Regeneration von Böden: Was Bauern tun können

Regeneration von Böden: Was Bauern tun können

Jahre der Überbeanspruchung führen zu verdichteten, erodierten und ausgelaugten Böden. Aber sie lassen sich mit einer Vielzahl von Methoden auch wieder verbessern. Ein Kapitel des Bodenatlas.

Den meisten Bauern ist durchaus bewusst, dass sich ihr Boden verschlechtert. Sie sehen, wie sich auf ihren Feldern Rillen und Runsen bilden, aus denen Erosionsschluchten entstehen können. Jedes Jahr würden sie weniger ernten, wenn sie nicht mit allerlei Chemie und Technik nachhelfen würden. Aber was können sie dagegen tun, wenn sie das nicht wollen oder dazu nicht die finanziellen Mittel haben?

Jahrhundertelang ließen sich Kleinbauern in aller Welt viel einfallen, um Feldfrüchte anzubauen und dabei den Boden an steilen Abhängen zu schützen und verbrauchte Böden zu regenerieren. Die Landwirte in Äthiopien haben besonders viele Methoden entwickelt: Sie bauen Steinwälle und Terrassen, Schwellen und Becken, legen natürliche Vegetationsstreifen oder Steinmulche an, setzen auf Mischanbau und pflanzen Bäume, die Schatten spenden. Neuere Ansätze passen sich häufig an traditionelle Systeme an. Die Maßnahmen können in vier Gruppen eingeteilt werden: 

1. Agrarwissenschaftliche Maßnahmen:

Sie zielen darauf, den Anbau von Feldfrüchten zu verändern. Pflügen und Pflanzen quer zum Hang anstatt von oben nach unten können Erosion vermeiden. Zwischenfruchtanbau oder Fruchtwechsel zwischen Getreide und Hülsenfrüchten machen Böden wieder fruchtbar und verringern den Bedarf an Stickstoffdüngern. Die Ausbringung von Mulch, Kompost oder Dung führt dem Boden Nährstoffe und organische Substanzen zu und belebt ihn mit Regenwürmern und anderen Tieren. Kalk neutralisiert eine Übersäuerung.

Eine bestimmte Kombination agrarwissenschaftlicher Maßnahmen ist die sogenannte Conservation Agriculture. Der Boden wird nicht mehr gepflügt, sondern mit Mulch oder Gründüngung geschützt. Durch Wechselwirtschaft bleibt seine Fruchtbarkeit erhalten. Schädlinge und Unkraut können sich nicht ausbreiten. Dieser Ansatz ist typisch für Amerika und Australien. Auf Monokulturen allerdings werden oft Pflanzenvernichtungsmittel eingesetzt, um Unkraut zu bekämpfen, und gentechnisch veränderte Sorten eingesetzt, um wiederum den Chemikalien zu widerstehen.

Agroindustrielle betreiben „Conservation Agriculture“ überwiegend als Monokulturen mit gentechnisch verändertem Saatgut — Bildnachweise
In Afrika und Asien säen und jäten Kleinbauern von Hand, oder sie verwenden von Tieren gezogene Geräte, die den Boden so wenig wie möglich beeinträchtigen. Aber die Umstellung von Pflügen auf Conservation Agriculture kann schwierig sein. Die Bauern müssen neue Fertigkeiten lernen, andere Pflanzen anbauen als gewohnt, in neue Werkzeuge investieren und mehr Arbeitskraft für die Unkrautbekämpfung aufwenden.

2. Auf die Vegetation ausgerichtete Maßnahmen

Gras, Büsche oder Bäume werden gepflanzt, um herabströmendes Wasser zu verlangsamen, Boden festzuhalten und die Windgeschwindigkeit zu verringern. Hecken und Bäume, die um Felder gepflanzt werden, halten streunende Tiere von den Feldern fern und erzeugen Früchte sowie Feuerholz. Grasstreifen entlang der Hangkanten stellen eine wertvolle Futterquelle dar. Sie können genügend Boden festhalten, um neue Terrassen anzulegen. Bäume und Gras beseitigen bestehende Abflussrinnen und verhindern, dass sich neue bilden. 

3. Strukturierende Maßnahmen 

Erde und Steine werden versetzt, um physische Barrieren zu bauen. In vielen Teilen der Tropen ermöglichen beeindruckende Terrassen, dass selbst an steilen Hängen Anbau betrieben werden kann – wie etwa die Reispflanzungen in China, im Himalaja und in Südostasien. In den Anden nutzt man Steinterrassen für den Kartoffelanbau, während sie in Konso in Äthiopien mit Getreide, Kaffee und Baumwolle bepflanzt werden. Weitere strukturelle Maßnahmen sind Wälle, Fangdränen zum unterirdischen Abzug des Wassers oder auch Rückhaltedämme, um Wasser zu stauen und damit zu speichern.

4. Organisatorische Maßnahmen

Sie verändern die Nutzung des Landes. Beispielsweise wird ein Gebiet mit ausgelaugtem Boden abgezäunt, um weidende Tiere fernzuhalten, damit sich die Vegetation erholen kann. Bauern können die Futterpflanzen schneiden und dem Vieh zur Fütterung bringen. Werden dort Futterpflanzen angebaut oder wird dort Rotationsweidewirtschaft betrieben, statt die Herde frei weiden zu lassen, dann können Gräser und Bäume auf dem kahlen Land wieder wachsen. Indem die Hirten ihre Tiere nach einer gewissen Zeit weitertreiben, noch bevor die Vegetation völlig verzehrt ist, vermeiden sie, den Boden ganz zu entblößen. 

Optimal ist meist ein Mix – auch mit begrenzten Mitteln sind für Kleinbauern deutliche Ernteerfolge möglich. (Große Grafik unten als Download verfügbar) — Bildnachweise
Welche Maßnahmen am besten geeignet sind, um fruchtbaren Boden zu bewahren, hängt von den jeweiligen Bedingungen ab. Wälle sind für flache Hänge gut geeignet, bei steileren Hü­geln wirkungslos. Grasstreifen wachsen nicht in trockenen Gegenden oder dort, wo Vieh sie abweiden und zertrampeln kann. Einzelne Bauern können eigene Techniken entwickeln – beispielsweise entlang der Hanglinie pflügen und pflanzen. Andere Methoden erfordern eine Zusammenarbeit aller Landwirte in einem bestimmten Gebiet. So ist das Anlegen von Terrassen äußerst arbeitsintensiv, weil sie sich über den gesamten Hügel erstrecken müssen, wenn sie effektiv sein sollen. Aber bei angemessener Pflege sind solche Bauwerke sehr langlebig.

Planung, Bau und Reparatur sind gewöhnlich ein ge­meinschaftliches Unterfangen. Gibt es keine Tradition ge­genseitiger Hilfeleistung, dann erfordert der Bau solcher Strukturen möglicherweise Unterstützung von außen. Und selbst dann bleibt ein Risiko, dass die Investition sich nicht lohnt, je nach dem Wert und den Marktpreisen der Nutzpflanzen, die auf dem gewonnenen Land angebaut werden können – zumal die Strukturen auch nach ihrem Bau unterhalten werden müssen. Oft erweist sich ein Mix aus agrarwissenschaftlichen, Vegetations-, strukturellen und organisatorischen Maßnahmen als besonders geeignet.

Der Einsatz von Herbiziden kostet bei der „konservierenden Landwirtschaft“ die meiste Zeit – und geht auf Kosten der Umwelt — Bildnachweise



Weitere Quellen und Informationen:

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