Thesenpapier: Zeit für einen Neuen Generationenvertrag!

Thesenpapier: Zeit für einen Neuen Generationenvertrag!

Cover: Thesenpapier Neuer Generationenvertrag
26. Jun. 2014 von Ralf Fücks, Peter Siller
Heinrich-Böll-Stiftung
pdf
Veröffentlichungsort: Berlin
Veröffentlichungsdatum: Juni 2014
Seitenanzahl: 6

 

 
 

Die Heinrich-Böll-Stiftung stellt Thesen für einen neuen Generationenvertrag zur Diskussion. Darin werden in vier Aktionsfeldern Forderungen an die Politik erhoben: nachhaltige Infrastruktur (Primat öffentlicher Güter), ein neuer Lastenausgleich (Drei-Generationen-Vertrag statt Zwei-Generationen-Vertrag), ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit (keine Schulden auf Kosten der Kinder) und ermöglichte Vielfalt (selbstbestimmtes Leben für alle).

Auf dem Kongress "Baustelle Neuer Generationenvertrag" werden die Thesen am Samstag vorgestellt und weiter entwickelt.

 

Kongress: Baustelle Neuer Generationenvertrag
Freitag, 27. Juni – Sonntag, 29. Juni 2014
Der Generationen-Kongress hat zum Ziel, den demografischen Wandel zu gestalten, indem er die Generationen zum Dialog einlädt. Wir wollen einen gesellschaftlichen Verständigungsprozess anstoßen, der Bausteine für einen neuen Generationenvertrag liefert.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf unserer Dokumentationsseite des Kongresses

6 Kommentare

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Christoph Haag

Endlich wird eine Baustelle angegangen, die seit bald 60 Jahren ruht.

Natürlich ist es ein heißes Eisen und natürlich müssen sich alle (Grüne) in einem solchen Papier wiederfinden - leider wird dabei aber aber die wesentliche Fehlkonstruktion des bestehenden Generationenvertrages weiterhin ausgeblendet:

"Mit Generationenvertrag wird der unausgesprochene „Vertrag“ zwischen der beitragszahlenden und der rentenbeziehenden Generation bezeichnet." so lautet die Definition des Bundesfinanzministeriums, es handelt sich also derzeit nicht um einen Vertrag zwischen Generationen, sondern zwischen Beitragszahlern.
Es wird außerdem so getan, als handele es sich bei der Rentenversicherung tatsächlich um eine Versicherung, bei der man über die Zahlung von Prämien Ansprüche auf eine spätere Rente erwirbt. Tatsächlich ist es ein Transfersystem, das auf der kostenlosen Familienarbeit von Eltern gründet. Es ist absehbar, dass dieses System zusammenbricht, da immer weniger Familienarbeit geleistet wird.

Deswegen brauchen wir einen neuen Generationenvertrag. Der neue Vertrag kann und soll nicht dafür sorgen, dass mehr Familienarbeit geleistet wird. Das muss natürlich jedem selbst überlassen werden. Er muss aber dafür sorgen dass als aller erstes folgende Missstände behoben werden:
1. Menschen, die Familienarbeit leisten - also Eltern -, tragen darüber derzeit das Transfersystem alleine
2. Menschen, die sich nicht an der Familienarbeit beteiligen, leisten hierfür keinen Ersatz und profitieren überdurchschnittlich vom Transfersystem.

Deswegen ist der entscheidende Satz in dem Papier: "Ein gerechter Generationenvertrag braucht zudem einen neuen Lastenausgleich zwischen Menschen mit und ohne Kinder" - Leider gibt es in dem Papier keinen Lösungsvorschlag dazu, auch nicht im Ansatz. Die aufgeführten Lösungsansätze versuchen die Symptome der Fehlkonstruktion zu mildern, die Ursache wird aber nicht angegangen.

Vielleicht kann da der Darmstädter Sozialrichter Jürgen Borchert (Buch: Sozialstaats-Dämmerung) weiterhelfen.

Willi Kiefel

Re.: Thesenpapier: Zeit für einen Neuen Generationenvertrag!
Sehr geehrte Damen und Herren, dear colleagues,
Would it be possible to get an English version of this excellent paper.
Kind regards

Willi Kiefel
Tuam, Ireland

Philipp Antony

Dear Willi, for the time being we only have the German version of the paper. We are thinking about an English version but have not decided on this question yet. Thank you for your comment. Best wishes, Philipp

Tobias Teetz

Zum Artikel „Die Verletzung des Generationenvertrages“ von Wolfgang Kersting.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die deutschen Innenstädte zerstört. Der Aufbau der Städte und der Industrie konnte nur durch eine hohe Arbeitsbeteiligung von männlichen Arbeitnehmern im Bau und in der Industrie erfolgreich verlaufen. Es gab faktisch einen Arbeitszwang für alle jungen Männer, Arbeitszwang für Frauen bestand nur in der DDR. Die Löhne der arbeitenden Männer in Westdeutschland waren häufig ausreichend, um das Einkommen einer Familie zu sichern. Viele Frauen haben sich um die Versorgung der Kinder gekümmert.
Die gesetzliche Sozialversicherung hat den Schutz für Familien, Mütter, Väter oder Kinder übernommen, wenn sie durch Krankheit, Behinderung oder Bedingungen der allgemeinen Arbeitsmarktlage Gefährdungen ausgesetzt waren.

Nach Artikel 6 des Grundgesetzes steht die Ehe und Familie unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung.

Seit 1970 nahmen auch vermehrt junge, engagierte Frauen am wirtschaftlichen und politischen Leben teil. Einige begabte Frauen erreichten Spitzenplätze in der Wirtschaft und Politik.
Diese Frauen taten dies, in der Hoffnung eine Gegenleistung von der Gesellschaft in Form einer Rente, einer Pension zu erhalten.
Nach dem staatlichen Einstellungsboom als Lehrer in den siebziger Jahren wurden die Beschäftigungsaussichten im staatlichen Bereich zunehmend schlechter.
In den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts stieg die Arbeitslosigkeit steil an.
Ein großer Teil von jungen Menschen fand damals keine sichere berufliche Tätigkeit mehr.
Eine längere Phase der Arbeitslosigkeit führte zum Abrutschen in die Arbeitslosenhilfe bzw. Sozialhilfe, Verlust des persönlichen Vermögens.
Zu dieser Zeit gab es auch andere gesellschaftliche Gruppen, z.B. gut verdienenden Doppelverdiener mit guter Erbschaft. Zwischen diesen gesellschaftlichen Gruppen war damals nur wenig Verständigung möglich. Heute gibt es eher das Problem zwischen Arbeitsmigranten aus Entwicklungsländern und den Vermögensbesitzern.

Gott, der Vater, der uns nach seinem Bilde erschaffen hat, der Sohn, der uns durch sein Leiden und Sterben erlöst hat, der heilige Geist, der uns zum Leben gerufen und geheiligt hat, ist ein persönlicher Gott. Gott ist kein Staatsapparat – wie in A. Huxleys „Schöner, neuer Welt“.
Gibt es ein Recht auf Kinder aus Geburtsmaschinen, die nicht mehr abhängig sind von unserem christlichen Glauben, unserer Kultur, unseren Werten?
Nein!
Nur Erwachsene mit einem Vermögen haben Bürgerrechte zur Beteiligung in Staat und Gemeinwesen.

Das Vermögen haben sich viele ältere Mitbürger mühevoll erarbeitet. Durch die schulische Ausbildung, durch eine spätere Mitarbeit bei sozialen und wirtschaftlichen Gesellschaften.

Was passiert mit Bürgern, die unschuldig in Not geraten sind?
Waren die Arbeitslosen, kinderlosen Mitbürger in den achtziger und neunziger Jahren alles Verweigerer; Verweigerer des Generationsvertrages, Verweigerer der Arbeitsgesellschaft?
Es steckten auch Zwänge der Rationalisierung von wirtschaftlichen Abläufen (Computer, Internet, Automatisierung), die ganze Berufsgruppen unserer älteren Arbeitsgesellschaft erfasst hat.
Nicht alle Mitglieder konnten das Tempo der Veränderung mitgehen, sodass viele Bürger von Einkommen und bürgerlichen Rechten ausgeschlossen wurden.
Hatte der Arbeitslose keine Arbeit gefunden, musste er zunächst sein persönliches Vermögen aufbrauchen, um eine staatliche Unterstützung wie Arbeitslosenhilfe oder Sozialhilfe zu erhalten.
Es war die Angst in Arbeitslosenhilfe, Sozialhilfe abzurutschen, die Männer und Frauen angetrieben hat.
Bei Sozialhilfe, Arbeitslosenhilfe musste von der Arbeitsagentur jede bezahlte Tätigkeit angenommen werden, die ihm angeboten wurde. Für viele Hilfesuchende war das richtig, nicht aber für mündige, freie Bürger, die etwas Vermögen besaßen.
Sie wurden mit den Arbeitsmigranten auf eine Stufe gestellt, obgleich viele Arbeitslose eine gute Ausbildung und profunde Fähigkeiten besaßen. Natürlich mussten sie sich weiterhin um wohlstandsfördernde Tätigkeiten bemühen.

Die Zukunft ist ungewiss. Wir können nicht mit Sicherheit ausschließen, dass unsere Welt durch eine atomare, biologische Kettenreaktionen zerstört wird oder die Treibgase unsere Lebensgrundlage vernichten werden - an der wir als Menschen persönlich eine Mitschuld tragen oder ob ein großer Komet allem Leben ein Ende setzen wird.

Unsere Gesellschaft benötigt auch mutige und entschlossene Mitbürger, die ihren Weg eigenständig gehen können. Wenn Marco Polo und C. Kolumbus nicht den Mut zu einsamen Entscheidungen besessen hätten, hätte sich die Zukunft anders entwickelt.
Einige Unternehmer, Erfinder, Autoren erhalten in unserer Gesellschaft keine ökonomische Anerkennung.
Diese Freerider erhalten keine staatliche Unterstützung.
Aufgrund der zukünftigen Unsicherheit halten sich solche Personen dann auch mit Familienglück und Kindern zurück.
Schließlich werden sie bestraft, dass sie ihren Generationsvertrag nicht einlösen können.
Besser man sucht sich einen staatlich oder vom Unternehmen bezahlten Arbeitsplatz, dann hat man Sicherheit und eine staatlich garantierte Rente.
Einige kommen als Gastarbeiter nach Deutschland, erhalten dann kurzzeitig eine schlecht bezahlte staatliche Tätigkeit, erzeugen einige Kinder, landen sicher bei einer staatlichen Versorgungsstelle, die das gesellschaftliche Vermögen nach neuer christlicher Manier umverteilt.

Das individuelle Risiko gehört zum Leben. Der technische Fortschritt soll das Leben und das Arbeiten sicher machen. Er sollte nicht dazu genutzt werden, um Bürger willkürlich auszugrenzen, zu entrechten.
Unsere medizinische Versorgung, finanziert durch die Krankenversicherung, soll dem Kranken in der Not helfen. An den Kosten des Gesundheitswesens wollen sich viele Migranten nicht beteiligen.
Die Rentenversicherung basiert auf dem Erwerbseinkommen aus dem Arbeitsleben.
Viele Rentner leben heute länger als in früherer Zeit, sodass eingezahlte Beiträge möglicherweise nicht exakt den tatsächlichen Arbeitsleistungen entsprechen.
Dass wir zur Zeit noch alle älteren Bürger gut versorgen können, liegt am Vorhandensein einer guten Infrastruktur in Deutschland und am globalen Handel.

Von vielen Großprojekten (z.B. der Energieversorgung) bekommt der einzelne Bürger aus gutem Grunde nicht sehr viel mit. Er kann nicht die Kosten und Arbeitsleistungen bei diesen Projekten nicht abschätzen. Der Bürger zahlt dafür einen Preis in seiner Stromrechnung, an der Zapfstelle für Benzin oder beim Einkauf von Heizöl. Ohne die Energieversorgung würde unsere Wirtschaft zusammenbrechen.

Energiepreise setzen sich aus zwei Komponenten zusammen. Die erste Komponente ist der Unterhalt für den Bestand der Anlagen und die Beschäftigten in diesen Sektoren. Die zweite Komponente ist der Neubau von Anlagen zur Energiegewinnung und der Entwicklung neuer Technologien. Als dritte Komponente wird häufig noch ein Wohlstandsbeitrag an die Länder mit Rohstoffvorkommen entrichtet.
Falls der Energiepreis zu hoch ist, sodass Warenlieferungen von rohstoffärmeren Ländern unzureichend sind, entsteht ein Verschuldungsproblem bei den rohstoffärmeren Ländern.
Energiesorgen und Energiepreise können eine ganze Generation eines Landes mit in eine Katastrophe einbeziehen.
In der Zivilgesellschaft gibt es kein Wissen über Gefahren und Risiken bei der Rohstoffgewinnung und Verarbeitung. Gasexplosionen können durchaus tödlich sein. Bohrgewinde, Kompressoren können Materialfehler aufweisen, so dass Unfälle mit Todesfolge nicht absolut unwahrscheinlich sind. Risiken müssen bezahlt werden. Der geforderte Preis setzt immer auch andere unter Zugzwang.
Bei wirtschaftlichen Verhandlungen und Verträgen sollen beide Seiten Vorteile haben, denn sonst kommt ein Geschäft nicht zustande.
Zur Wiedervereinigung des geteilten Deutschlands und Europas wurden Verträge geschlossen, die beiden Seiten Vorteile bringen sollte.
Zwischen zwei Menschen, z.B. Ehevertrag oder Arbeitsvertrag kann es nur sinnvolle Verträge geben, wenn sich beide Seiten über die Vorteile und Folgen der vertraglichen Satzungen bewusst sind.
Viele Verbände und Organisationen unterstützen Bürger mit unzureichenden Rechtskenntnissen.
Manche Vorteile ergeben sich erst nach einer gewissen Phase persönlichen Anspannung. Um so freudiger ist man später, wenn alles im besten Sinne der Beteiligten verlaufen ist.
Falsche Schuldzuweisungen gegen Personen, Gruppen, Organisationen können zu einer Beendigung einer friedlichen Lösung führen.
Verbände wollen verhindern, dass Bürgern ein Schaden entsteht. Die gesetzliche Rentenversicherung, die Krankenversicherung, die Unfallversicherung stellen für viele Bürger einen Schutz dar, wenn sie entsprechende Beiträge gezahlt haben.
Andere Bürger, die keine ausreichenden Beiträge zahlen konnten, stehen ohne Schutz da.
Durch unstetige Erwerbsbiographien sind viele Lebensentwürfe anders verlaufen als in der Phase einer Vollbeschäftigung. Für viele Bürger gab es keinen ausreichenden Schutz.

Die Krise des Arbeitsmarktes und der Rentenversorgung hat etwas mit dem Energiepreis zu tun.
Können Firmen ihre Stromrechnung oder das Benzin für Busse, Kraftfahrzeuge und Maschinen nicht mehr bezahlen, so können sie Mitarbeiter entlassen, um die Kosten zu reduzieren. Firmen stehen im internationalen Wettkampf um die günstigsten Produkte und Dienstleistungen.
Auch Rentner nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel, die Wohnraumbeheizung, den Strom und Konsumgüter des täglichen Bedarfs, die durch Energie und Rohstoffe hergestellt werden.
Die Arbeitslosenhilfe- oder Sozialhilfehaushalte hatten nur monatliche Einkommen, die den Energiekosten eines durchschnittlichen Haushaltes entsprachen.
Das reichte vielen Arbeitslosen nicht zur sozialen Teilhabe. Arbeitslose konnten aber auch nicht die tatsächlichen Leistungen der Arbeitnehmer abschätzen. Es gab nur eine unzureichende Hilfestellung für viele Arbeitslose zwischen 1980 – 2000.
Die Pflicht zu Gegenleistungen für Leistungen, die wir von unserem Gemeinwesen erhalten, soll auch jedem Bürger bewusst sein.
In China werden Konsumgüter derzeit sehr preisgünstig hergestellt. Da Kranken-, Renten-, Arbeitslosenversicherung anders als in Europa strukturiert sind, können Unternehmen international sehr wettbewerbsfähig agieren.

Zur Zukunft der Lage von Rentnern in Deutschland können keine genauen Angaben gemacht werden. Solange Verkehrsmittel, Energie, Wirtschaftsunternehmen, Vermögen in Deutschland erhalten bleiben, muss sich die Lage für ältere Bürger nicht unbedingt schlecht darstellen.
Gefährlich könnte aber eine Debatte zur Umverteilung von Vermögen werden.

Wenn die Kinder von einigen Erwachsenen Ähnlichkeiten mit kleinen Monstern gehabt hätten, wären sie geboren worden, finde ich es gut, dass diese nicht unsere Städte bevölkern. Wenn die Eltern kein sittliches Empfinden bezüglich unserem Gemeinwesen empfinden, kann kaum eine gedeihliche Ehe erwachsen. Gesellschaftliche Verträge müssen geachtet werden.
Wenn die Kinderunwilligkeit in dieser Weise verschuldet wurde, wäre sie nicht schlecht gewesen.
Mitunter war die Kinderlosigkeit nicht gewollt.

Leider gibt es in unserer Gesellschaft eine Stimmung gegen fleißige Wissenschaftler, Unternehmer, Erfinder, sozial aktive Mitbürger, Geburtsdeutsche, die verhindert, dass Familiengründungen möglich werden.
Wenn der Wert von Beschuldigungen anderer Personen höher im Medien-Rummel angesiedelt ist als die Aufklärung über gesellschaftliche Missstände, haben Ehe, Familie und Kinder und soziales Engagement nur noch einen geringen Stellenwert.
Eine Gesellschaft, die Persönlichkeitsrechte, bürgerliche Grundrechte, sittlichen Anstand und Eigentumsrechte abschafft, läuft große Gefahr ihre Grundlage zu verlieren.
Vielen Bürgern unserer Gesellschaft wurden damals die Wege verbaut. Heute soll die persönliche Schuld bei Arbeitslosigkeit überbewertet werden, obgleich sich viele damals redlich bemüht haben.
Die Schuld liegt aber nicht im Vermögen, sondern im Unvermögen von Gruppen einen sinnvollen Ausgleich zu schaffen.

Christoph Haag

Lieber Tobias Teetz

vielen Dank für den Querverweis auf den Artikel von Wolfgang Kersting. Dort ist glasklar und stichhaltig die seit 60 Jahren andauernde Verletzung des Generationenvertrages beschrieben. Auch welche Konsequenzen zwingend zu ziehen wären, um diesen Missstand zu beheben. Das kommt in dem Thesenpapier viel zu kurz.

Zu Ihren Hinweisen: mit einigen davon mögen Sie richtig liegen, auf wenigstens zwei davon trifft das aber definitiv nicht zu:

1. "Diese Freerider [=Kinderlose] erhalten keine staatliche Unterstützung"
Genau das Gegenteil ist der Fall: Die kompletten Rentenzahlungen, die Pflegekosten und ein Teil der Krankenversorgung sind staatliche Leistungen, die diese Freerider erhalten. Dafür haben sie aber keine Gegenleistung erbracht, da sie kinderlos sind, also keine Familienarbeit geleistet haben.

2. "Die Rentenversicherung basiert auf dem Erwerbseinkommen aus dem Arbeitsleben."
Das trifft nur rechtlich zu. Aber genau diese rechtliche Fehlkonstruktion gilt es zu korrigieren, weil damit Kinderlose privilegiert werden. Die Rentenversicherung basiert nämlich auf der geleisteten Familienarbeit. Das heißt Kinderlose haben nach einem richtig verstandenen Generationenvertrag keinen Anspruch auf Zahlungen aus der Rentenversicherung, auch wenn sie ihr Leben lang in die Rentenkasse einbezahlt haben. Mit ihren Rentenbeiträgen haben sie nur die Rente Ihrer Eltern (bzw. der älteren Generation) bezahlt.

Tobias Teetz

Hallo C. Haag,
Renten werden vom Staat an Personen gezahlt, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen.
Dies betrifft Personen, die nach einer längeren Phase der Berufstätigkeit im Alter einen Schutz brauchen.
Ferner gibt es Invalidenrenten, Unfallrenten für Personen, die durch einen Arbeitsunfall oder durch einen Krieg behindert worden sind.
Die Rente für Hinterbliebene erhielten Personen, die den Ehepartner verloren hatten und keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen waren.

Andere kleinere Renten bei Not können wir möglicherweise ebenfalls ermöglichen, da in den letzten Jahrzehnten einen gewissen Wohlstand besitzen.

Jeder Bürger arbeitet in erster Linie zur Ermöglichung seines Lebensunterhaltes in der Gesellschaft. Dann zielt seine Erwerbstätigkeit bei einer Heirat und Familiengründung auf die Versorgung des Ehepartners (Frau) und der Kinder.
Es gibt auch Bürger, die Arbeitsleistungen für das allgemeine Wohl erbringen. In sozialen Netzwerken und in öffentlichen oder privaten Forschungsgesellschaften werden zukünftige Probleme unserer Gesellschaft analysiert.
Aus Gründen der Gerechtigkeit muss der Staat manchmal helfen, die Verteilung zu organisieren.

Auch viele ältere Unternehmer, Wissenschaftler, Politiker und andere Personen leisten sehr wichtige Dinge für unser Gemeinwesen. Bei den vielfältigen Formen der Arbeit gibt es für sie unterschiedliche Motive. Unternehmer wollen ihren Kindern und Enkeln Vermögen hinterlassen, damit das Ergebnis ihrer Anstrengungen im Leben an ihre Nachkommen übergeht. Wissenschaftler und Politiker wollen ihre besonderen Fähigkeiten zur Erhaltung unseres Gemeinwesens einbringen.

Vergleicht man die Arbeits- und Lebensbedingungen der letzten 150 Jahre, so haben sich die Gefahren, Risiken verändert. Arbeiter, Angestellte oder Bauern erhielten damals vom Staat keinen Schutz im Alter.
Sie konnten nur durch ihr Vermögen oder die Arbeitsleistungen ihrer Kinder ihre Altersversorgung sichern. Viele Menschen erreichten kein hohes Alter, da viele Krankheiten nicht geheilt werden konnten.
Hätten die Menschen damals das persönliche Gewinnstreben, die Forschung und Innovation abgestellt, würde unsere Gesellschaft noch unter ähnlichen Bedingungen wie damals leben. Dann könnten wir alten Bürgern keine Rente zahlen.

In einer hoch produktiven und globalisierten Wirtschaft (Maschinen, Automatisierung) ist die Versorgung der Älteren mit Nahrungsmittel, Kleidung, Wohnraum einfacher geworden.
Es gibt einige unternehmerische Leistungsträger, die tausende bis zehntausende Bürger mit Waren und Dienstleistungen versorgen. Es gibt Arbeitnehmer, die mit sehr großem Einsatz die Wertschöpfung bei den Unternehmern ermöglichen. Es gibt weniger produktive Arbeitnehmer, die aber heute trotzdem einen recht hohen Lebensstandard haben, da die produktive Wertschöpfung die Verteilung ermöglicht. Es gibt Arbeitnehmer und Selbständige, die weniger Erfolg in Beruf und Einkommen haben. Es gibt viele gering produktive Arbeitnehmer, die aufgrund des Migrationshintergrundes viele komplizierte Arbeiten nicht ausführen können und daher sehr einfache Tätigkeiten anstreben. Es gibt auch Menschen, die nach der Massenarbeitslosigkeit zwischen 1985 – 2005 nur sehr geringe Einkommensbeiträge leisten konnten und in der modernen Welt den Anschluss verloren haben.

Personen, die keine oder nur sehr geringe Rentenansprüche durch Arbeitsleistungen erworben haben, fürchten, dass sie im Alter vor dem Nichts stehen.
In der Hoffnung gesellschaftliche Probleme zu entschärfen, wurde auch das Netzwerk Grundeinkommen gegründet. Die Wettbewerbsgesellschaft erzeugt immer wieder auch Konkurrenzprobleme zwischen Arbeitnehmern und Betrieben: Effizient – unproduktiv, preiswert – teuer, jung – alt. In einer globalen Weltwirtschaft besteht die Spannung in einer sehr komplexen Vernetzung. Manche Unternehmen sind schnell entstanden, haben dann aber im Wettbewerb Fehler gemacht und sind dann in Konkurs gegangen. Die Beschäftigungslosen mussten sich neu orientieren.

Die Zahl der Erwerbspersonen stieg im früheren Bundesgebiet zwischen 1970 – 1991 von 26,8 Millionen auf 32,3 Millionen. Die Zahl der Erwerbslosen stieg von 100.000 (1970) auf 1,98 Millionen (1985) an. Im Jahr 2005 stieg die Zahl der Erwerbslosen im gesamten Bundesgebiet auf 4,5 Millionen.

Viele ältere Unternehmer, Wissenschaftler, Politiker und andere Personen leisten sehr wichtige Dinge für unser Gemeinwesen. Bei den vielfältigen Formen der Arbeit gibt es für sie unterschiedliche Motive. Unternehmer wollen ihren Kindern und Enkeln Vermögen hinterlassen, damit das Ergebnis ihrer Anstrengungen im Leben an ihre Nachkommen übergeht. Wissenschaftler und Politiker wollen ihre besonderen Fähigkeiten zur Erhaltung unseres Gemeinwesens einbringen.

Wenn der Verteilungsgerechtigkeit des Staates vertraut wird, überlässt man ihm die Zuteilung von gerechten staatlichen Renten und Lohnersatzeinkommen (Arbeitslosengeld). Ein Teil der Bürger misstraut dem staatlichen Einfluss und organisiert das Gemeinwesen auf privater Basis (Privatvermögen, karitative Spenden). Mitunter kann eine Gesellschaft auf dieser Basis auch sinnvoll geleitet werden.
Problematisch kann es in einer Phase der gesellschaftlichen Massenarbeitslosigkeit und einer starken Veränderungen der Gesellschaft werden. Den Überblick über die Grundlagen dieser Veränderungen hat nicht jeder Bürger.
Wenn die Eltern keine Verantwortung für ihre eigenen Kinder empfinden, so werden sie kaum sittliche Werte an ihre Kinder weitergeben. Ob Kinder und junge Erwachsene der gegenwärtigen und zukünftig älteren Generation, Achtung entgegen bringen, wird sich zeigen. Viele ältere Menschen hatten durchaus kein einfaches Leben, haben sich mitunter redlich um die junge Generation bemüht. Auch die Generation, der zwischen 1950 – 1970 Geborenen, hatte Schwierigkeiten zu meistern. Arbeitsfeld, Einkommen, Ehepartner und viele andere Dinge werden nicht staatlich zugewiesen, sondern müssen sich aus dem persönlichen Empfinden und den sachlichen Zwängen mit der Umwelt herausbilden.