Dossier: Berg-Karabach - ein schwelender Konflikt

Berg-Karabach: Ein schwelender Konflikt

Foto: Paul Toetzke. All rights reserved.

Ein vergessener Konflikt: Vor 21 Jahren endete der Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach. Doch Frieden herrscht nicht. Bis heute sind Tausende von Soldaten und Scharfschützen entlang der Waffenstillstandslinie in der südkaukasischen Region Berg-Karabach stationiert. Seit Ende des Krieges 1994 kommt es dort noch immer zu einer hohen Anzahl von Todesfällen. Zwar verhandelt die sogenannte Minsk-Gruppe der OSZE seit Jahren zwischen den Konfliktparteien, um einen stabilen Frieden zu erzielen. Jedoch ist keine der Parteien zu Kompromissen bereit: Während die armenische Seite sich weigert, die aserbaidschanischen Provinzen, die sie als Sicherheitspuffer bezeichnet, zurückzugeben, droht die aserbaidschanische immer wieder damit, Berg-Karabach und die umliegenden Gebiete militärisch zurück zu erobern.

Im Frühsommer 2015 reiste eine Gruppe Studierender der Freien Universität Berlin nach Armenien, Georgien, Aserbaidschan und Berg-Karabach. Vor Ort und in Deutschland führten sie Interviews mit Politikwissenschaftler/innen, Flüchtlingen, Politiker/innen, Jugendlichen und zivilgesellschaftlichen Akteur/innen.

Überblick

Bergkarabach: Alles andere als ein „ruhender Konflikt"

Schon auf die Krise in der Ukraine hat die EU keine effektive Antwort gehabt. Der erneut aufgeflammte Konflikt im Südkaukasus um Bergkarabach zwischen Aserbaidschan und Armenien zeigt, dass noch weitere regionale Konfliktherde die Aufmerksamkeit Europas fordern.

Von Nino Lejava

Eindrücke

Zwei Generationen im Konflikt

Es ist schwierig geworden für Aktivist/innen in Baku: Viele NGO-Konten sind gesperrt‚ kritische Stimmen verhaftet. Ali Abasov und sein Sohn Faraj streiten trotzdem für die Versöhnung mit Armenien - jeder auf seine Art.

Von Lina Verschwele, Lisa Westphal

Agdam - die Narben eines vergessenen Krieges

Wenige Kilometer hinter der Hauptstadt der nicht anerkannten Republik Berg-Karabach zeigen sich die Narben des Krieges. Ein Besuch in der verbotenen Zone, in der von Frieden immer noch keine Rede sein kann.

Von Paul Toetzke

Hintergrund

Schon vor dem Zerfall der Sowjetunion begann es im Kaukasus zu brodeln: 1988 demonstrierten Armenier in Yerevan und Berg-Karabach für dessen Angliederung an die armenische Sowjetrepublik. Berg-Karabach war bereits damals überwiegend von Armeniern bewohnt, gehörte als Autonomes Gebiet jedoch zur Sowjetrepublik Aserbaidschan. Im Verlauf der Demonstrationen kam es zu schweren interethnischen Spannungen. Diplomatische Initiativen, den Konflikt zu lösen, scheiterten im Anschluss.

Seine endgültige Eskalation erfuhr der Konflikt 1991. Nachdem sich Armenien und Aserbaidschan von der Sowjetunion gelöst hatten, erklärte Berg-Karabach seinerseits die Unabhängigkeit von Aserbaidschan. Daraufhin entbrannte der Krieg: Im Zuge verschiedener Gefechte brachten armenische Kräfte Berg-Karabach und auch sieben umliegende aserbaidschanische Provinzen ganz oder teilweise unter ihre Kontrolle. Erst 1994 konnte ein Waffenstillstand den Krieg beenden. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Kampfhandlungen bereits 30.000 Menschen das Leben gekostet und über eine Million zur Flucht gezwungen.

Interviews

"Ein neuer Krieg wäre von völlig anderer Dimension"

Seit Jahrzehnten kämpfen Armenier und Aserbaidschaner um Berg-Karabach – in diesem Jahr spitzt sich die Lage weiter zu. Der Osteuropawissenschaftler Uwe Halbach über Ursachen und Perspektiven des Konfliktes.

Von David Ruge, Lina Verschwele

Miteinander reden statt übereinander

Viele Jugendliche wachsen in Armenien oder Aserbaidschan auf, ohne je Menschen der "anderen Seite" zu treffen. Was denkt die junge Generation über den Konflikt - heute, 21 Jahre nach dem formalen Ende des Kriegs?

Von Lisa Westphal

"Die Lage eskaliert immens"

Nino Lejava beobachtet, wie sich die Fronten verhärten beim Thema Berg-Karabach. Im Interview erklärt die Leiterin des Regionalbüros der Heinrich-Böll-Stiftung in Tbilisi die Rolle von Stiftungen und NGOs im Konflikt.

Von Nino Lejava, Elena Ammel, Paul Toetzke, Lina Verschwele

Georgisch-Deutsches Freundschaftsjahr 2017

Female Gazes from Georgia – Contemporary Documentaries

Einführung

Die Arbeit der Heinrich-Böll-Stiftung in Europa

Seit dem Ende des Ost-West-Konflikts 1990 hat sich die Gestalt Europas stark verändert. Aus der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, die 1957 von sechs Mitgliedstaaten gegründet wurde, ist die Europäische Union mit gegenwärtig 28 Mitgliedern geworden.

Kontakt

Veranstaltungen

22. Nov.
Perspektiven für eine ökologische Modernisierung der russischen Volkswirtschaft
Berlin
1. Dez.
Verleihung an Étienne Balibar
Bremen
5. Dez.
Konflikte und Sowjetisches Erbe in Transnistrien und der Ostukraine
Berlin
14. Dez.
Film und anschließend Gespräch mit Günseli Dum, Protagonistin des Films und Can Candan, Regisseur
Berlin

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