Globale Mangelwirtschaft

Globale Mangelwirtschaft

Globale Mangelwirtschaft Heinrich-Böll-Stiftung E-Paper
14. Sep. 2016 von Marc Engelhardt
Heinich-Böll-Stiftung
Kostenlos
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Veröffentlichungsort: www.boell.de
Veröffentlichungsdatum: September 2016
Seitenanzahl: 22
Lizenz: CC-BY-NC-ND

Die dramatische Unterfinanzierung der für humanitäre Hilfe zuständigen UN-Organisationen gilt als wichtiger Grund für den Versuch tausender Menschen nach Europa zu gelangen. Trotzdem bekommen die Helfer/innen nicht mehr Geld. 2016 wurde der Bedarf für humanitäre Hilfe alleine in Folge des Syrienkriegs auf 7,73 Mrd. US-Dollar geschätzt. Dem standen am 1. August nur 2,84 Mrd. US-Dollar an Zusagen gegenüber. Die Folge: Mangelwirtschaft und fehlende Planungssicherheit.

Monatelang mussten syrischen Flüchtlingen Essensrationen gekürzt oder gestrichen werden, weil das Geld fehlte. Wie kommt es, dass diejenigen, die Flüchtlingen beistehen sollen – allen voran das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, das Welternährungsprogramm WFP und die UN-Koordination für humanitäre Hilfe OCHA – chronisch unterfinanziert sind?

Die Ursachen, so zeigt dieser Bericht, sind systemimmanent. Wer Hilfen zusagt, zahlt oft nicht. Weil Hilfszusagen freiwillig sind, gibt es keine Druckmittel. Jedes Jahr müssen die Organisationen bei null beginnen und förmlich um Hilfen betteln. Interne Kontrollinstanzen sind überlastet, für die Medien inszenierte Gebergipfel stehen einem medialen Desinteresse hinsichtlich der Umsetzung der dort gemachten Versprechen gegenüber.

Gebraucht wird eine neue Finanzarchitektur, die an den Bedürfnissen jener ausgerichtet ist, die am wenigsten haben und den Schutz der Weltgemeinschaft brauchen. Planbarkeit und Zuverlässigkeit müssen dabei im Mittelpunkt stehen. Deutschland, als einer der weltweit wichtigsten Geber, muss dabei eine Vorreiterrolle spielen – auch aus politischem Eigeninteresse, um eine weitere globale Destabilisierung zu verhindern.

 

Inhaltsverzeichnis:

  • Vorwort zur Reihe
  • Einleitung
  • Das Beispiel Syrien
  • Unter dem Minimum
  • Flucht aus der Perspektivlosigkeit
  • Betteln, hoffen, enttäuscht werden: Die UN-Hilfe und ihre Finanzierung
  • Ständige Unsicherheit als System
  • Sinkende Zahlungsmoral
  • Doppelte Versprechen und andere Verwirrungen
  • Überlastete Kontrolleure, erpresserische Geber und vergessene Krisen
  • Ausblick: Eine andere Finanzierung der globalen humanitären Hilfe
  • Der Autor
  • Impressum

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