Die Mörder von Berta Cáceres kamen nach Mitternacht

Die Mörder von Berta Cáceres kamen nach Mitternacht

Die Umweltaktivistin Berta Cáceres war die Stimme des Widerstands gegen Menschenrechtsverletzungen und Großkonzerne in Honduras. Auftragskiller haben sie in der Nacht zum 3. März erschossen. Bei dem Attentat wurde auch Gustavo Castro, Partner der Heinrich-Böll-Stiftung, verwundet. Als Augenzeuge muss er nun um sein Leben fürchten. Obwohl er bereits eine ausführliche Aussage geleistet hat, verweigern ihm die honduranischen Behörden die Ausreise nach Mexiko.

Sie hatte es befürchtet. Sie hatte wieder und wieder von den Bedrohungen gesprochen, die sie und ihre Mitstreiter/innen erhielten. Berta Cáceres, Mitte Vierzig und Anführerin der indigenen Organisation COPINH im westlichen Hochland von Honduras, wusste: mit den Drohungen ist nicht zu spaßen.

Schon mehrere ihrer Mitstreiter/innen wurden in den letzten Jahren umgebracht. Morde, durchgeführt von Auftragskillern oder auch von Sicherheitskräften in Auseinandersetzungen mit sozialen Bewegungen sind nichts außergewöhnliches in Honduras.

Es ist weltweit eines der Länder mit der höchsten Mordrate.
Es ist eines der Länder, in denen Straffreiheit zum alltäglichen Leben gehört.
Es ist eines der Länder, in denen das Leben nicht wirklich viel wert ist.

Berta Cáceres wusste das. Und sie wusste, dass sie auf der Liste stand. Auf Der Liste derjenigen, die sogenannte „sicarios“, Auftragskiller losschicken, wenn ihnen Leute für die Umsetzung ihrer Ziele im Weg stehen.

Geltendes Recht spielt keine Rolle. Auch, dass Berta Cáceres eigentlich unter dem Schutz der Sicherheitskräfte stehen sollte - angeordnet vom Interamerikanischen Gerichtshof in Washington - spielt in Honduras keine Rolle. Wenn die Sicarios anrücken, zählt nur noch der Tod. In der Nacht vom 2. auf den 3. März war Berta ihr Opfer. Unbekannte Bewaffnete drangen nach Mitternacht in ihre Wohnung ein und beendeten das Leben einer außergewöhnlichen Frau.

Noch vergangene Woche warnte sie vor weiteren Morden

Zuletzt erhielt Berta Cáceres im Frühsommer 2015 in San Francisco den Goldman Umwelt Preis verliehen. Für ihr Engagement als Anführerin der indigenen Organisation COPINH. Und vor allem für ihren hochgefährlichen Einsatz mit COPINH gegen den Bau des Staudammgroßprojektes Agua Zarca eines internationalen Konsortiums in der Region Rio Blanco auf Lenca-Gemeindeland. Trotz massiver Repressionen, trotz mehrerer Toter im Verlauf des Widerstands, wehrt sich die in COPINH organisierte Lenca-Bevölkerung seit Jahren gegen den Bau des Staudamms.

Doch das Betreiberunternehmen DESA hält weiterhin an diesem Staudammprojekt fest. Und trotz zahlreicher Menschenrechtsverletzungen und offener Briefe seitens internationaler und honduranischer Menschenrechtsgruppen, beteiligt sich das deutsche Unternehmen Siemens über ein Joint Venture mit dem Technologiekonzern Voith Hydro an diesem Staudammprojekt. Außerdem erhält die Betreiberfirma eine Finanzierung der holländischen Entwicklungsbank FMO und der finnischen Bank FinnFund, obwohl sie über die Menschenrechtsverletzungen im Zuge des Projektes informiert worden waren.

Erst vergangene Woche sprach Berta Cáceres vor der Presse von weiteren Morden an Lencas. Und von Vertreibungsmaßnahmen. Ihre Stimme war die Stimme dieser Widerstandsbewegung, die Stimme einer mutigen Frau, die trotz aller Drohungen auch gegen ihre Person für sich entschieden hat, die Lencas in ihrem Widerstand zu unterstützen und durch ihre Arbeit auch international bekannt zu machen.

Dafür wurde Berta Cáceres in der Nacht zum 3. März erschossen.

 

Aus unserer Pressemitteilung:
Bei dem Attentat wurde auch Gustavo Castro verwundet, Aktivist des bergbaukritischen Netzwerkes REMA und Partner der Heinrich-Böll-Stiftung Mexiko. Er war in Begleitung von Berta Cáceres ebenfalls am Tatort und befindet sich nun in akuter Lebensgefahr. Allerdings nicht aufgrund seiner Verletzungen, sondern weil er als einziger lebender Augenzeuge des Verbrechens eine zentrale Rolle in der polizeilichen und juristischen Aufklärung einnimmt.

Zahlreiche Organisationen, darunter auch die Heinrich-Böll-Stiftung, fordern die Regierung und Behörden von Honduras dringend und in aller Deutlichkeit dazu auf, umgehend alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz von Gustavo Castro zu ergreifen und ihm nach seiner Aussage eine zügige Ausreise zu ermöglichen - für seine Sicherheit und Unversehrtheit sind nun alleine die honduranische Regierung und ihre Sicherheitsbehörden verantwortlich.

Ebenso fordern die Organisationen die schnellstmögliche Aufklärung des Verbrechens sowie einen hinreichenden Schutz der Mitglieder im Koordinierungsgremium der Indigenen Organisationen von Honduras COPINH. Eher verwunderlich ist die Tatsache, dass eine offizielle Email-Kontaktaufnahme in diesem Fall mit dem Menschenrechts-Sekretariat der Regierung von Honduras an "Wartungsarbeiten an der offiziellen E-Mailbox" scheitert - so jedenfalls ist dies hier zu lesen.

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