Statement von Ralf Fücks zum diplomatischen Eklat auf der Abschluss-Sitzung des "Petersburger Dialogs"












20. November 2012




Statement aus Moskau von Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, zu einem diplomatischen Eklat auf der Abschluss-Sitzung des "Petersburger Dialogs" am 16.11.2012:


"Auf der heutigen Abschlusssitzung des "Petersburger Dialogs" mit Präsident Putin und der deutschen Bundeskanzlerin äußerte Frau Merkel ihr Befremden über das harte Urteil gegen die "Pussy Riot"-Aktivistinnen, die zu zwei Jahren Straflager verurteilt wurden.


Daraufhin wandte Präsident Putin ein, man sollte die Hintergründe kennen, bevor man urteilt: Eine der Frauen habe sich an einer Aktion beteiligt, bei der eine Puppe verbrannt worden sei, die einen Juden darstellen sollte. Derlei "Antisemitismus" werde in Russland nicht geduldet.


Das ist keine Halbwahrheit, sondern eine ganze Lüge. Tatsächlich hat Nadeschda Tolokonnikowa eine der Pussy Riot-Frauen, vor zwei Jahren an einer Protestaktion der Politkunst-Gruppe "Wojna" teilgenommen, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Homophobie richtete. Dabei wurden fünf Wojna-Aktivisten symbolisch gelyncht (aufgehängt). Eines der "Opfer" war als "Homosexueller jüdischer Herkunft" deklariert- ein Hinweis auf gängige Stereotypen.


Putins "Aufklärung" ist also glatter Rufmord. Eine solche Replik auf eine betont unaggressive Kritik der Bundeskanzlerin ist ein diplomatischer Eklat."