Heinrich Böll: Welche Rolle spielte Religion für ihn?

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Heinrich Böll war gläubiger Christ, stand der Kirche als Institution jedoch kritisch gegenüber. Er warf ihr vor, Machtinteressen über christliche Werte zu stellen – trotzdem blieb er stets seinem Glauben verpflichtet.

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Heinrich Böll war katholisch getauft und wuchs in einer überwiegend katholischen Umgebung auf. Er war in einer katholischen Jugendgruppe organisiert und besuchte regelmäßig und gerne Gottesdienste. Der christliche Kern seiner religiös ausgerichteten Welt- und Lebensanschauung lag für Böll im Denkbild des «leidenden Menschgewordenen». 

Fundamentalkritik an den Institutionen der katholischen Kirche

Es finden sich an zahlreichen Stellen im frühen wie späten Werk Verweise und Bezüge auf die biblischen Geschichten vor allem des Neuen Testaments, desweiteren auf die Elemente der Liturgie, die Bedeutung der Eucharistie (Brot) und – zentral – die Figur des mitleidenden Menschen. Böll setzte auf eine «menschliche Sakramentalität», am prägnantesten in seinem Roman «Gruppenbild mit Dame». Heinrich Böll, obschon gläubiger und praktizierender Katholik, stand der katholischen Kirche als Institution sowie ihren Verbänden äußerst kritisch gegenüber.

Erst Ablehnung der Kirchensteuer, dann Austritt

Sein Hauptkritikpunkt: anstatt christliche Werte in der Gesellschaft zu verteidigen, sei seine Kirche allzu sehr auf die Wahrung eigener institutioneller Machtansprüche und gesellschaftspolitischer Einflussnahmen bedacht. Gravierend war für Böll der ausgebliebene Einspruch der Kirche gegen die Wiederbewaffnung in den 1950er Jahren und die direkte Wahlhilfe für die CDU/CSU von der Kanzel. Heinrich Böll weigerte sich, Kirchensteuer zu zahlen, und trat aus diesem Grund aus der Kirche aus. Doch er lebte und starb als gläubiger Christ.

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