarem Geoengineering fließt. Besonders problematisch ist, dass vor allem private Investoren aus dem Tech-Sektor diese Forschungsagenda vorantreiben. Dabei geht es um Hochrisikotechnologien mit potenziell katastrophalen globalen Auswirkungen. Sie greifen gezielt in das Klimasystem der Erde ein, doch ihre Folgen für Wettermuster, Ökosysteme und Gesellschaften sind kaum absehbar. 

Gleichzeitig ist völlig unklar, wer über ihren Einsatz entscheiden würde und in wessen Interesse. Angesichts der geopolitischen Realität ist ein international abgestimmter Einsatz äußerst unwahrscheinlich. Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass einzelne Regierungen versuchen könnten, solche Technologien auf Kosten anderer einzusetzen und damit ein ohnehin chaotisches Klima weiter zu destabilisieren. Deshalb brauchen wir jetzt klare internationale Regeln, die die weitere Entwicklung und einen möglichen Einsatz dieser Technologien ausschließen.“ 

Vor diesem Hintergrund fordern Wissenschaftler*innen und zivilgesellschaftliche Organisationen internationale Regeln für den Umgang mit diesen Technologien. Eine zentrale Initiative ist das Solar Geoengineering Non Use Agreement, das ein internationales Abkommen zur Nichtnutzung solcher Technologien vorschlägt. Auch afrikanische Umweltminister*innen haben sich bereits für diesen Ansatz ausgesprochen.


Pressekontakt
Heinrich-Böll-Stiftung
Svenja Borgschulte
Presse und Kommunikation
E svenja.borgschulte@boell.de
T +49 (0)30 285 34-022

Zum Warenkorb hinzugefügt: