Monsanto und Co: Pestizide und Saatgut als Milliardengeschäft

Monsanto und Co: Pestizide und Saatgut als Milliardengeschäft

Infografik: Pestizide und Saatgut als MilliardengeschäftMit Pestiziden und Saatgut verdienen Konzerne wie BASF, Monsanto und Bayer Milliarden. Urheber/in: Atlasmanufaktur/Heinrich-Böll-Stiftung. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Bayer will Monsanto kaufen und zum weltgrößten Hersteller von Agrarchemikalien werden. Seine Interessen werden als die des Wirtschaftsstandorts Deutschland gelten. Ein Kapitel aus dem Konzernatlas.

Wenn die Kartellbehörden der EU und der USA grünes Licht geben, wird ein Schlüsselmarkt der globalen Landwirtschaft Ende 2017 ganz anders aussehen als zu Anfang dieses Jahres. Noch dominieren sieben Unternehmen die weltweite Produktion von Pestiziden und Saatgut. Doch dieses Oligopol formiert sich neu – und die Zahl der Akteure wird schrumpfen. Die beiden US-Konzerne DuPont und Dow Chemical wollen fusionieren, ChemChina will Syngenta aus der Schweiz kaufen, und der deutsche Bayer-Konzern bereitet die Übernahme von Monsanto in den USA vor.

Die Stärke transnationaler Firmen ist schwer zu erkennen. Sie lassen Produkten die etablierten Namen, auch wenn sie die Hersteller aufgekauft haben. Urheber/in: Atlasmanufaktur/Heinrich-Böll-Stiftung. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Am Ende würden drei Konzerne mehr als 60 Prozent der Märkte für kommerzielles Saatgut und für Agrarchemikalien beherrschen. Sie böten fast alle gentechnisch veränderten Pflanzen dieses Planeten an. Auch die meisten Anmeldungen für das Eigentum an Pflanzen beim Europäischen Patentamt entfielen auf diese drei Konglomerate.

Bayer und Monsanto planen 120 Milliarden Umsatz

Der neue Gigant unter den Großen wäre Bayer-Monsanto. Ein Drittel des globalen Marktes für kommerzielles Saatgut und ein Viertel des Marktes für Pestizide formen den größten Agrarkonzern der Welt. Bayer hat mit Monsanto einen Kaufpreis von 66 Milliarden US-Dollar vereinbart. ChemChina zahlt für Syngenta ebenfalls elfstellig: 43 Milliarden US-Dollar. Der chinesische Staatskonzern, größtes Chemieunternehmen im eigenen Land, ist bereits Produzent nicht patentgeschützter Pestizide. Mit Syngenta erwirbt er neben deren Pestizid- und Saatgutsparte auch enormes Wissen im Bereich der Agrogentechnik.

Allerdings stehen Teile der chinesischen Bevölkerung der Gentechnik auf Acker und Teller eher skeptisch gegenüber. Nicht einmal den Fachmedien ist eindeutig zu entnehmen, ob die Staatsführung mit dem Erwerb von Syngenta den Weg für Gentech-Pflanzen in China ebnen will. Bayer-Monsanto und DuPont-Dow werden Aktiengesellschaften bleiben und als solche ihren Aktionären und Aktionärinnen weiterhin rechenschaftspflichtig sein. Unklar ist, ob die chinesischen Eigentümer Teile von Syngenta an die Börse bringen. Bei DuPont-Dow plant das Management, den neuen Konzern wiederum in drei jeweils börsennotierte Gesellschaften aufzuspalten, eine davon für eine dann unabhängig operierende Agrarchemie.

Bayer will die Übernahme von Monsanto mit Krediten von 57 Milliarden US-Dollar finanzieren. Kaufpreis und Schulden hält der Vorstand bei dem enormen Potenzial der globalen Agrarmärkte für gerechtfertigt. Sie wachsen bei Saatgut und Pestiziden von 85 Milliarden Umsatz im Jahre 2015 auf 120 Milliarden Euro im Jahr 2025, schätzt Bayer. Zum Vergleich: In diesem Bereich setzten Bayer und Monsanto 2015 zusammen rund 25,5 Milliarden US-Dollar um und erzielten Gewinne von 5 Milliarden US-Dollar.

Für die chemische Industrie sind Saatgut und Pestizide wichtige Standbeine. Doch ihre Marktmacht geht weit darüber hinaus. Urheber/in: Atlasmanufaktur/Heinrich-Böll-Stiftung. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Nicht überall, wo Monsanto drin ist, steht Monsanto drauf

Die Bayer AG ist derzeit der zehntgrößte Chemieproduzent der Welt. Seine Agrarsparte CropScience ist erst kurz nach der Jahrtausendwende ein eigener Unternehmensbereich geworden. Durch Zukäufe stieg er in die Liga der Saatgut-Multis auf. Damit ist Bayer dem Vorbild anderer Chemiefirmen gefolgt. Unter den sieben weltgrößten Herstellern sind jetzt fünf ursprüngliche Chemiekonzerne: Monsanto, DuPont, Syngenta, Dow und Bayer.

Niemand hat sich so konsequent wie Monsanto Saatgutfirmen einverleibt. Das Unternehmen hat seit den 1990er-Jahren rund um den Globus eingekauft und beherrscht nun ein Viertel des weltweiten kommerziellen Saatgutmarktes. Es besitzt das Gros aller Gentech-Pflanzen, verkauft aber auch viele konventionelle Saaten und hier insbesondere Gemüsesaatgut. Die Präsenz des Konzerns ist nur schlecht erkennbar, weil die aufgekauften Firmen oft unter ihrem am Markt eingeführten Namen weitergeführt werden. Ein Monsanto-Logo erscheint eher selten auf einer Saatgutverpackung.

Indem das Oligopol aus sechs bis sieben Konzernen auf drei Konglomerate schrumpft, kommen Bayer-Monsanto, DuPont-Dow und ChemChina-Syngenta ihrem Ziel näher: jeweils die marktbeherrschende Stellung bei Saatgut und Pestiziden zu erreichen, also Produkte, Preise und Qualitäten zu diktieren. Alle drei Gruppen verfolgen die Strategie, andere Anbieter zu verdrängen und den Wettbewerb so weit wie möglich auszuschalten, zur Not durch den Aufkauf der Konkurrenz.

Konzerne machen Druck auf die Politik

Hinzu kommt der politische Einfluss: Je größer ein international agierendes Unternehmen, desto weitreichender ist seine Lobbymacht und damit sein Einfluss auf die Gesetzgebung. Mit Bayer könnte Ende 2017 ein Konzern mit Sitz in Deutschland die globale Nummer eins bei Saatgut, Pestiziden und Agrogentechnik sein. Der Konzern steht aufgrund seiner hohen Schulden unter Druck, weiß dafür aber den mächtigsten EU-Staat hinter sich. Die Interessen von Bayer-Monsanto werden in Zukunft mehr denn je die des Wirtschaftsstandorts Deutschland sein.

Von den tatsächlich in der EU erteilten Patenten auf Pflanzen entfallen 37 Prozent auf das halbe Dutzend Marktführer. Urheber/in: Atlasmanufaktur/Heinrich-Böll-Stiftung. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Für Europa ist zu befürchten, dass dieser neue deutsche Global Player und die ihm gewogenen Politikerinnen und Politiker die grundlegenden Errungenschaften der EU-Gesetzgebung ins Visier nehmen. Dazu gehört, dass Pestizide keine EU-Zulassung erhalten, bevor nicht ihre Unbedenklichkeit nachgewiesen ist, wenn sie also weder krebserregend sind noch die Fortpflanzung beeinträchtigen, Embryonen oder das Hormonsystem schädigen. Vermutlich wird Bayer auch die Zulassungs- und Kennzeichnungspflicht von Gentech-Pflanzen als Wachstums- und Handelshemmnis stärker angreifen.

Dahinter locken Bayer noch größere Aufgaben. „Wer die Saat hat, hat das Sagen“, lautet ein Bonmot. Wer sich genetisches Material über Patente sichert, erhält perspektivisch die Kontrolle über das Saatgut und damit über die Landwirtschaft sowie über die nachgelagerte Lebensmittelerzeugung – und am Ende über die Welternährung.

» Den gesamten Konzernatlas können Sie hier herunterladen.

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