Das vermessene Ich

Das vermessene Ich

Christoph Kucklick im Gespräch mit Michael Knoll — Bildnachweise

Mithilfe elektronischer Armbänder, mit Uhren oder Fitness-Apps zählen Self-Tracker ihre täglich gelaufenen Schritte, messen Herzfrequenz und Blutdruck, überwachen den eigenen Schlaf. Was sie sich von diesen Körperdaten versprechen, erklärte der Journalist Christoph Kucklick in seinem Vortrag „Das vermessene Ich“.

In der flexiblen Dienstleistungsgesellschaft wird die Arbeit am eigenen Körper zum Lebensstil. Wer sich fit hält, signalisiert Leistungsbereitschaft, Disziplin und Selbstverantwortung. Immer mehr Menschen nutzen im täglichen Kampf um den Idealkörper Smartphone-Apps oder Aktivitätstracker. Die Miniaturcomputer sammeln unermüdlich Daten über ihre Nutzer. Sie zählen die am Tag gelaufenen Schritte, berechnen verbrannte und konsumierte Kalorien, messen Herzfrequenz und Blutdruck, protokollieren sogar den Schlaf. Nicht nur für die Hersteller der Geräte ist die neue Lust an der Selbstkontrolle ein gutes Geschäft - die ersten Versicherungskonzerne planen bereits spezielle Tarife für Körperbewusste.

Für die Protagonisten der Bewegung liefern die Körperdaten unverzichtbare Informationen, die ihnen ein wirklich selbstbestimmtes Leben erst ermöglichen. Kritiker fürchten hingegen, dass diese – noch frei gewählte – Form der Unfreiheit schnell zur Norm für alle werden könnte. In der fünften Ausgabe unserer Reihe Konkrete Utopien diskutierten wir Reiz und Gefahr der digitalen Selbstkontrolle.

 

Video-Mitschnitt des Vortrags vom 6. Oktober 2015

  • Vortrag: Christoph Kucklick, Chefredakteur von GEO und Autor des Buches "Die granulare Gesellschaft – Wie das Digitale unsere Wirklichkeit auflöst"
  • Moderation: Michael Knoll, Gemeinnützige Hertie-Stiftung, Berlin und Peter Siller, Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin

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