Gute Geschäfte mit dem Handy

Gute Geschäfte mit dem Handy

Gute Geschäfte mit dem Handy

Dank M-Pesa dient das Handy in Kenia als bargeldloses Zahlungsmittel und ermöglicht den Zugang zu Kleinkrediten und Sparkonten. Foto: Cornelia Carpenter, University of Denver/Flickr; Lizenz: CC-BY-NC-SA

19. Dezember 2012
In Kenia leben die meisten Menschen auf dem Land, 74 Prozent von ihnen verdienen ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft, andere Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es kaum. Obwohl die Kleinbauern 80 Prozent der kenianischen Agrarproduktion erbringen, leben 52 Prozent von ihnen unter der Armutsgrenze. Nur wenige haben einen Zugang zu Finanzdienstleistungen und Mikrokrediten. Banken gibt es meist nur in Städten, ganz abgesehen davon können viele die formalen Anforderungen für ein Konto nicht erfüllen.

Allerdings haben viele von ihnen inzwischen ein Mobiltelefon, und damit hat sich auch im öffentlichen Finanzsystem einiges verändert. Mit dem Anschluss eines Großteils der Dörfer an das Mobilfunknetz hat sich das Handy in den vergangenen Jahren nicht nur als Kommunikationsmittel etabliert, sondern auch zum bargeldlosen  Zahlungsmittel weiterentwickelt.

Wie das Handy den Zugang zum Finanzsystem ermöglicht

Im Jahr 2007 wurde durch eine gemeinsame Initiative des Telefonanbieters Safaricom und der kenianischen Equitybank das System M-Pesa (Pesa bedeutet «Geld» auf Suaheli) entwickelt. Es ermöglicht den Menschen, Geld zu überweisen, ohne ein eigenes Konto zu besitzen. Das System ist denkbar einfach: Sie zahlen einen  bestimmten Betrag bei einem der zugelassenen Händler ein und schaffen sich so ein Guthaben. Wenn sie etwas bezahlen wollen, geben sie dem Händler die Handynummer des Empfängers an, der dann per SMS informiert und aufgefordert wird, die Summe bei ihm abzuholen. Landesweit gibt es inzwischen zirka 28000 dieser Händler, die zum Teil bei Supermärkten oder in abgelegenen Gegenden in einer kleinen Bretterbude angesiedelt sind. Für ihre Dienste nehmen eine kleine, erschwingliche Gebühr.

Selbst Überweisungen von kleinsten Beträgen werden so rentabel und ermöglichen auch armen  Bevölkerungsschichten den Zugang zum nationalen Finanzsystem. Inzwischen nutzen etwa 14 Millionen Kenianerinnen und Kenianer M-Pesa, das ist mehr als ein Drittel der Einwohner Kenias. Manche Analysten gehen davon aus, dass diese legalen Geldströme in ländlichen Regionen zu 30 Prozent höheren Einkommen geführt haben.

Weil M-Pesa so erfolgreich war, wurde das System vor zwei Jahren weiterentwickelt. Mit M-Kesho (Suaheli für «Geld für die Zukunft») können die Kenianerinnen und Kenianer nun auch verzinste Sparkonten anlegen, und später auch kleine Kredite bekommen.

Das alles ist ein großer Erfolg. Doch allein der Zugang zum Finanzsystem mit Krediten und anderen Finanzdienstleistungen wie zum Beispiel Versicherungen stellt noch nicht sicher, dass das Geld sinnvoll investiert werden kann und nicht neue Abhängigkeiten schafft. So braucht es zum Beispiel Infrastruktur, damit die Kleinbäuerinnen und -bauern ihre Ernte auch in entferntere Städte transportieren oder sie fachgerecht lagern können. Auch brauchen sie Unterstützung bei der Frage, wie sie ihre Landwirtschaft an die Folgen des Klimawandels anpassen und welche ökologisch nachhaltigen Anbaumethoden langfristig höhere Erträge sicherstellen als die übermäßige Nutzung von Düngemitteln. Erst dann wird es möglich sein, die Kleinbäuerinnen und -bauern dauerhaft aus der Armutsfalle zu befreien.


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Ute Straub ist Referentin für Internationale Agrarpolitik bei der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin.

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Böll.Thema 3/2012: Grenzenlos vernetzt

Dieser Artikel ist Teil von Böll.Thema 3/2012 "Grenzenlos vernetzt - Chancen und Risiken für die Demokratie". Wie bereits im Heft 2/2012 geht es um digitale Demokratie, diesmal erweitert um die internationale Perspektive. Einige Beiträge gehen der Frage nach, inwiefern das Netz zur Demokratisierung und Teilhabe beitragen kann. Mit Beiträgen u.a. von Evgeny Morozov, Kirsten Fiedler, Markus Beckedahl, Katrin Zinoun, Markus Reuter, Anne Roth, Falk Lüke, Ute Straub, Jeppe Rasmussen, Malte Spitz, Marisa Elisa Schlacher und Robin Geiß.

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