Einführung: Hochinklusiv!

Einführung: Hochinklusiv!

Unsere Gesellschaft steht unter Druck. Lebenswirklichkeiten, soziale Chancen und Zukunftsaussichten driften auseinander.

Eine Antwort auf die realen Ungerechtigkeiten und Unsicherheiten ist Inklusion. Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch als Individuum so akzeptiert wird, wie er ist, und es jedem Menschen in vollem Umfang möglich ist, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Inklusive Politik knüpft an die grundlegenden Versprechen der Demokratie an: politische Teilhabe und soziale Gerechtigkeit. Um sie einzulösen, müssen strukturelle Barrieren abgebaut und der Zusammenhalt einer vielfältigen Gesellschaft gestärkt werden.

Bedeutung von Inklusion für Gesellschaft und Politik

Integration bedeutet in der öffentlichen Debatte das Einbeziehen von Migrantinnen und Migranten in die neue Gesellschaft. Inklusion bezeichnet die Teilhabe behinderter Menschen am Leben in der Gemeinschaft. Beide Begriffe stehen jedoch für eine limitierte politische Praxis, denn sie beziehen sich jeweils auf eine Minderheit. Sie setzen voraus, dass es eine Mehrheitsgesellschaft gibt und abgegrenzt davon Minderheiten und randständige Gruppen. Wir erweitern den Inklusionsbegriff, denn in modernen, vielfältigen Gesellschaften geht es vor allem um Strukturen und Institutionen.

Inklusive Politik will öffentliche Institutionen stärken und gesellschaftliche Orte schaffen, die frei sind von Barrieren, Vorurteilen und Ausschlussmechanismen. Sie will Teilhabe für alle ermöglichen.

Wir fragen, wie Strukturen und Institutionen in unterschiedlichen Kontexten beschaffen sein müssen, damit Zusammenhalt in einer individualisierten und freien demokratischen Gesellschaft gelingt, die das Gemeinwohl im Blick hat.

Eine konsequente inklusive Politik stärkt Menschen in ihren sozialen, politischen und kulturellen Kompetenzen und unterstützt sie in ihrem Bestreben, ein emanzipiertes und erfolgreiches Leben zu führen.

Wir wollen Alternativen für erlebte, erzwungene oder auch freiwillig eingegangene Spaltungen der gesellschaftlichen Lebenswirklichkeiten aufzeigen.

Eine inklusive Politik kann nicht beim Bildungsbereich stehen bleiben, sondern ist in allen Lebensbereichen wie Arbeit, Leben in der Stadt und auf dem Land, Kultur, Freizeit und Gesundheit zu verwirklichen.

Wir wollen mit dem Projekt Auswege formulieren, mit denen die Segmentierung der Lebenschancen nachhaltig aufgehalten werden kann.

Fokus „Stadt“ und „inklusive Arbeitsgesellschaft“

Städte sind Lebensorte, in denen neue soziale Bewegungen entstehen und Lebensformen im Alltag miteinander erprobt werden. Deshalb stellt unser Projekt zur inklusiven Gesellschaft die Städte und Arbeitswelten in den Fokus der Debatte. Die inklusive Arbeitsgesellschaft hat das Ziel, allen Erwerbsfähigen die gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Volle soziale Inklusion umfasst

  • die Fähigkeit und Gelegenheit zur ökonomischen Existenzsicherung,
  • die reale Chance zur persönlichen Entwicklung durch Qualifizierung und berufliche Tätigkeit,
  • den Zugang zu bzw. die Mitgliedschaft in sozialen Beziehungsnetzen.

Zur gelungenen Partizipation gehört auch die uneingeschränkte politische Teilhabe am kommunalen Leben. Es braucht dringend wirksame Strategien, die auf soziale Inklusion hinwirken, die das Auseinanderdriften aktiv angehen und aufzeigen, dass eine Stadt in jedem Stadtteil ihren Bewohnerinnen und Bewohnern gehört.

Wir fragen, welche Strukturen müssen verändert werden, damit sich alle Menschen im Rahmen von bürgerschaftlichem Engagement, in selbstverwalteten Projekten oder im Kommunalparlament in politische Prozesse ihrer Stadt einbringen können? Welche Netzwerke braucht es und welche Chancen bieten zum Beispiel Stadtteilzentren und kommunale Verantwortung für Beschäftigung vor Ort, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken?

Auch die vielfältigen Strukturen der Exklusion lassen sich in der Stadt sichtbar machen. In marginalisierten Stadtteilen etwa entstehen durch Arbeitslosigkeit und Wegzug öde Orte, und der soziale Zusammenhalt in den Quartieren wird zunehmend brüchig.

Auf welche Weise können hier soziale und kulturelle Gemeingüter helfen, diesen Prozess umzukehren und inklusive Sozialräume zu schaffen? Wie können marginalisierte Quartiere städtebaulich und sozial gestärkt werden, ohne dass dies zu Verdrängung führt?

Mit Veranstaltungen, Tagungen, Dossiers und Fragen von Hochinkklusiv! wollen wir unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und bundesweit kontroverse Diskussionen ermöglichen.

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