Eine Mauer des Hasses

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Urheber/in: Jonathan McIntosh . Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Es herrschen Angst und Ablehnung an der US-mexikanischen Grenze.  Gerade die Tatsache Hispano zu sein, eine andere Hautfarbe zu haben, bedeutet für die Menschen auf der US-Seite der Grenze ein großes Risiko.

 

Donald Trump gefährdet das Zusammenleben an der US-mexikanischen Grenze.
 

Ich bin es gewohnt, mit der Mauer zu leben. In El Paso sehe ich sie täglich, seit ich vor neun Jahren in diese wüstenartige Stadt gekommen bin, die an das mexikanische Ciudad Juárez grenzt. In Chihuahuita, einem Viertel im Zentrum von El Paso, enden die Hinterhöfe der Häuser an der Mauer. Dort gibt es Wohnungen, von deren Balkonen aus man durch den engmaschigen Zaun rüber nach Juárez blicken kann. Den Schaukeln und Rutschen des zentralen Kindergartens dient die Mauer als Hintergrundkulisse. Wenn ich ins Zentrum im Osten der Stadt fahre, erinnert mich die Grenze, die sich entlang des Interstate-10-Highways zieht, immer daran, dass gleich auf der anderen Seite mein Herkunftsland liegt.

Das sehe ich auch in vielen meiner Studierenden, die um fünf Uhr morgens in den Tag starten, um von Juárez aus die Grenze zu passieren und pünktlich die Universität zu erreichen. Aufgrund der „bürokratischen Mauer“ kann es am Grenzübergang bis zu zwei Stunden dauern, durch die neuerdings intensivierten Kontrollen vielleicht sogar länger. An der Grenze lebt man jeden Tag mit der physischen Mauer, die dafür erdacht ist, die illegale Migration aufzuhalten, und mit der bürokratischen Mauer, die den Eintritt von Menschen und Waren kontrolliert, die auf legalem Wege einreisen. Das alles ist Teil der binationalen Dynamik.

Für Hispanos steigt das Risiko

Die Mauer, von der Donald Trump spricht, ist eine ganz andere. Es geht nicht einfach um die physische Abgrenzung, die bereits seit über 20 Jahren wächst. Trumps Mauer ist eine Mauer des Hasses und der Fremdenfeindlichkeit. In der hispanischen Gemeinschaft grassiert die Angst. Und das hat nichts mit dem Migrationsstatus zu tun. Die Tatsache Hispano zu sein, eine andere Hautfarbe zu haben, bedeutet für die Menschen auf der US-Seite der Grenze ein Risiko. Zivilgesellschaftliche Organisationen haben damit begonnen, Übergriffe und Misshandlungen zu registrieren. Die Migrationsanwält*innen bereiten sich darauf vor, Fälle von Regelverstößen bei Abschiebungen vor Gericht zu bringen.

Der demokratische Kongressabgeordnete  Beto O’Rourke rief dazu auf, Migrant*innen zu beschützen. Doch dies führte zum Widerspruch hunderter Menschen in seinem Wahlkreis, die ihm vorwerfen, „die Illegalität zu verteidigen“.
Eine Oberschullehrerin erzählte mir kürzlich, dass einige ihrer Schüler*innen von ihren angelsächsischen Mitschüler*innen drangsaliert worden seien. „Geh nach Mexiko zurück, wir wollen dich hier nicht“, riefen sie ihnen unentwegt zu. Sie habe gewusst, dass es in den USA Hass gäbe, so die beunruhigte Lehrerin, nicht aber, dass dieser so tief sitze und derart umfassend sei.

Trumps Rhetorik hat diesen Hass zu Tage gefördert. Er materialisiert sich in der Idee einer unüberwindbaren Mauer, die beide Nationen voneinander trennen soll. Die physische Mauer wird die Einreise von Geflüchteten in die USA erschweren und gefährlicher – wenn auch nicht unmöglich – machen. Trumps andere Mauer, die des Hasses, wird für das Leben in seinem Land schlimme Folgen haben. Die USA scheinen die Geschichte ihrer eigenen Gründung zu vergessen.
 

Aus dem Spanischen von Tobias Lambert.

Dieser Kommentar erschien in Zusammenarbeit mit dem Nord-Süd-Magazin Südlink; Herausgeber: INKOTA-netzwerk.

Lourdes Cárdenas arbeitet als freie Journalistin an der US-mexikanischen Grenze in der Region von El Paso und Ciudad Juárez.

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