Fragen und Antworten zu Open-Source-Saatgut

Wie funktioniert die Open Source Saatgutlizenz?

Es gibt drei einfache Regeln bei Open Source Saatgut:

  • Regel 1: Jeder darf das Saatgut frei nutzen, es vermehren, weiterentwickeln, züchterisch bearbeiten und es im Rahmen bestehender Gesetze weitergeben.
  • Regel 2: Niemand darf das Saatgut und seine Weiterentwicklungen mit geistigen Eigentumsrechten wie Patenten belegen.
  • Regel 3: Jeder Empfänger überträgt zukünftigen Nutzern des Saatguts und seinen Weiterentwicklungen die gleichen Rechte und Pflichten.

Einzelheiten zur Open Source Seeds Lizenz finden Sie auf den Seiten von Open Source Seeds.

Wie kann die Züchtung von Saatgut ohne Lizenzgebühren finanziert werden?

OpenSourceSeeds schreibt dazu: Historisch betrachtet wurde der größte Teil landwirtschaftlichen Saatguts ohne Zwangsabgaben entwickelt. In vielen Entwicklungsländern folgt die Pflanzenzüchtung bis heute diesem Geschäftsmodell kaum, und auch in Industrieländern gibt es Züchtungsprogramme privater Unternehmen, deren Finanzierung ohne geistige Eigentumsrechte auskommt.

Ein anderer Aspekt ist noch wichtiger. Gemeinnützige Sorten sind mehr als nur ein landwirtschaftliches Produktionsmittel. Sie erbringen darüber hinaus viele gesamtgesellschaftliche Leistungen, Leistungen die der private Saatgutsektor mit seinem Geschäftsmodell immer weniger liefern kann. Stichworte in diesem Zusammenhang sind: Erhaltung der Biodiversität, Pflege von Kulturlandschaften und ihren Ökosystemleistungen, Anpassung an den Klimawandel.

So ist es nur folgerichtig, dass die Gesellschaft als Ganzes für die Kosten aufkommt, indem nicht nur die unmittelbaren Nutzer/innen – Landwirt/innen und Gärtner/innen - in die Pflicht genommen werden, sondern auch Verarbeiter/innen, Händler/innen und Verbraucher/innen, also letztlich die gesamte Wertschöpfungskette sich an den Kosten beteiligt. Darüber hinaus muss auch der Staat seinen Beitrag leisten. Pflanzenzüchtung zur Schaffung von Gemeingütern ist dann eine gemeinnützige Aktivität und von Saatgut-Erzeugung, die einen eindeutig wirtschaftlichen Charakter hat, klar zu unterscheiden.

Die ökologischen Getreide- und Gemüsezüchter/innen in Europa gehen mehrheitlich diesen Weg. Sie finanzieren sich über „Sortenentwicklungsbeiträge“ die mit den Saatguterzeuger/innen und Landwirt/innen ausgehandelt werden, über einen „Züchtungs-Cent“ bei Handel und Verarbeitung, sowie über staatliche Zuschüsse und Stiftungsgelder. Die so generierten Gelder für Pflanzenzüchtung sind bisher zwar noch gering, aber sie steigen von Jahr zu Jahr. Lesen Sie mehr dazu im Diskussionspapier: „Wer zahlt für das Saatgut?" von Johannes Kotschi und Johannes Wirtz.

Was ist ein Gemeingut oder Commons?

Gemeingüter? Was ist das? - Heinrich-Böll-Stiftung

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Immer mehr Menschen bringen den Begriff der Commons auf der Suche nach Alternativen zu unserem Wirtschaftsmodell in die gesellschaftliche Diskussion und in die politische Auseinandersetzung ein. Eine "Ökonomie des Gemeinsamen", in der das Gedeihen der geteilten Ressource im Vordergrund steht und gemeinsam in einem Prozess des Commoning bewirtschaftet wird, erscheint greifbar.

Stöbern Sie weiter auf unseren Seiten zu Commons.

Warum ist freies Saatgut mit Open Source Lizenz so wichtig?

Armut

Wenn Bauern und Bäuerinnen aufgrund von Patenten nicht die Chance haben Saatgut selbst nachzuziehen oder untereinander zu tauschen müssen sie es jedes Jahr wieder vor der Aussaat von den Konzernen für teures Geld kaufen. Für viele der mehr als 500 Millionen Kleinbauern und Bäuerinnen weltweit bedeutet das eine enorme finanzielle Belastung und nicht selten ein Abrutschen in eine Schuldenspirale.

Vielfalt auf dem Acker

Aufgrund des Klimawandels kommt es vermehrt zu Wetterextremen. Nur an die regional unterschiedlichen klimatischen Bedingungen angepasstes Saatgut verbessert die Fähigkeit von Bauern und Bäuerinnen weltweit sich an den Klimawandel anzupassen. Innovationen und Züchtungen müssen also in dezentralen Strukturen passieren und nicht von einigen wenigen Konzernen gesteuert werden.

Wie ist die Situation am Saatgutmarkt?

Saatgut ist die Grundlage unserer Ernährung. Über Generationen hinweg haben Bäuerinnen und Bauern es selbst vermehrt, getauscht und so eine an Klima und Böden angepasste Vielfalt geschaffen.

Heute ist der Saatgutmarkt stark konzentriert. Unternehmen patentieren Sorten und vergeben Nutzungslizenzen. Drei Konzerne kontrollieren rund 56 Prozent des globalen Marktes. Im Bereich gentechnisch veränderter Pflanzen halten Bayer und Corteva zusammen etwa 80 Prozent der Patente und prägen damit sowohl den Saatgut- als auch den Pestizidmarkt. Sie beeinflussen, welche Sorten entwickelt und zu welchen Preisen sie angeboten werden – Entscheidungen, die sich in erster Linie an wirtschaftlichen Interessen orientieren.

Dabei war Saatgut über Jahrtausende ein Gemeingut. In vielen Regionen wird es bis heute geteilt statt verkauft. An diese Tradition knüpft die Open-Source-Saatgut-Lizenz an.

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